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Zirkus Flic Flac in Wesel
Höher, schneller, heißer

Zirkus Flic Flac in Wesel: Höher, schneller, heißer
Alles Technik beim Feuerschlucken, meint Profi Hubertus Wawra. Die Nummer ist der Autorin aber zu heiß. FOTO: Malz, Ekkehart (ema)
Wesel. Jeden Abend vollführen derzeit die Artisten des Zirkus' Flic Flac an der Rheinpromenade Kunststücke mit Adrenalin-Garantie. Wie anspruchsvoll Trapez und Co. sind, hat RP-Mitarbeiterin Laura Ihme in der Manege einmal ausprobiert. Von Laura Ihme

Warum mache ich das hier eigentlich? Blitzartig schießt mir diese Frage in den Kopf, als ich langsam und unsicher in neun Meter Höhe am Schwungtrapez des Zirkus' Flic Flac meine Kniekehle in Richtung der Stange schiebe. "Super, und jetzt lässt du einfach die Hände los. Keine Sorge, du bist gesichert", ruft Nicolai Kuntz, Artist und Trapez-Experte von Flic Flac, zu mir hoch. "Einfach loslassen" - Kuntz hat gut reden, der macht das Ganze ja schon seit seinem neunten Lebensjahr, während ich gerade einmal zwei Minuten auf diesem Höllengerät verbracht habe. Aber es nützt nichts, jetzt in Panik zu geraten, wenn ich schon mitten in der Manege bin, das hätte ich mir vorher überlegen müssen. Also, Hände weg von der Stange, den Körper weiter absenken, bis ich kopfüber vom Trapez hänge - und ich fliege. So fühlt es sich zumindest an.

Einmal in der Zirkusmanege im Rampenlicht stehen, einmal umjubelter Artist sein, einmal das Adrenalin in schwindelerregender Höhe am eigenen Leib spüren - das ist mein Ziel heute, als ich die Flic-Flac-Artisten beim Training besuche. 43 von ihnen treten derzeit jeden Abend im Zirkuszelt an der Rheinpromenade auf, und jeder von ihnen hat sich auf eine andere spektakuläre Nummer spezialisiert - wie Nicolai Kuntz auf das Trapez, von dem er mich, nachdem ich das erste Kunststück absolviert habe, zunächst gar nicht mehr hinunterlassen will. "Versuch jetzt einmal, dich auf die Schaukel hinzustellen." Gesagt, getan. Kann ja nicht schlimmer sein als das Baumeln. Weit gefehlt, denn vom Adrenalin-Kick zittern mir die Beine ein wenig und ich stehe ziemlich wackelig auf dem Trapez. "Darf ich runter?", frage ich. Ich darf und bin wenig später froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

So wird man ein Zirkus-Artist

Lange währt diese Entspannung nicht, denn kaum ist das Trapez abgebaut, tragen die Mitarbeiter von Flic Flac bereits ein rundes Podest mit einer kleinen Kuhle in die Manege und ein freundlich aussehendes, sehr durchtrainiertes Pärchen kommt herein: Dandino Garcia und Luciana Hasenauer vollführen auf besagtem Podest Kunststücke auf Rollschuhen. Dabei drehen sie sich schnell im Kreis und Garcia wirbelt seine Partnerin durch die Luft. "Das ist eine der gefährlichsten Nummern, auch wenn es gar nicht so aussieht. Ich halte meine Partnerin oft mit meinem Hals fest. Und Luciana hat nach einem Unfall einmal fast ihr Auge verloren", sagt Garcia. Kopfkino an: Das wird mir gleich auch passieren, bin ich überzeugt.

Kneifen ist jetzt aber nicht mehr. Schon heben mich die Artisten hoch, ich spanne alle in meinem Körper vorhandenen Muskeln an und wir drehen uns rasend schnell um uns selbst. Gefährlich fühlt sich das eigentlich nicht an, nur einen leichten Drehwurm bekomme ich mit der Zeit. Doch noch bevor es mir zu viel wird, lassen mich die beiden wieder runter. Unbeholfen torkelnd bahne ich mir meinen Weg aus der Manege, mein Gleichgewicht hat die Übung nicht ganz so unbeschadet überstanden wie mein Puls. Spaß gemacht hat es trotzdem - so sehr, dass ich mich noch ein zweites Mal durch die Luft wirbeln lasse. "Bei unserer richtigen Nummer sind wir allerdings dreimal so schnell wie mit dir", sagt Garcia. Schon kapiert: Für mich gab es den Schongang. Ist aber vermutlich auch besser so, sonst wäre mir wohl doch noch schlecht geworden. Jetzt ist aber auch genug mit Höhe und Tempo: Zum Abschluss meines Ausflugs in die Manege treffe ich deshalb auf Hubertus Wawra oder den "Master of Hellfire", wie er sich nennt. Der Name ist Programm: Wawra ist Weltrekordhalter im Feuerschlucken und kann 39 Fackeln in 30 Sekunden mit seinem Mund löschen. "Die meisten Leute denken, wir Feuerschlucker hätten eine bestimmte Substanz im Mund. Das stimmt aber gar nicht, das Feuer löschen wir nur mit unserer Atmung. Das ist alles Technik", sagt er. Ob ich es mal versuchen möchte? Ich bin nicht überzeugt, lasse mich aber auf einen Kompromiss ein und führe die Fackel in die Nähe meines Mundes - und selbst das ist schon heiß: ausgeschlossen, das Teil in den Mund zu nehmen. Das überlasse ich den Profis - ebenso wie Trapez und Rollschuhe, ich bin eben kein Artist. Stolz auf meinen Mut in der Manege bin ich aber schon.

"Einfach loslassen", sagt der Trapez-Experte, "Bitte nicht", denkt die Autorin, lässt sich dann aber schließlich doch in neun Meter Höhe kopfüber von der Schaukel baumeln. FOTO: Malz, Ekkehart (ema)

Info Ein Video für Aushilfsartisten gibt es unter www.rp-online.de/wesel.

Quelle: RP
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