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Wesel
In "Wimmelbildern" ist viel zu entdecken

Wesel. Die Ausstellung "augentrauen" zeigt ab Sonntag im Nikolaus-Stift Werke des Weseler "Bildermalers" Twan Schutten. Von Klaus Nikolei

Twan Schutten (67) ist anders als die meisten Künstler. Das beginnt schon damit, dass der gebürtige Niederländer, der seit vielen Jahren mit seiner Frau in der Feldmark lebt, sich nicht als Künstler sieht. Für ihn "ein Schimpfwort". Stattdessen bezeichnet er sich ganz bescheiden als "Bildermaler".

30 seiner Werke, die in den vergangen beiden Jahren entstanden sind, hat der "Bildermaler" im Erdgeschoss des Pflegeheims Nikolaus-Stift im Stadthafen aufgehängt. Am Sonntag, 16. August, 15.30 Uhr, wird die Ausstellung "augentrauen" (bis 22. November) offiziell eröffnet.

Twan Schutten, der sich eine beneidenswerte Jugendlichkeit bewahrt hat, wird im Laufe des Nachmittags alle Interessenten zu einem Kunstspaziergang bitten. Ziel ist auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Wiese vor der Musik- und Kunstschule. Denn dort steht seine Brückenskulptur. Die wurde bekanntlich im vergangenen Herbst offiziell enthüllt und besteht aus einem einzigen Stahlstück, das nach Schuttens Plänen aus dem Fachwerk der abgebrochenen Rheinbrücke herausgeschnitten wurde.

An dem mit grauem Lack wetterfest gemachtem Objekt wurde mittlerweile eine Tafel mit den Namen der Sponsoren installiert, ohne die das Projekt nicht realisiert worden wäre. Was jetzt noch fehlt, ist die Beleuchtung. In Anlehnung an die Illumination der neuen Rheinbrücke wünscht sich Twan Schutten einen Strahler, der die Skulptur in das gleiche farbige Licht taucht wie die Brücke. Ein Sponsor steht bereit.

Nach Rückkehr ins Nikolaus-Stift, ist Twan Schutten am Sonntag gerne bereit sein, Besuchern seine Werke näher zu bringen. Und von diesem Angebot sollte man unbedingt Gebrauch machen. Erhöht doch das Gespräch mit dem "Bildermaler" den Genuss beim Betrachten. "Schauen Sie hier", sagt Schutten und deutet auf ein großflächiges Bild. Tatsächlich! Wenn man sich ein wenig Mühe gibt, kann man die neue Rheinbrücke zwischen all den Linien und Pinselhüben erkennen. Dreht man das "Wimmelbild" um, erinnert es an Da Vincis "Abendmahl", das Jesus am Abend vor seinem Tod mit den Jüngern zeigt.

Wenn Twan Schutten, der einst Architektur und Kunst studiert hat, über seine Art des Malens spricht, zieht er Parallelen zu dem psychologischen Tintenkleckstest des Schweizers Hermann Rorschach. "Wie bei dem Rorschachtest erkennt jeder Betrachter womöglich etwas anderes in meinen Bildern. Die verändern sich auch, wenn man näher herankommt." Stimmt. Wer sich beispielsweise im Speisesaal die vier großformatigen Werke genau ansieht, erkennt dort unter anderem einen Frauenakt mit verwischtem Kopf, einen Fisch, Bäume, Worte, Strandleben, Surfer beim Wellenritt - oder eben auch ganz etwas anderes. Kein Zweifel: Der Besuch der Ausstellung ist ein Gewinn. Die Bilder, an denen Schutten bis zu einem Monat arbeitet und die er allesamt mit Bleistift und Tusche vorzeichnet, bevor er den Farbpinsel ansetzt, sind alle verkäuflich.

Adresse: Nikolaus-Stift, Wilhelm-Ziegler-Straße 21, Weseler Stadthafen

Quelle: RP
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