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Niederrhein
Industrie - Jobmotor im Kreis Wesel

Niederrhein. Ländliche Standorte wie die Kreise Wesel und Borken profitieren, das Ruhrgebiet leider nicht, wie der Unternehmerverband bedauert.

Die Zahl der Mitarbeiter in der deutschen Industrie ist auf einen Rekordwert gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt wuchs sie im Verarbeitenden Gewerbe im vergangenen August um 97.000 oder 1,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat und übertraf damit erstmals seit Beginn dieser Statistik im Januar 2005 die Marke von 5,5 Millionen. "Die Industrie ist das Herz der deutschen Wirtschaft und einer der Jobmotoren dieses Landes", stellt Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes mit Sitz in Duisburg, fest. Und sie ist eine gut bezahlte Branche noch dazu, wie aktuell eine IW-Studie belegt: Die tariflichen Stundenlöhne beispielsweise in der Metall- und Elektro-Industrie sind von 2000 bis 2016 um insgesamt 51 Prozent gestiegen - und damit weit mehr als etwa im öffentlichen Dienst oder im Handel.

Besonders die ländlichen Regionen der Kreise Borken und Wesel, die zum Kerngebiet des Unternehmerverbandes gehören, stützen diese positiven Beschäftigten-Zahlen: Die örtlichen Arbeitsagenturen vermelden bei insgesamt guter Arbeitsmarktlage auch im "Verarbeitenden Gewerbe" große Zuwächse. "Mittelständische, teils familiengeführte Unternehmen gehören zu den hiesigen Jobmotoren. Sie wachsen langsam, aber kontinuierlich und sorgen so für sichere Arbeitsplätze", erläutert Wolfgang Schmitz.

Leider komme diese Dynamik nicht in gleicher Form im Ruhrgebiet an, schränkt der Hauptgeschäftsführer ein. Zwar sei die wirtschaftliche Lage der Unternehmen auch hier insgesamt gut, doch gebe es immer noch zu wenige Investitionen in neue Arbeitsplätze. Strukturelle Gründe habe dies, ebenso aber hausgemachte, weil etwa Industrieflächen fehlen. "Wir müssen hier wieder Vorfahrt für Wachstum, Beschäftigung und Investitionen schaffen. Die Infrastruktur - und damit meine ich neben Straßen, Wasser und Gleisen auch die digitale Vernetzung - muss schnell und gründlich verbessert werden", so Schmitz.

Der Unternehmerverband beteiligte sich aus diesen Gründen federführend an hiesigen Standortinitiativen: Der Masterplan Wirtschaft für Duisburg, die Stärkungsinitiative Industrie in Mülheim oder die für das ganze Revier im Frühjahr gestartete Initiative "Zukunft. Industrie. Metropole Ruhr" mit den Industrie- und Handelskammern und Wirtschaftsförderungsgesellschaften. Schmitz: "Im Kern geht es uns immer darum, dem Industriestandort Ruhrgebiet Rückenwind zu geben und seine Zukunftschancen für gute Arbeitsplätze zu betonen."

Der Jobmotor Industrie könnte aber kurzfristig abgewürgt werden, warnt Schmitz mit Blick auf die seiner Meinung nach "maßlosen" Forderungen der Gewerkschaft in der anstehenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie: "Wir haben schon jetzt die kürzeste Arbeitszeit Europas und zugleich ein sehr hohes Durchschnittsgehalt von 56.000 Euro. Wenn an beiden Stellen ausschließlich zugunsten der Arbeitnehmer geschraubt wird, ist eins gewiss: Arbeitsplätze würden ins Ausland abwandern."

Quelle: RP
 
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