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Wesel/Hamminkeln/Schermbeck
Hier darf St. Martin noch in Ruhe reiten

Das sind die Martinszüge in Duisburg 2017
Das sind die Martinszüge in Duisburg 2017 FOTO: andreas probst
Wesel/Hamminkeln/Schermbeck. Während Sicherheitsauflagen anderswo das Brauchtum bedrohen, sind Wesel und seine Nachbarn positiv gelassen. Von Fritz Schubert

Karnevalisten, Schützen, Weihnachtsmarkt-Veranstalter und Organisatoren anderer Veranstaltungen unter freiem Himmel kennen es seit Jahren: Nichts läuft ohne Sicherheitskonzept und amtliche Genehmigung. Das schreckliche Loveparade-Unglück von Duisburg und der Terroranschlag von Berlin haben dazu beigetragen, dass die Auflagen immer härter und Verantwortliche schon aus Versicherungsgründen immer sensibler wurden. Das führte zum Beispiel in Krefeld jetzt dazu, dass sich Ehrenamtler überfordert fühlen und keine Lust mehr haben, einen Martinszug zu veranstalten. Das ist in Wesel und Umgebung anders. Hier darf St. Martin noch in Ruhe und zur Freude der Kinder reiten. Wie sehr das Brauchtum in der Region verankert ist und wie wenig bürokratische Probleme es hier gibt, zeigt eine RP-Umfrage in den Kommunen.

In Wesel überrascht zunächst die schiere Menge. Stolze 28 Martinszüge waren 2016 im Rathaus angemeldet worden. Auch in diesem Jahr liegen schon 24 Meldungen vor, sagt Gerd Füting vom Weseler Ordnungsamt. Auf eine Bekanntmachung legen meist nur diejenigen Organisatoren wert, die auf eine besondere Veranstaltung aufmerksam machen möchten, noch Spenden für die Tüten sammeln oder um geschmückte Häuser am Zugweg bitten. Das Gros der friedlichen Spaziergänge mit Laternen und Gesang findet fast privat statt. Dem Amt angezeigt werden müssen alle, damit im Fall verkehrlich neuralgischer Stellen an der Strecke eine sichernde Begleitung hinzukommt. Gelassen sieht auch Stefan Sühling, leitender Pfarrer der Großgemeinde St. Nikolaus, auch 2017 St. Martin "auf einem guten Weg". Alle Kindergärten der Pfarrei machen ihren eigenen Umzug. Nur die Kinder von der Antonistraße und der Stralsunder Straße ziehen gemeinsam mit ihren Laternen los. Etwas größer und mit Martinsspiel wird es am Martinikindergarten, wo in der Martinikirche am Samstag, 11. November, das Patronatsfest mit einer Messe gefeiert wird, sowie am Tag zuvor auf dem Fusternberg (siehe Bericht unten).

In dem auf sieben weit verstreute Orte verteilten Gebiet der Stadt Hamminkeln sind ebenfalls schon 19 Umzüge von Kindergärten und Schulen angezeigt worden. Sie ziehen "teilweise seit Jahrzehnten durch die gleichen Straßen", sagt Ortwin Nissing vom Ordnungsamt, spricht von einer Generalgenehmigung und beschreibt damit gleich, wie wenig Änderungen zu bisherigen Abläufen zu beachten sind. Manche kleine Spielgruppe könne auch ohne amtliche Kenntnis unterwegs sein, mutmaßt Nissing. Etliche Züge bewegen sich in verkehrsberuhigten Siedlungsbereichen, wo das Sieben-km/h-Limit und ein querstehendes Auto allein schon für die Sicherheit sorgen. Dass Feuerwehr und/oder Polizei im Zweifel begleitendes Personal stellen, versteht sich.

Etwas komplizierter scheint sich das in der Gemeinde Schermbeck darzustellen. Hier berichtet Verwaltungsmann Herbert Tekaat von bislang zwei Kindergärten, die aus Gründen der Verkehrssicherheit eine Begleitung wünschen. Dies könne in diesem Jahr wohl noch einmal mit Hilfe der Feuerwehr gelingen, sagt Tekaat. Auf Dauer aber könne es sich ergeben, dass nur noch ein bis zwei Züge in Schermbeck stattfinden können, "an denen sich dann alle anderen zu beteiligen haben". Zum Hintergrund gehört die Versicherung der Feuerwehrleute. Aber große Unruhe oder Sorgen um die Zukunft des Brauchtums, wie anderenorts, gibt es auch in Schermbeck nicht.

Quelle: RP
 
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