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Wesel
Juden wollen Ostglacis-Friedhof schließen

Wesel: Juden wollen Ostglacis-Friedhof schließen
Friedhof Am Ostglacis: Die Pflanzen wuchern, eine Bank kippt fast um. Er soll nicht mehr lange genutzt werden. FOTO: Klaus Nikolei
Wesel. Die Jüdische Gemeinde will versäumte Pflegearbeiten auf dem Friedhof am Ostglacis nachholen, diesen aber nicht weiter nutzen. Auf Dauer ist eine Konzentration auf Duisburg geplant, wo ein neuer Bestattungsort gesucht wird. Von Fritz Schubert

Als Haus des Lebens - nicht der Trauer - ist ein jüdischer Friedhof auf die Ewigkeit ausgerichtet. Hier wird nichts eingeebnet, nicht umgebettet, neu belegt oder gar bebaut: Was steht, bleibt stehen. Bis es versinkt. Was unterm Rasen liegt, wird nicht angerührt. So sind die Gepflogenheiten. Was aber nicht bedeutet, dass jüdische Friedhöfe nicht gepflegt werden. Unsere Leserin Monika Ingendaay-Simon hatte diesen Eindruck aber gewonnen, als sie unlängst die Anlage am Ostglacis mit Gästen aus Düsseldorf besuchte. Diesen gegenüber habe sie sich gar geschämt. "Da wachsen die Bäume durch die Bänke", schilderte Ingendaay-Simon im RP-Gespräch.

Eine Nachfrage beim städtischen Betrieb ASG (Abfall-Straßen-Grünflächen) ergab, dass nicht er zuständig ist, sondern die jüdische Kultusgemeinde. Der ASG Wesel habe die Pflege gegen Bezahlung übernehmen wollen, doch sei dies abgelehnt worden, erklärte Betriebsleiter Ulrich Streich. Bei der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim/Ruhr-Oberhausen stieß unsere Redaktion alsdann auf offene Ohren. Geschäftsführer Alexander Drehmann bedankte sich zunächst für den Hinweis der Weselerin Ingendaay-Simon und räumte umgehend das Versäumnis ein. "Wir haben im vergangenen Jahr viel Geld ausgegeben und das noch nicht gemacht. Wir werden jetzt einen Hausmeister schicken", sagte Drehmann und erläuterte Pläne der Gemeinde. Die ist nämlich dabei, den Friedhof am Ostglacis zu schließen, und sucht dafür eine Regelung, in wessen Obhut er bleibt oder kommt.

FOTO: Christoph Reichwein

Die Anzahl von Juden in Wesel ist verschwindend gering. Eine weitere Belegung bis zum Volllaufen der Anlage am Ostglacis ist laut Alexander Drehmann nicht zu erwarten. Dies passiert aber derzeit in Mülheim. Und da die meisten der rund 2500 Gemeindemitglieder - der Geschäftsführer spricht von 99 Prozent - in Duisburg leben, wird dort nach einer neuen Bestattungsmöglichkeit gesucht.

"Das ist eine schwierige Kiste", beschreibt Alexander Drehmann, was es an Regeln und Bräuchen zu beachten gilt. Deshalb sei auch der Landesverband der Jüdischen Gemeinden involviert. Es gebe unterschiedliche Optionen für den Weseler Friedhof. Welche zum Tragen komme, werde man erst in ein paar Monaten wissen.

Ein jüdischer Friedhof wird geschlossen, aber nie aufgegeben. In Wesel liegt der Älteste an der Esplanade. Weil 1880 hier der Platz nicht mehr ausreichte, wurde ein neuer Friedhof am Ostglacis angelegt. Historiker gehen davon aus, dass jüdische Geschichte in Wesel mindestens bis 1767 zurückverfolgt werden kann, eventuell auch deutlich länger.

Gern genannter Beleg ist ein Stein von 1668, vielleicht auch schon 1665, der dem Rabbiner, Streitschlichter und Kaufmann David Jacobs gewidmet wurde, der bereits spätestens 1623 in Wesel nachweisbar ist.

Quelle: RP
 
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