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Wesel/Mittweida
Weseler stattet Airbus aus

Jörg Hüsken aus Wesel stattet Airbus aus
Jörg Hüsken wuchs in Wesel auf, ging vor 25 Jahren in den Osten Deutschlands und führt heute ein Unternehmen mit 600 Mitarbeitern. FOTO: Ekkehart Malz
Wesel/Mittweida. Jörg Hüsken ist Chef von Cotesa, die Europas Flugzeugriesen mit Kohlefaser-Bauteilen beliefert. Von Michael Elsing

Jörg Hüsken sieht "die 100" schon recht deutlich vor sich. Gemeint sind in diesem Fall 100 Millionen Euro Umsatz, die der gebürtige Weseler in naher Zukunft mit seinem Unternehmen anstrebt. Vor 13 Jahren war eine solche Entwicklung auch für den heute 53-Jährigen nicht abzusehen. Damals stieß Hüsken im sächsischen Mittweida auf eine insolvente Maschinenbau-Firma, die unter anderem aus Glasfaser gefertigte Bodenwannen für Flugzeugtoiletten herstellte.

Genau in diesem Teil des Unternehmens sah er Potenzial, kaufte ihn und schrieb so mit gerade einmal fünf Mitarbeitern den Anfang der Erfolgsgeschichte der Cotesa (Composite Technology Sachsony) GmbH. Dabei ist der Werdegang von Jörg Hüsken alles andere als geradlinig verlaufen. Die Konrad-Duden-Realschule (damals noch Realschule Nord) in Wesel absolvierte er nach eigener Aussage "mehr schlecht als recht". Es folgte eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Anschließend holte er sein Abitur nach und absolvierte ein BWL-Studium in Köln.

Erstmalig in leitender Position arbeitete Hüsken dann knapp drei Jahre lang beim Matratzen-Hersteller Concord. Doch die nächste Kehrtwende zu einer völlig anderen Branche vollzog er Anfang der 1990er Jahre, als er ins Bauunternehmen seines Vaters einstieg und mit Frau und Kind nach Riesa zog. "Ich habe das dann zehn Jahre gemacht, aber erfüllt hat es mich nicht wirklich", erzählt Hüsken. Im Oktober 2001 verkaufte er Teile der Firma, andere gingen in die Insolvenz. Auf der Suche "nach etwas im Bereich Maschinenbau" wurde er dann in Mittweida fündig.

Das Zauberwort hieß in diesem Fall Kohlefaserverbundstoff, das Material der Zukunft, was Hüsken schon damals erkannte. Ein weiteres lautete Airbus, Europas größter Flugzeughersteller. Hier bekam Hüsken den Fuß in die Tür und ist für bestimmte Bauteile nun sogar der einzige Lieferant des Flugzeugriesen.

Die Zahlen sind beeindruckend: Aus den fünf Mitarbeitern vor 13 Jahren sind mittlerweile knapp 600 geworden. Für das kommende Jahr peilt die Cotesa GmbH einen Umsatz in Höhe von 60 Millionen Euro an. Eine Unternehmenskooperation mit Eissmann Automotive, die Hüsken gemeinsam mit dem aus Hamminkeln stammenden Eissmann-Geschäftsführer Dr. Klaus Elmer initiierte, führte dazu, dass die Cotesa GmbH nun auch in der Automobilindustrie tätig ist. Der nächste Clou könnte eine Zusammenarbeit mit Boeing sein, dem weltweit größten Flugzeughersteller. Zeitnahe Projekte sind zudem die Verlagerung der Produktion in ein neues Werk sowie der Aufbau eines weiteren Standortes in der Türkei.

Und was ist nun das Geheimnis des Erfolges? Jörg Hüsken überlegt nur kurz. "Ich denke, dass ich Menschen für meine Ideen sehr gut begeistern kann. Ich bin hartnäckig, nehme mich selbst nicht so wichtig und vertraue anderen Leuten", gibt er Einblicke in seinen Charakter. Und Wesel? "Wesel bleibt meine Heimat. Ich möchte hier nicht mehr leben, komme aber immer gerne hierhin zurück."

Quelle: RP
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