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Euregio Rhein-Waal Und Rp Präsentieren 25 Jahre Interreg (7)
Hörsteine auf dem Weg der Befreiung

Euregio Rhein-Waal Und Rp Präsentieren 25 Jahre Interreg (7): Hörsteine auf dem Weg der Befreiung
Die Bürgermeister Ulrich Francken und Hans Gilissen enthüllen den mit der EU-Flagge verdeckten Hörstein an der Kriegsgräberstätte in Weeze im Jahr 2014. FOTO: Binn
Wesel. Mit europäischen und Interreg-Mitteln wurde die Erinnerung an das Kriegsende 1945 in der Region unterstützt. Per QR-Code kommen Bilder und Geschichten zum Hören direkt aufs Handy. Begleitet wurde die Aktion von einer großen Ausstellung. Von Matthias Grass

Niederrhein Dick liegt der Stein neben der Heideberger Mauer in Kleve. Ein kleiner, gepflasterter Steg führt bis an den Granitbrocken heran. In den Stein eingelassen ist eine Platte, darauf ein Bild des zerstörten Kleve. Schutt und Asche, Balken und Berge von Ziegelsteinen dort, wo zuvor die Perle des Niederrheins stand. Es ist der Blick von dieser Stelle vor 70 Jahren nach den verheerenden Luftangriffen auf die Stadt. Kleve war zerstört - aber befreit. Befreit von den Nazis. Der Gedenkstein ist einer der ersten hinter der Grenze und erzählt vom Ende des Krieges. Mit dem Bild und den Texten der Platte, die darauf befestigt ist, aber auch, angekommen im 21. Jahrhundert, per QR-Code mit Bildern und Geschichten zum Hören direkt aufs Handy. Begleitet wurde die Aktion von einer großen Ausstellung in der Region, gefördert von der Euregio mit Interreg-Mitteln.

Viele dieser Befreiungs-Hörsteine säumen den Weg der Alliierten von den Küsten über Berlin bis nach Polen. Aufgestellt wurden die meisten 70 Jahre nach Kriegsende als Mahnmal für "den Weg in die Freiheit", als Zeichen auch dafür, die Grenzen zu überwinden oder vielleicht sogar schon überwunden zu haben. Gleichzeitig zu dieser Aktion hatten die Museen in der Region unter Federführung der "Stichting Nationaal Bevrijdingsmuseum 1944-1945" in Groesbeek die Ausstellung "Soldaten" vorbereitet, die in Nimwegen, Kleve, Kranenburg, Wesel und Weeze und Overloon zu sehen war und noch zu sehen ist. "Das Rijk van Nimwegen und das Gebiet am Niederrhein waren vor 70 Jahren über ein halbes Jahr lang Frontlinie - diese gemeinsame Geschichte wird in dem Projekt ,der Weg in die Freiheit' grenzüberschreitend erzählt", sagt Drs. Wiel Lenders, Direktor des Bevrijdingsmuseums. Er schuf eine Ausstellung, die bewusst über die Grenze schaut, die den "nationalen Sandkasten" (so Leenders) verlässt. Man habe die Erinnerungskultur wecken wollen. "Nur beim Blick über die Grenze hinaus, lernen wir, Geschichte zu verstehen. Wir müssen unsere nationalen Leiden in den europäischen Kontext stellen", sagt Lenders.

Er machte die Ausstellung zu einem deutsch-niederländischen Projekt, das sich mit den Soldaten beschäftigte und nicht vergaß, deutsche und niederländische Schüler einzubinden oder ihnen zumindest ein passendes Bildungsprogramm anzubieten. Zusätzlich knüpfte man noch die Kontakte zur Liberation-Route und ihren Gedenksteinen. Kurz: "Das Projekt soll einen Beitrag für die gemeinsame Geschichte sein", sagte Lenders.

Was blieb, sind die Steine der Liberation Route, die immer noch tourende Ausstellung aber vor allem die Erinnerung an die Erinnerung. Damit baute Lenders in die Zukunft, vor allem die Steine der Liberation Route werden unablässig an eine der größten Katastrophen Europas erinnern. Als in Kleve der Stein aufgestellt wurde, hatte Wiel Lenders vom Befreiungsmuseum betont, dass die Steine, die derzeit zwischen Südengland und Danzig den "Weg in die Freiheit" im letzten Kriegsjahr nachzeichnen, in Zukunft Europa vor einem kollektiven Gedächtnis-Verlust bewahren sollen. Dass jetzt in Kleve Niederländer und Deutsche beisammenstehen, zeige, dass ein gemeinsames Europa möglich sei. Es sei wichtig, dass jetzt die Fakten gesammelt wurden, jetzt, wo aus der Erinnerung an den Krieg Geschichte werde, so Lenders.

Auf der Suche nach Partnern, die Finanzierung des großen Projektes für seine grenzüberschreitende regionale Ausstellung in Verbindung mit der Liberation Route stemmen zu können, wurde Lenders bei der Euregio fündig. Der Direktor betont, er habe einen Partner gesucht, der ebenfalls grenzüberschreitend arbeitet und damit im Sinne der Ausstellung agiere. So, wie die Euregio eben. 308.957 Euro kostete das Unterfangen der Erinnerung an den Krieg, Im Rahmen von Interreg IV A schoss die EU 151.479 Euro dazu, jeweils 46.344 Euro kamen aus NRW und von Provinz Gelderland. Für die Euregio stand die Finanzierung außer Diskussion: "Dieses Projekt leistet einen Beitrag zur Sensibilisierung für die gemeinsame Geschichte der Grenzregion", konstatiert sie.

Quelle: RP
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