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Issel in Hamminkeln
Retter füllen die ganze Nacht Sandsäcke

Überflutung in Hamminkeln und Schermbeck
Überflutung in Hamminkeln und Schermbeck FOTO: nikolei
Hammikeln. Bis in den frühen Samstagmorgen haben Feuerwehr und freiwilige Helfer Sandsäcke gefüllt, um die Issel gegen Überschwemmungen zu sichern. Die Feuerwehr Hamminkeln hatte auch Unterstützung aus anderen Städten angefordert. Am Morgen hat sich die Lage aber entspannt. Von Klaus Nikolei und Carola Siedentop

Feuerwehren der Stadt Düsseldorf, des Kreises Mettmann und des Rhein-Kreises Neuss hatten sich noch am frühen Samstagmorgen gegen fünf Uhr auf den Weg ins Schadensgebiet in Hamminkeln gemacht - insgesamt 35 Fahrzeuge mit etwa 140 Einsatzkräften. Doch später am Morgen entspannt sich die Lage an der Issel: "Wir haben hier noch leichten Regen, aber der Deutsche Wetterdienst gibt auch Entwarnung", sagt Feuerwehrsprecher Konrad Deckers am Samstagmorgen unserer Redaktion. Für die Rettungskräfte ist der Einsatz beendet - nach einer langen Nacht. 

Instabile Wetterlage machte Sorgen

Denn am Freitagabend sah die Lage noch bedrohlich aus: Neuer Regen könnte die stark angeschwollene Issel überlaufen lassen, teilte die Feuerwehr Krefeld am Abend mit. Deshalb machten sich auf Anforderung der Bezirksregierung Düsseldorf 134 Feuerwehrleute aus Krefeld, Mönchengladbach und dem Kreis Viersen mit 27 Fahrzeugen auf den Weg nach Wesel. Von dort aus werden dann die Feuerwehrleute den Einsatzorten zugewiesen. Ziel ist, den Deich zu sichern. Dabei kommen auch Sandsäcke zum Einsatz. "Die instabile Wetterlage lässt derzeit eine seriöse Aussage zur voraussichtlichen Einsatzdauer nicht zu", hieß es in der Mitteilung der Feuerwehr.

Wegen des Unwetters musste die Feuerwehr bereits in der Nacht zu Freitag  zu 200 Einsätzen ausrücken. Das Unwetter hat unter anderem den Pegel der Issel wieder bedrohlich ansteigen lassen. Freitagnachmittag lag er bei 2,27 Metern – sechs Zentimeter höher als bei dem "Jahrhunderthochwasser" vor drei Wochen, über das bundesweit berichtet wurde und bei dem der Kreis Wesel Katastrophenalarm ausgelöst hatte. Normal sind 50 Zentimeter. "Es ist diesmal noch schlimmer, weil die Deiche durchgeweicht sind und das Wasser von unten drückt", erklärte Hamminkelns Bürgermeister Bernd Romanski im Gespräch mit unserer Redaktion.

Hatte die Feuerwehr vor drei Wochen auf Anweisung von Romanski unweit der Landratsbrücke an der Straße Zu den vier Winden den Isseldeich an zwei Stellen durchbrochen, damit Wasser auf die dahinterliegenden Wiesen Richtung A 3 fliegen konnte, so öffneten die Feuerwehrleute den Deich Freitag an fünf Abschnitten. "Große Probleme" habe es auch am Gut Grenzenlust gegeben, wo der Mühlenbach übergelaufen sei, sagt Romanski.

Bahnlinie gesperrt

In Ringenberg pumpte das von der Hamminkelner Feuerwehr um Hilfe gebetene Technische Hilfswerk (THW) viele Tausend Liter Wasser aus der Issel in den nahen Weikensee. Wegen der Schläuche, die über den Schienen lagen, musste die Bahnline nach Bocholt gesperrt werden. Bis zu 200 Einsatzkräfte – darunter auch Feuerwehrleute aus Voerde, Xanten, Kamp-Lintfort und Moers – waren pausenlos damit beschäftigt, unter anderem den Isseldamm mit Sandsäcken zu sichern und überall im Stadtgebiet Keller leer zu pumpen. Außerdem lösten sie die erschöpften Hamminkelner Kameraden ab, die seit Donnerstagabend um kurz nach 22 Uhr im Einsatz waren. Unter anderem mussten sie umgestürzte Bäume von Straßen entfernen und das Ufer des bedrohlich angeschwollenen Königsbachs in Dingden an mehreren Stellen mit Sandsäcken erhöhen. Eine schweißtreibende Arbeit bei der schwül-heißen Witterung.

Nach Angaben von Bernd Romanski rückten die Einsatzkräfte der Feuerwehren aus allen Ortsteilen Hamminkelns zu mehr als 200 Einsätzen aus. Ortswechsel: Im Schermbecker Ortsteil Damm musste die B 58 für mehrere Stunden gesperrt werden, weil die Feuerwehr Wasser auf die Felder südlich der Bundesstraße pumpen und dafür Schläuche über die Fahrbahn legen musste. Der Verkehr wurde über Hünxe umgeleitet, wobei in Schermbeck ein entsprechendes Hinweisschild fehlte – was bei Autofahrern zu reichlich Verdruss führte.

Gegen kurz nach 10 Uhr waren die Löschzüge Schermbeck, Altschermbeck und Gahlen zur Reithalle des Zucht-, Reit- und Fahrvereins Wodan Damm gerufen worden, weil ein Teil der Halle und das Außengelände überflutet waren. "Der kleine Dellbach ist so stark angestiegen, dass das Wasser durch die Rohre gedrückt wurde. Um 8 Uhr haben wir noch gehofft, das alles gutgeht. Doch zwei Stunden später war schon alles unter Wasser", sagte Reitlehrerin Claudia Lohmann. Die gut 30 Pferde habe man in Sicherheit gebracht. Sie seien auf mehrere Höfe verteilt worden.

Der Arbeitstag für die gut 80 Schermbecker Feuerwehrleute hatte nach Angaben ihres Chefs Gregor Sebastian am frühen Morgen gegen kurz vor 5 Uhr so richtig begonnen. Da mussten sie zu einem Scheunenbrand in den Ortsteil Dämmerwald eilen. Alarmiert waren auch die Kollegen aus Raesfeld und Erle. Die brennenden Ballen wurden mit Mistgabeln auseinandergezogen und mit Wasser abgelöscht. Niemand wurde verletzt.

Die Kreissprecherin Anja Schulte hatte übrigens auf Anfrage mitgeteilt, dass es im gesamten Kreisgebiet bis 10 Uhr gut 200 Unwetter-Einsätze – mit Schwerpunkt Hamminkeln – gegeben habe.

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