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Wesel
Im Weseler Dom: Noch einmal Luther

Wesel. Das Ensemble Opella Nova begeisterte beim Gastspiel. Von Hanne Buschmann

Hier, bei dem, was wir gerade gehört haben, beginnt eigentlich Evangelische Kirche. Hier sollte sie ansetzen mit fortschreitender Reformation, mit modernerem geistigen Christentum. So oder ähnlich sprachen sich Hörer aus nach dem Konzert des Dortmunder Ensemble Opella Nova am Sonntag im Willibrordi-Dom. Domkantor Ansgar Schlei hatte zum Abschluss des Lutherjahres dazu eingeladen. Die gekommen waren, darunter etliche neue Hörer, auch von auswärts, dankten von Herzen dafür.

Dortmund war immer eine Musikstadt. Vorbildlich hatte das Opella-Nova-Ensemble - fünf sehr sensible, geistig gereifte Könner, drei Frauen, zwei Männerstimmen - sein ausführliches, sorgsam durchdachtes Programm ausgedruckt: mit den Liedtexten, den Titeln der Vorlese-Texte samt der Autoren, der Fundstellen, der geschichtlichen Abläufe und eventueller Kommentare. Luther als überdurchschnittlich mehrfach begabter Mensch voller Saft und Kraft dem tätigen Leben zugewandt, ebenso dem geistigen Sein, das nur Demut vor Gottes Gerechtigkeit sein kann. Also rief er Herren und Bauern ("es gilt euch allen beiden"), Welt und Kirche, zur Ordnung.

Daran wurde zu Recht erinnert. Mit "Psalm, Protest und Poesie - Vokalmusik um Luther". "Wir glauben all an einen Gott", dieses Bekenntnis in behutsam modifizierter Sprache verfasst, von Wolfgang Fortner (1907-1987) in sehr moderner, herber, komplizierter Art vertont, erklang zu Anfang. Luthers Mahnung, "Gerechtigkeit im Glauben leben", rüstete die gesamte aufrüttelnde Klangrede, die mit den Berichten von Luthers Verhandlungen vor dem Reichstag zu Worms 1521, der Bitte um Frieden (Musik von Heinrich Schütz), von Frauenliebe, Ehe und Kindern (Ludwig Senfl), von der schönen gebratenen Gans (Anonymus, Teutsche Liedlein) des Reformators Leben umriss.

Die "Musik, keine Kunst kommt ihr gleich" wurde besungen und der Sommer mit dem Gesang der Nachtigall (Arnold Mendelssohn, im Volkslied-Ton); die Klage nach dem Tod der Tochter und die Bitte um ein reines Herz (Johannes Brahms); "Verbirg dein Angesicht nicht vor mir" aus den Psalmen und die erlangte innere Furchtlosigkeit ("Mit Fried und Freud ich fahr dahin" - Musik von Bach). Zum Schluss ein heutiges, tief innerliches Glaubensbekenntnis (Paul Heller, geboren 1991): "Wir glauben all an einen Gott, Schöpfer Himmels und der Erden ... er sorget für uns, hüt' und wacht; es steht alles in seiner Macht. Amen." Warum wird solch ein zeitgemäßes Bekenntnis nicht in den Kirchen gebetet?

Langer Applaus und Trostgesang: "Die Nacht will kommen."

Quelle: RP
 
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