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Wesel/Emmerich
Hospital tauscht überraschend Spitze aus

Wesel/Emmerich. Holding-Geschäftsführer Dieter Morlock wurde abberufen, Johannes Hartmann ist neuer Chef. Umbaukosten sind explodiert. Von Fritz Schubert

Die Personalie des Tages kam gestern Nachmittag völlig überraschend: Die Gesundheitsholding Pro homine hat sich von Dieter Morlock getrennt und Johannes Hartmann als Geschäftsführer installiert. Nach Informationen unserer Redaktion gab es in der Belegschaft keine Hinweise für den Schritt. Morlock hatte erst am 17. Oktober 2016 die Nachfolge von Johannes Hütte angetreten und nach dessen umstrittenem Wirken als Hoffnungsträger gegolten, das gut 2700 Mitarbeiter beschäftigende Unternehmen wieder in ruhigeres Fahrwasser lenken zu können.

Der Aufsichtsrat der Pro homine, zu der das Marien-Hospital Wesel und das Willibrord-Spital Emmerich sowie etliche Seniorenheime gehören, hat der Gesellschafterversammlung vorgeschlagen, den aus dem Ruhrgebiet stammenden Diplom-Kaufmann Hartmann mit sofortiger Wirkung zu berufen und Morlock unmittelbar von seinen Aufgaben zu entbinden. Stefan Sühling, Leitender Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde St. Nikolaus Wesel, erklärte als Aufsichtsratsvorsitzender, dass grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Geschäftsführer und Aufsichtsrat über die strategische Ausrichtung der zur Pro homine gehörenden Krankenhäuser diesen Schritt unumgänglich gemacht hätten. Zur Frage, um welche Differenzen genau es gegangen ist, mochte sich Sühling auf Nachfrage unserer Redaktion nicht äußern.

Allerdings deutet vieles darauf hin, dass eine Kostenexplosion im Zusammenhang mit dem Großumbau des Marien-Hospitals dabei eine Rolle gespielt haben soll. Wie seinerzeit berichtet, war das Vorhaben mit rund 20 Millionen Euro kalkuliert. Morlock hatte gar den Ehrgeiz entwickelt, noch zehn Prozent einsparen zu können, um damit einen neuen Eingangsbereich zu finanzieren. Nach Informationen unserer Redaktion soll die immer noch laufende Baustelle derzeit die 30-Millionen-Marke erreicht haben. Ebenfalls soll Morlock einen mindestens hoch sechsstelligen Betrag für Beraterkosten ausgegeben haben, statt das Know-how der Mitarbeiter zu nutzen. Darüber hinaus war aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren, dass Hermann Hofmeister seit dem 31. März nicht mehr als Technischer Leiter fungieren soll. Er hätte sich sonst, weil auch als externer Projektsteuerer engagiert, selbst kontrolliert.

In der offiziellen Mitteilung des Unternehmens dankt Aufsichtsratsvorsitzender Sühling Morlock "für seine Arbeit in den vergangenen 18 Monaten". Die großen Herausforderungen, die auf die gesamte Krankenhauslandschaft in NRW in den nächsten Jahren zukommen würden, erforderten laut Sühling ein geschlossenes und kraftvolles Vorgehen von Geschäftsführung und Aufsichtsrat zusammen mit allen Beschäftigten. Unterschiedliche Auffassungen zwischen Geschäftsführung und Aufsichtsrat über die dazu notwendigen Weichenstellungen hätten jetzt zur Trennung von Morlock geführt. Welche Perspektiven damit gemeint sein könnten, - in der Vergangenheit war immer wieder eine Fusion mit den katholischen Kliniken in Kleve in der Diskussion - ließ Sühling offen.

Der neue Geschäftsführer Johannes Hartmann wurde Chefärzten und Betriebsleitern in Wesel und Emmerich bereits gestern vorgestellt. Johannes Hartmann (64) ist Diplom-Kaufmann mit mehr als 30 Jahren Geschäftsführererfahrung an großen Krankenhäusern in Oberhausen, Essen und Mülheim. Er teilte mit, dass er mit Elan auf die neue Aufgabe zugehe: "Ich freue mich auf diese großartige Herausforderung in Wesel und Emmerich, in der ich meine Berufserfahrung umfassend einsetzen kann."

Insidern zufolge gilt Hartmann als guter Kenner der Materie. Ende Juni 2017 war er nach 27 Jahren als Geschäftsführer des Elisabeth-Krankenhauses Essen, das zur Contilia-Gruppe gehört, in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet worden. Daraus lasse sich laut Sühling aber nicht ableiten, dass er als Übergangsmanager zur Pro homine geholt wurde.

Hartmann habe gestern bekannt, dass er den Ausstieg "etwas bereut" und "große Lust" habe, wieder tätig zu werden, sagte Stefan Sühling. Es sei zu spüren gewesen, mit welchem Engagement Hartmann an die Arbeit gehen wolle.

Quelle: RP
 
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