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Hamminkeln/Wesel
Holger Schlierf: Das Ende einer Ära

Hamminkeln/Wesel: Holger Schlierf: Das Ende einer Ära
Holger Schlierf empfand es als Herausforderung, den sieben Dörfern Hamminkelns mit ihren Stärken und Schwächen gerecht zu werden. FOTO: Fischer
Hamminkeln/Wesel. Der Bürgermeister nimmt nach 14 Jahren seinen Hut und macht Platz für Nachfolger Bernd Romanski. Schlierf, der nun wieder als Rechtsanwalt arbeiten möchte, zieht zufrieden Bilanz: "Hamminkeln hat sich in meiner Amtszeit gemausert." Von Thomas Hesse

Holger Schlierf hätte seine letzten Tage im Amt langsam angehen können. Doch die Ereignisse überschlugen sich zuletzt: Krisensitzung wegen der Flüchtlingswelle, Vorbereitungen auf den letzten Hauptausschuss am morgigen Donnerstag, und dann wollte ja schließlich auch der gestrige Abschied bei der Senioren Union noch vorbereitet sein. Schlierf ist zwar ein lockerer, gerne querdenkender Redner mit Neigung zur feinen (Selbst)- Ironie und philosophisch-politischen Passagen. Doch die passenden Worte zum Abschied müssen gut überlegt sein. 14 Jahre Bürgermeister - da gibt es eine Menge, über das man reden kann.

Der 61-Jährige, der aus Wesel stammt, hat viel zu tun am Ende seiner Dienstzeit. Im Büro lehnen die Umzugskartons an der Wand, die Schränke sind voll. Schlierf wird ein paar Urlaubstage, die er jetzt nimmt, als Packer verbringen. Nachfolger Bernd Romanski soll Freiraum bekommen. Wie beliebt, wie geschätzt der Verwaltungschef ist, wurde bei der Senioren Union deutlich. Der Jurist - Fach: Verwaltungsrecht - im höchsten Verwaltungsamt wollte nicht, wie angekündigt, über aktuelle Kommunalpolitik sprechen. Da seien jetzt andere für zuständig. Aber ganz ohne ging es nicht. Schlierf schaute auch gerne zurück, mit Humor und mit Fakten.

Er ist so etwas wie ein Urgestein der Verwaltung (230 Mitarbeiter) und als Führungskraft ein Stabilitätsanker im Rathaus. Seit 1991 war er Beigeordneter, hatte zuvor für einige Zeit die Stadtdirektoren Erich Tellmann - "mein Lehrmeister" - und Bruno Gerwers erlebt. Nach einem Abstecher als Syndikatsanwalt beim Rheinischen Landwirtschaftsverband kehrte er zurück, begleitete den Wechsel vom ehrenamtlichen zum hauptamtlichen Bürgermeister Heinrich Meyers. Der legendäre CDU-Mann starb überraschend im Jahr 2000, der Parteilose Schlierf rückte trotz Konkurrenz in die erste Reihe. Gegen Gunhild Sartingen (SPD) gewann er die Wahl, 2009 wurde er eindrucksvoll im Amt bestätigt. Einziger Gegner war damals Johannes Flaswinkel (Grüne). Schlierf und Hamminkeln erlebten eine wechselvolle Zeit. "Das Berufsbild Bürgermeister musste ich erst kennenlernen, in die Rolle der Vertretung des Bürgers musste ich mich hineinarbeiten. Das ist mir gelungen, glaube ich." Seine Beliebtheit in den sieben Dörfern bestätigt das. Als Verwaltungschef sieht er sich als "beratende Führungskraft", teamfähig nach innen, und als fähiger Dienstleister nach außen. "Eine erfolgreiche Marotte von mir war, den Verwaltungsvorstand aus eigenen Reihen zu besetzen. Sachorientiertheit ist mein Prinzip. Es gilt das Primat der Politik, die entscheidet", sagt er - und lobt den gesamten Rat für gute Zusammenarbeit. Die sei nötig gewesen für manche Meilensteine wie einst die Dreierlösung Juze, Hallenbadrenovierung, Zweifachturnhalle, aber auch für die Kopplung von ehrenamtlichen Projekten und intensiver Verwaltungsarbeit (Bürgerradweg Wertherbruch, Dorfplatz Mehrhoog, Kirmesplatz Dingden, Humberghaus, Sparkassen-Arena Hamminkeln). Klar, dass der scheidende Chef den Mitarbeitern dankte für gute Arbeit.

Was in den Dörfern stattfindet, findet er großartig. Für ihn selbst sei es eine Herausforderung gewesen, den sieben Dörfern Hamminkelns mit ihren Stärken und Schwächen gerecht zu werden. "Der Bürgermeister muss die Gratwanderung beherrschen, schließlich wird in den einzelnen Orten unterschiedlich gedacht." Beispiel aktuelle Schuldiskussion: Die Schule gehöre zum Dorfleben Dingdens, dafür müsse es doch eine Lösung geben. "Schloss Ringenberg, Kloster Marienthal, Musikschule, Mühle Nordbrock, Dingdener Heide - die Besonderheiten müssen gepflegt werden", sagt Schlierf.

Wie steht Hamminkeln heute da? "Zwischen den Mittelzentren Bocholt und Wesel haben wir uns gut behauptet. Wir vereinen westfälische und rheinische Qualitäten." Schlierfs Fazit: "Hamminkeln hat sich gemausert. Die Stärke der Stadt liegt in der Bereitschaft der Zusammenarbeit von Ehrenamt und Rathaus." Gutes Wohnen, solides Handwerk, Gewerbe (Textiler, Metall u.a.), gute Anbindung für Pendler - das steht auf der Haben-Seite. Wirtschaftlich geht es aufwärts nach dem Einbruch bei den Gewerbesteuern. Der Abschluss 2014 werde besser als erwartet. Wie sich Hamminkeln entwickelt, kann er nun in Ruhe beobachten. Wenn er denn Zeit hat zwischen der geplanten Tätigkeit als Rechtsanwalt und den Wünschen der Enkel, um die sich Schlierf gerne kümmert.

Quelle: RP
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