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Unsere Woche
Jetzt fängt die Integration erst richtig an

Wesel. Die Großunterkünfte schließen, andere Flüchtlinge kommen. Sie werden deutlich länger bleiben. Deshalb ist es jetzt erst recht angesagt, dauerhaft Hilfe zu geben.

Die beiden Großeinrichtungen für Flüchtlinge an der Trappstraße und am Lippeglacis werden Ende Februar geschlossen. Das kommt nicht unerwartet. Die mit der Aufgabe betrauten Behörden Kreis und Stadt sind darauf vorbereitet. Die Bevölkerung ist es nicht. Macht nichts? Doch, das macht was: Denn jetzt fängt die Integration erst richtig an. Die Menschen, die bisher in den beiden großen Anlagen untergebracht waren, sind jetzt irgendwo anders, haben Weseler Willkommenskultur vielleicht als gute Erinnerung mitgenommen. Die Menschen aber, die jetzt kommen, werden deutlich länger bleiben. Weil sie sich "im Verfahren" befinden. Das heißt, sie sind anerkannte Asylbewerber. Ob ihnen am Ende Asyl gewährt wird, zeigt sich im besagten Verfahren. Und das kann dauern.

Verbände, Vereine, Kirchen, Firmen, Privatleute: Viele haben beim großen Ansturm, als von jetzt auf gleich die Großunterkünfte eingerichtet und ans Laufen gebracht werden mussten, vorbildlich geholfen. Werden sie das jetzt wieder tun? Und werden sie es vor allen Dingen langfristig tun? Das wäre das Beste, ist aber auch klar das Schwierigste.

Sprachunterricht geben, Beziehungen aufbauen, Fremde mit Sitten und Gebräuchen vertraut machen, Rechte und Pflichten erklären, die Menschen mitnehmen in die eigenen Familien, zur Arbeit, zum Sport, ihnen bei Behördengängen helfen - all das wäre angesagt. Und zwar dauerhaft.

Gerade nach Köln, aber auch gerade wegen zunehmender Anfeindungen und unsäglichen Gerüchten aus der allerletzten rechten Ecke ist es wichtig, dass die breite Mitte der Gesellschaft kühlen Kopf bewahrt, die wenigen schwarze Schafe von den vielen Unschuldigen zu trennen weiß, Demagogen eine Absage erteilt und und einfach menschlich bleibt.

Bis jetzt hat der Umgang mit Flüchtlingen in Wesel, ja am ganzen Niederrhein recht gut geklappt. Das darf keine Momentaufnahme sein. Wer Integration zum Vorteil aller schaffen will, der braucht einen langen Atem.

Quelle: RP
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