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Wesel
Kämmerer Fritz nach Kanal-Brief am Pranger

Wesel: Kämmerer Fritz nach Kanal-Brief am Pranger
Der hohe Wasserdruck im Abwasserkanal hat das Rückhaltesystem im Keller von Harald Schwyrz zerstört. Nun soll er auch noch Fehleinleiter sein. FOTO: Malz
Wesel. "Axt im Walde", "Skandal", "Ohne Gespür", "Fehlende Kommunikation": CDU und SPD schießen scharf gegen den Kassenhüter im Rathaus. Von Fritz Schubert

Der "Anhörungsbogen", den der Fachbereich Finanzen des Rathauses wegen möglicher Fehleinleitungen von Regenwasser ins Kanalnetz an Blumenkamper Hauseigentümer geschickt hat, brachte gestern auch die großen Fraktionen auf den Plan. Nach Friedrich Eifert (FDP) und Harald Schwyrz (früher UWW, dann FWG), die als Betroffene auch im Namen von Nachbarn ihre Empörung zum Ausdruck gebracht hatten, erwarten nun Jürgen Linz (CDU) und Ludger Hovest (SPD "umgehende Aufklärung des Vorgangs" durch den Kämmerer Paul-Georg Fritz.

Zur Sondersitzung der Fraktionsvorsitzenden am Montag legten die Spitzen Fragen vor: Warum wurde keine Informationsveranstaltung durchgeführt? Woher kommen die Hinweise auf Fehleinleitungen und seit wann sind diese bekannt? Weshalb scheint dem Kämmerer der jetzige Zeitpunkt für die Anhörungsbriefe geeignet? Wieso und auf welche Rechtsgrundlage gestützt müssen die angeschriebenen Bürger der Stadt ihre Nettoeinkünfte offenbaren? Sind ähnliche Aktionen auch in anderen Stadtteilen geplant? Warum wurden auch die Fraktionen über diesen Vorgang nicht informiert?

Wie sie das Handeln des Kämmerers bereits jetzt bewerten, das erläuterten die beiden Fraktionschefs in RP-Gesprächen: "Axt im Walde", "Skandal" und "Unterirdisch" sind eine Auswahl des Hovestschen Vokabulars. Linz kritisierte "fehlende Kommunikation", vermisste zudem "jegliches Gespür für den Umgang mit dem Bürger und der Politik" und sagte, Fritz werde seiner Verantwortung als Kämmerer nicht mehr gerecht.

Auch zur Sache selbst gab es reichlich Kritik. So untermauerte Hovest, dass die den Anschreiben zugrundeliegenden Gutachten fast zehn Jahre alt seien, dass die Stadtwerke immer wieder mal Hinweisen auf Fehleinleitungen nachgehen, dann aber die Bürger aufsuchen und mit ihnen zu Lösungen kommen.

Überrascht hat Harald Schwyrz übrigens eine Aussage aus dem Rathaus, dass der Kanal in Blumenkamp nicht für Niederschlag ausgelegt sei. Vor 60 Jahren sei er es jedenfalls gewesen. Nur hätte das System eben mittlerweile erweitert werden müssen. Die Unterscheidung zwischen Schmutz- und Niederschlagswasser habe es erst vor 20 Jahren gegeben.

Unabhängig von der Aufregung über besagten Anhörungsbogen, der ja unmittelbar nach den Unwettern und Flutungsschäden auch Blumenkampern diesen ins Haus flatterte, hatte die CDU bereits eine Überprüfung des Generalentwässerungsplans mit Blick auf Starkregenereignisse beantragt. Wesel sei zwar vergleichsweise glimpflich davongekommen, doch sei ja wohl vermehrt mit Starkregenereignissen zu rechnen. Besorgte Bürger hätten sich zudem an die CDU-Fraktion gewandt. Über die Prüfung, eventuelle Schwachstellen und gegebenenfalls notwendige Maßnahmen erwartet die CDU einen Bericht im zuständigen Ausschuss.

Quelle: RP
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