| 00.00 Uhr

Wesel
Junge Chefs bauen Rohre für die Welt

Wesel: Junge Chefs bauen Rohre für die Welt
Andreas Gülker (l.) und Florian Lange im Ausstellungsraum der Weseler Firma Star Piping Systems am Schepersweg. FOTO: Sebastian Peters
Wesel. Die Weseler Firma Star Piping Systems entstand in einer Garage - und hat sich zu einem weltweit agierenden Experten für Rohrverbindungen entwickelt. Seit Kurzem sitzen zwei junge Geschäftsführer am Ruder. Fortlaufend wird investiert. Von Sebastian Peters

Ein Weseler Produkt geht um die Welt. Die Rohre und Rohrverbindungen der Firma Star Piping Systems liegen mittlerweile in Australien, in Chile, in Russland. Auch beim Bau einer neuen Trinkwasserleitung in Berlin kam die Technik aus Wesel zum Einsatz. Vom Garagenunternehmen zum großen Arbeitgeber - die Entwicklung von Star Piping Systems mit Sitz am Schepersweg ist eine beeindruckende Unternehmensgeschichte. Auch, weil inzwischen zwei junge Geschäftsführer am Ruder sitzen. Florian Lange (28) und Andreas Gülker (27) wollen mit ihrem Unternehmen langsam wachsen, Neues erfinden, und so den Standort stärken.

1995 gründeten Udo Piontek und Klaus Lange das Unternehmen als Zweimanngesellschaft, damals noch unter dem Namen Kunststoffverarbeitungs GmbH. Sie erkannten die Potenziale in der Branche der Kunststoffrohre, die eine deutlich längere Haltbarkeit haben als Stahlrohre. "Beide haben in einer Garage angefangen", sagt Florian Lange, Sohn von Gründer Klaus Lange. Später ging es zum Standort Am Schornacker. Auch dort wuchs die Firma kontinuierlich, neue Grundstücke wurden benötigt. Im Jahr 2010 erfolgte schließlich der Umzug zum Schepersweg, wo früher ein Blumenauktionator ansässig war. Seit 2015 sitzt mit Florian Lange und Andreas Gülker die Nachwuchsgeneration auf dem Chefsessel. Dass sie in so jungen Jahren schon ein Unternehmen führen, ist für beide keine Besonderheit. "Entscheidend ist die Erfahrung im Unternehmen", sagt Gülker - und die bringen sie mit.

Beide haben im Betrieb gelernt, sind seit rund zehn Jahren dort tätig. Florian Lange trat in die Fußstapfen seines Vaters, mit 18 Jahren schon machte er erste Erfahrung im Auslandsgeschäft. Er holte sich seinen Kompagnon Andreas Gülker an seine Seite. Beide haben im dualen Studium ihr Rüstzeug für den verantwortungsvollen Job erworben, ein 110-Mitarbeiter-Unternehmen zu führen. Sie fungieren als Team, leben die offene Unternehmenskultur. "Unsere Tür steht immer offen, und im Zweifel können wir durch unsere eigene Ausbildung in diesem Unternehmen auch die Ärmel hochkrempeln und selbst an der Werkbank tätig werden." Der Stamm der Mitarbeiter von 1995 ist immer noch da. "Das Wissen bleibt im Unternehmen", sagt Andreas Gülker.

Die Domäne des Weseler Unternehmens ist die Produktion von langlebigen Kunststoffrohrleitungssystemen. "Unsere Produkte halten bis zu 100 Jahre", sagt Florian Lange. Das liegt an einem besonderen Kunststoff: Seit über 20 Jahren fertigt Star Piping Systems für internationale Projekte Rohre und Formteile aus Polyolefinen - umweltfreundliche Kunststoffe mit hoher Flexibilität, die auf vielerlei Art zum Einsatz kommen können. Zusätzlich werden Kunststoffschweißmaschinen und Zubehör für den Rohrleitungsbau angeboten. Trinkwasser- und Abwasserleitungen sowie Gasleitungen und Erdkabellösungen werden damit gestaltet. 110 Mitarbeiter arbeiten derzeit für Star Piping Systems.

Kontinuierliches Wachstum kennzeichnet die Firma: In Troisdorf hat Star Piping Systems eine Produktionslinie gekauft, die Produktion Jahre später am Standort Wesel gebündelt. Seit Kurzem kooperiert der Betrieb bei der Rohrherstellung auch mit einem Unternehmen aus Sprockhövel. Diese Veränderung haben die beiden jungen Chefs schon mit in die Wege geleitet. Seit 2010 wurden Umsatz und Mitarbeiterzahl verdoppelt. "Eine Vergrößerung des Betriebes hat immer zu Wachstum geführt. Wir müssen uns ständig Gedanken machen, welche nächsten Schritte wir gehen", sagt Florian Lange. Wichtig bei der Entwicklung seien immer auch die Banken gewesen. "Gewinne wurden immer auch in das Wachstum des Unternehmens investiert, in anderen Fällen haben Banken geholfen." Im engen Dialog stand das Unternehmen mit der Volksbank in Wesel. Die Region liegt den Unternehmern am Herzen. "Am Niederrhein haben wir optimale logistische Anbindungen zu Flug-, Binnen- und Seehäfen. Auch brauchen wir uns keine Sorge um ausreichende Energieträger machen", sagt Florian Lange, der aber auch betont: "Unsere internationalen Mitbewerber haben weitaus geringere staatliche Auflagen und profitieren von liberaleren Gesetzen. Es sollte uns wichtig sein, die Konkurrenzfähigkeit von Deutschland zu erhalten."

Kunde ist der Technische Handel, Endabnehmer sind zum Beispiel große Energieversorger. Wichtig ist besonders der Export, den Florian Lange mit aufgebaut hat. "Im Winter wird in Deutschland wegen der Kälte wenig gebaut. Um eine Produktionslinie aufrecht zu erhalten, muss man also auch in Länder verkaufen, wo es im Winter warm ist." Bei Star Piping Systems beschäftigen sie auch aus diesem Grund Mitarbeiter, die fremde Sprachen beherrschen - Englisch gehört selbstverständlich dazu, aber es gibt auch einen Russisch sprechenden Mitarbeiter, einen spanischsprachigen und einen französischsprachigen.

Lange und Gülker sehen einen großen Wachstumsmarkt in ihren Produkten. "Wenn man die Entwicklung des Klimas sieht und dann überlegt, dass es in vielen Regionen künftig schwieriger wird, an Trinkwasser zu gelangen, dann wird der Bau von Trinkwasserleitungen wichtiger. Der besondere Werkstoff Polyolefinen hat aus Sicht von Lange viele Vorteile. "Er ist dehnbar, er gibt keine Gerüche an das Trinkwasser ab. Deshalb haben wir in Deutschland auch einen so hohen Trinkwasserstandard." Wichtig sei auch die Dichtigkeit. "Was im Rohr ist, muss im Rohr bleiben." Das gelte nicht nur für Trinkwasser, sondern auch für Abwasser.

Das Kerngeschäft verändert sich. Die beiden Unternehmer wissen, dass sie auf Phänomene wie Digitalisierung und Globalisierung reagieren müssen. "Im Vergleich zu den anfänglichen Jahren findet man heute eine industrialisierte Fertigung vor. Vor allem sind aber auch die Rohrleitungsabmessungen entscheidend gewachsen. Damals waren Dimensionen um 400 mm noch die Ausnahme. Heute fertigen wir Formteile bis 1400 mm im Durchmesser. Speziell im Ausland steigt der Bedarf an sicheren Rohrleitungssystemen für den Transport von Gas, Brauch- und Trinkwasser enorm."

Künftig werde vielleicht der 3D-Druck von Bauteilen größere Bedeutung gewinnen, auch müsse man überlegen, wie man weiter Energie spart, sagt Florian Lange. Schon jetzt ist Star Piping Systems das Unternehmen mit dem größten Solarsystem auf dem Dach im Kreis Wesel. Immer neue Ideen müsse man haben, sagt Florian Lange.

Manches aber bleibt im Betrieb auch einfach gute Tradition - die nämlich, dass ein Geburtstagskind bei Star Piping Systems Selbstgebackenes mitbringt. Beim Besuch am gestrigen Dienstag liegen selbstgebackene Muffins vor dem Besprechungsraum.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wesel: Junge Chefs bauen Rohre für die Welt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.