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Wesel
Inflation aktuell: "Viele Sparer erleiden Vermögensverluste"

Wesel: Inflation aktuell: "Viele Sparer erleiden Vermögensverluste"
FOTO: Malz Ekkehart
Wesel. Derzeit streben die weltweiten Zentralbanken einen Anstieg der Inflation bis zwei Prozent an. Das hat Folgen: "Viele Sparer erleiden aktuell reale Vermögensverluste, auch wenn dieses nur schleichend und still erfolgt", sagt Matthias Blomen von der Volksbank Rhein-Lippe in Wesel. Er beobachtet, dass auch die Sparer in der Region generell einen zu hohen Anteil an Geldanlagen am Gesamtvermögen haben. Und er registriert, dass viele seiner Kunden dem Thema Inflation nur wenig Bedeutung beimessen: "Die Inflationsgefahr wird von Anlegern derzeit kaum gesehen. Wenn überhaupt, dann im Zusammenhang mit der Wertwicklung von Immobilien- und Grundstückspreisen." Die Gefahr dabei: Überraschende Entwicklungen an den Kapitalmärkten können jederzeit eintreten. Von Sebastian Peters

Inflation beschreibt rein technisch den Vorgang, dass Geld im Zeitverlauf an Kaufkraft verliert. Damit ist gemeint, dass man für eine Einheit des Geldes immer weniger Güter erwerben kann. Ein Beispiel: Wer derzeit sein Geld auf dem Sparbuch liegenlässt, erzielt nur eine Verzinsung von deutlich unter einem Prozent, die Inflationsrate liegt über einem Prozent. Die Kaufkraft des angelegten Kapitals würde bei diesem Verhältnis also stetig an Wert verlieren, obwohl der Anlagebetrag absolut gleich bleibt, sogar leicht zulegt. Bei einer unterstellten Inflation von zwei Prozent pro Jahr und den derzeitigen Verzinsungen von nahe null Prozent auf den Tagesgeldkonten und Sparbüchern erleidet man bei einem Barvermögen von 300.000 Euro im Jahr 6.000 Euro Verlust. Wie sich die Inflation entwickelt, das ist unter Volkswirten umstritten und seit langem diskutiert, sagt Blomen.

Anleger sollten das Kapital breit streuen und auch Teile in Produktivkapital, wie unternehmerische Beteiligungen investieren, empfiehlt der Bankexperte. "Hierdurch partizipiert der Anleger indirekt an einer inflationären Entwicklung. Steigt nämlich die Inflation, so steigen zugleich die Umsätze und damit häufig auch der Gewinn eines Unternehmens. Der Wert eines Unternehmens hängt im Wesentlichen von den derzeitigen und zukünftigen Gewinnen ab." Blomen empfiehlt Investitionen in Sach- und Substanzwerte. "Alternative Anlagen wie Rohstoffe sind für viele Anleger ein Schutz vor Inflation, meiner Meinung nach sind diese jedoch wegen fehlender Ertragsausschüttung, komplexerer Investmentstruktur für den Kleinanleger eher ungeeignet."

Natürlich kennt Matthias Blomen das Argument einiger Anleger, dass sie lieber mit dem Inflationsrisiko statt mit dem Risiko hoher Verluste am Aktienmarkt leben. "Für Anleger, die in breit gestreute Aktienfonds oder einer Auswahl von zehn bis zwölf qualitativ guten Aktien investiert haben, sollte der Verlust auf langfristige Sicht keine große Rolle spielen. Wichtig ist, dass die Anleger lernen, damit umzugehen, dass zwischenzeitliche Wertschwankungen bei einem Aktieninvestment völlig normal sind. Wertschwankungen sind für Kapitalanlagen nicht unüblich, vor allem für langfristig ausgerichtete Investments. Selbst der Preis für Immobilien, oder der eines lokalen Wirtschaftsbetriebes, sind ständig positiven, wie auch negativen Veränderungen ausgesetzt." Der einzige Unterschied zur Aktie: Der Preis sei nicht ablesbar, häufig unbekannt - und damit im Vergleich zur Aktien und Wertpapieranlage nicht präsent. Dort fehle eben die Börse, die Preise täglich, stündlich, sekündlich ermittelt.

Quelle: RP
 
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