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Hamminkeln
Kahlschlag am Feuerwehrhaus

Hamminkeln. Karl Heinz Polaschegg ärgert sich, weil die große Hecke am Feuerwehrgerätehaus so radikal "auf Stock gesetzt" worden ist. So gehe auf längere Zeit eine Nist-Möglichkeit für zahlreiche Vögel verloren, sagt der Vogelfreund. Von Bernfried Paus

Mit der winterlichen, von Schneemassen gedämpften Ruhe rund ums Haus von Karl Heinz Polaschegg (71) und seiner Frau Agnes ist es vorbei. Obwohl die Tage zwar noch nicht merklich wärmer, aber wieder länger werden, stimmt frühmorgens im großen wilden Garten, wo vorm Winter das Laub bewusst nicht weggeharkt wird, wieder eine wachsende und zunehmend buntere Schar von Singvögeln ihr fröhliches Lied an. Die frohe Botschaft der munteren kleinen Flieger: Der Frühling ist unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Doch die Stimmung im versteckten Vogelparadies zwischen Ringenberger/West- und Jägerstraße, in dem ausgepickte Apfelhälften vom Lebenshunger der gefiederten Sänger zeugen, ist nicht ungetrübt.

Der Grund liegt einen Steinwurf entfernt: Rund ums Feuerwehrgerätehaus in der Daßhorst ist kräftig geholzt, Sträucher und Bäume sind vorm Start der Vegetationsphase massiv beschnitten worden und fallen vorläufig als Nistplatz aus. "Es ist schon sehr ägerlich, wie unsensibel man hier vorgegangen ist", sagt Vogelfreund Karl Heinz Polaschegg.

Naturschützer raten zu Phasen

Vor gut drei Wochen habe er beim morgendlichen Spaziergang mit seinem Weimarer-Hund Asco den "sehr ärgerlichen" Kahlschlag entdeckt. Zwar sei der Gehölzschnitt in der gesetzlich zulässigen Zeit bis Anfang März erfolgt, so der 71-Jährige. Aber die Gründlichkeit, mit der vorgegangen worden sei, sei mit Blick auf die heimkehrenden Singvögel alles andere als sanft.

Den ehemaligen Kirchmeister der Evangelischen Kirchengemeinde wurmt es außerdem, dass der Gehölzschnitt am Feuerwehrhaus längere Zeit aufgehäuft liegen geblieben ist. "Das war ja geradezu eine Einladung für die Vögel, sich hier häuslich niederzulassen, um sie dann wieder zu verscheuchen", denkt der ehemalige Qualitätsmanager, der vor der Pensionierung darüber gewacht hat, dass ICE-Räder robust rollen oder Rampen für Raketen dem Start standhalten.

Es sei im Sinne von Blau- und Schwarzmeisen, Heckenbraunelle, von Amsel bis Zilpzalp und Zaunkönig sicher besser gewesen, wenn man hier behutsamer – "in Abschnitten" vorgegangen wäre, so Polaschegg. Das würden Naturschützer mit Sinn für die heimische Vogelwelt immer empfehlen.

Hermann Flores, Chef auf dem städtischen Bauhof, räumt ein, dass der Gehölzschnitt am Feuerwehrgerätehaus "nicht unbedingt optimal" gelaufen ist. Doch da seine Leute beim befristeten winterlichen Rückschnitt des Grüns unter Hochdruck arbeiten würden, habe man das Angebot der Wehrleute gern angenommen, in ihren Grünanlagen selbst Hand und Säge anzulegen. "Leider konnte die Aktion nicht so mit uns abgestimmt werden, dass das Holz sofort gehäckselt worden und dadurch länger liegen geblieben ist", so Flores.

Was die Gründlichkeit der Aktion abelangt, weist er auf wirtschafliche Zwänge hin. "Wir können nicht jedes Jahr überall von neuem auflaufen", so Flores. Er führt die Regenerationskraft der Natur ins Feld: "Sobald der Frühling kommt, kann man gar nicht so schnell gucken, wie's wieder wächst."

Quelle: RP
 
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