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Wesel
Im Heubergbad spitzt sich die Lage zu

Wesel: Im Heubergbad spitzt sich die Lage zu
Am Beton unterm Becken des Heubergbades ist nicht mehr viel zu retten. Bäderleiter Martin Burgers zeigt, wo das Wasser ausläuft. FOTO: Ekkehart Malz
Wesel. Wesels wichtigster Pool schleppt sich dahin. Die Entscheidung für einen Neubau wird immer drängender. Aber wo? Von Fritz Schubert

Schulschwimmen im Heubergbad: Mädchen und Jungen ziehen ihre Bahnen. Sie wirken unbekümmert, brauchen sich zu Recht keine Sorgen zu machen. Denn das Bad ist sicher. Dafür sorgen die seit Jahren nötigen Flickarbeiten. Vor allem da, wo man sie nicht sieht: im Untergrund. Da sind jetzt gerade auf Anraten eines Betongutachters und Statikers, der die Entwicklung seit Jahren für die Städtischen Bäder beobachtet, neue Stützkonstruktionen eingezogen worden. Die Probleme sind halt nicht neu. Dass sich die Zustände von allein nicht bessern, liegt auf der Hand. Bädergeschäftsführer Franz Michelbrink hat die Situation gegenüber der Politik gerade noch einmal geschildert (wir berichteten). Die RP stieg mit Bäderleiter Martin Burgers gestern in den Keller.

So schön und unbeschwert sich der Betrieb oben darstellen mag, so eklatant sind die Schäden unterm Becken. Während dies vor 20 Jahren neu gefliest und ein neues Gebäude drumherum gebaut wurde, so ist unten alles gut 50 Jahre alt und stammt somit aus den Anfangstagen des Hallenbades. Wesentlichen Anteil am maroden Untergrund hat die undichte Überlaufrinne. Das Wasser sucht sich Wege, verdunstet, schlägt sich wieder nieder und löst die unterschiedlichsten Arten von Korrosion aus. Auch an vermeintlich rostfreiem Stahl. Vieles ist geflickt. Stellenweise tropft es so von der Decke, dass Eimer die Tropfen auffangen müssen. Pumpen, Filter, Lüftungen, Elektronik - alles wird in Mitleidenschaft gezogen. Die erwähnten Stützkonstruktionen, mit denen vor zwei Jahren begonnen wurde und die jetzt erweitert worden sind, sind Anzeichen dafür, dass die Uhr des Bades abläuft.

Szene vom Schulschwimmen: Oberflächlich ist nicht zu erkennen, dass die Überlaufrinne undicht ist, das Kellergeschoss durch das Wasser geschädigt wird. FOTO: Malz, Ekkehart (ema)

"Die Standsicherheit ist mit diesen Maßnahmen weiterhin gewährleistet", sagt Bäder-Chef Michelbrink, der auf baldige Klarheit hofft. Klarheit darüber, wie es denn nun weitergehen soll. Die einst mit sechs Millionen Euro angesetzte Sanierung des Bades wird von einem Projektsteuerer aktuell auf neun bis zehn Millionen geschätzt. Michelbrink spricht von einem unkalkulierbaren Risiko, das kostenmäßig Richtung Neubau wächst, der vermutlich wirtschaftlicher sei.

Tatsache ist, dass Wesel bei einer reinen Betonsanierung ja kein neues Bad bekommt. Auch wird das alte dann nicht um eine für den Kunden klar erkennbare Neuerung attraktiver sein. Zu den Details laut Martin Burgers zählt, dass die Lüftungsrohre an der Hallendecke über dem Becken dringend gereinigt werden müssten, dass Holzelemente über dem Endpunkt der Rutsche verschraubt werden müssten. Bei der 7,5 Millionen D-Mark teuren Auffrischung vor 20 Jahren waren diese Leisten nur geschossen, sprich getackert worden. Nun rosten die Nägel. Außerdem brauchen die runden Lichtluken zur Parkseite neue Dichtungen und, und ...

Kurz: Die Lage spitzt sich zu, eine Entscheidung wird nötig und die Gemengelage bleibt schwierig. Sollen zehn oder gar noch mehr Millionen in ein altes Bad gesteckt werden? Soll am Heuberg ein neues gebaut werden? Ist der Auesee ein geeigneter Standort? Oder ist das Freibad wegen seiner Lage am Rhein erste Wahl? Dafür spricht einiges, doch hat dieser Standort den Nachteil, im Überschwemmungsgebiet zu liegen. Die städtischen Planer und die Bezirksregierung als Genehmigungsbehörde befinden sich noch in der Abstimmung darüber, was da möglich wäre. Vorher will keiner Stellung beziehen oder gar Summen nennen.

Allseits gewünscht wird ein Kombibad: für Sport und Freizeit, für drinnen und draußen, mit Lehrschwimmbecken, Kinderbecken, Rutsche, Sauna, Gastronomie. Ein großer Wurf also, der Diskussionen übers Bislichbad überflüssig macht? Klartext ist fällig, derweil das Heubergbad, Wesels wichtigster Pool, sich gerade so dahinschleppt.

Quelle: RP
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