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Wesel
Ist die Promenade nicht schön?

Wesel: Ist die Promenade nicht schön?
Ein schöner Ort am Wasser ist die Rheinpromenade auf jeden Fall. Ein Ort zum Verlieben gar. Der Blick übers Wasser inspiriert Herz und Gemüt. FOTO: Ekkehart Malz
Wesel. Was ist eigentlich schön? Am Rheinufer in der Sonne zu sitzen und der Zeit beim Fließen zusehen, ist schön. Im Strom mit dem Moment und im Fluss mit sich selbst. Ruhig, entspannt, hypnotisiert. Wasser ist Magie. Die Quelle, der Ursprung, Erkenntnis und Fortschritt. Am Wasser ist es schön. Von Lisa Kreuzmann

Horst Dieter Köster mampft Currywurst. Dazu wurden Pommes gereicht. Dem hölzernen Esstisch hat er sich nur halb zugewandt. Mit der linken Hand stützt er den Oberkörper auf das dazugehörige Knie, mit der Rechten sticht er gezielt noch einmal in die Pappschale. Neben ihm sitzt seine Frau Eva und beißt etwas zaghafter in ein Sandwich. Eine Pudelschnauze ragt unter dem Tisch hervor und giert nach dem wohlriechenden Fleisch. "Dem Hund war es zu warm zu Hause, da sind wir spontan ans Wasser gefahren", erzählt das Paar. Zuhause, das ist in Gelsenkirchen.

Nun sitzen die Kösters im Biergarten an der Rheinpromenade. Sie sind zum ersten Mal hergekommen. Zeit für ein erstes Resümee. "Wir hätten es uns ein bisschen lebendiger vorgestellt", sagt Horst Dieter Köster. Seine Frau stimmt ihm zu. Sie trägt ein langes buntes Sommerkleid, dazu Sonnenbrille. Flanier-bereit. Nur flaniert hier keiner. "Aber wat soll's", sagt Horst Dieter Köster. "Beim nächsten Mal fahren wir einfach woanders hin." Ergebnis: In Gelsenkirchen ist man nicht nur spontan, sondern auch flexibel.

Und die Promenade? Der erste Eindruck ist nicht immer fair. Es ist ein wirklich heißer Tag. 35 Grad, der Himmel wolkenlos. Zum Spazierengehen ist es vielleicht zu warm. Zum Boulespiel vielleicht auch. Vielleicht sogar zum Biertrinken. Vielleicht ist das auch der Grund, warum das an diesem Tag hier fast niemand tut. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Rheinpromenade in Wahrheit keine Promenade ist.

"Abcampen" ist die korrekte Bezeichnung unter "Wohnmobilisten" für das, was Sabine und Bernd Küpper hinter der Promenade tun. Es riecht nach Sonnencreme und Frittiertem. Anderthalb Wochen waren sie mit ihrem Camper an der See. Auf dem Heimweg nach Gevelsberg bei Wuppertal lassen sie den Campingurlaub in Wesel ausklingen. Und kommen gerne her - der Ruhe am Wasser wegen. Für die zwei ist das genau richtig. Mehr Gewusel brauchen sie nicht. Sie haben das Rheinbad, sie haben den See, sie haben eine Möglichkeit, zu duschen, und sie haben Urlaub. "Wir lieben den Rhein und schauen einfach gerne aufs Wasser", sagt Sabine Küpper. Am Wasser ist es eben schön.

Wenn man sich der Rheinpromenade nur noch 600 Meter entfernt weiß, regt das die Fantasie an: Ein bisschen Lustwandeln, ein bisschen Leute gucken, ein Eiswagen, ein Eisverkäufer, ein Eis gekauft. Ein Gaukler jongliert mit Tennisbällen, Schüler sitzen ohne Kenntnis über Gesundheitsrisiken in der Mittagssonne und trinken ein verfrühtes Radler. Mutti kauft eine Kette mit Sonnenanhänger. Vati findet die nicht so schön. Eine Dame mit Hut sitzt im Schatten und sagt, dass der Kuchen gar nicht mal schlecht sei. Gar nicht mal schlecht ...

So weit die Vorstellung. Aber wenn man die Weseler Rheinpromenade wirklich zum ersten Mal sieht, ist es eine Mischung aus der Unsicherheit, ob man sie denn schon erreicht hat und der Gewissheit, bereits am Ende angelangt zu sein. Ein Touristenmagnet ist die Rheinpromenade sicher nicht. Es gibt kein Alleinstellungsmerkmal, es fehlt die Finesse. Ein schöner Ort am Wasser ist sie auf alle Fälle. Ein Ort zum Verlieben gar. Sandra und Marcel haben es schon getan, Jörg und Andrea auch und Carolin und Kevin sowieso. Ihre Liebe demonstrieren sie per Vorhängeschloss am Brückengeländer.

Vielleicht ist Wasser und Ruhe allein doch anziehend genug. Die Lackhausener Claudia und Wilfried Patzwald jedenfalls kommen gerne an ihren Rhein. Nicht oft, aber immer wieder mal. Meistens sei es ihnen aber zu windig und regnen tue es ja auch oft. Dann sei die Promenade nicht der richtige Ort. Wilfried Patzwald sagt, dass er den Plan, eine Brücke-Plattform mit integrierter Gastronomie zu bauen, schön gefunden hätte. "Dann hätte man seinem Besuch etwas zeigen können". Aber im Grunde sei alles in Ordnung so, wie es ist. Und genügend Sitzmöglichkeiten gebe es ja auch.

Quelle: RP
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