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Wesel
Kaiser-Torso zum Anfassen
Wesel: Kaiser-Torso zum Anfassen
Das an Geschichte interessierte Ehepaar Gisela und Hans-Joachim Frank würde es begrüßen, wenn das ramponierte und in der Zitadellen-Kasematte gelagerte Denkmal Wilhelm I. saniert und am Bahnhof aufgestellt wird. FOTO: bosmann
Wesel. Der Einladung der Stadt, den Torso des Denkmals Wilhelm I. in den Zitadellen-Kasematten in Augenschein zu nehmen, folgten nur wenige Bürger. Ein Ansprechpartner vor Ort fehlte. Bürgerversammlung in 2012 geplant. Von Klaus Nikolei

Zum ersten Mal hatte die Stadt am Donnerstag Bürgern (und auch Politikern) von 11 bis 15 Uhr die Möglichkeit gegeben, den in der Zitadellen-Kasematte seit Jahren eingelagerten und 1945 vom Sockel am Bahnhof gekippten Kaiser Wilhelm I. in Augenschein zu nehmen, um so die öffentliche Diskussion um die Zukunft des geschichtsträchtigen Denkmals in Gang zu setzen. Beinahe wäre der Kaiser als Dauerleihgabe nach Heinsberg gelangt. Erst öffentlicher Protest hatte Verwaltung und Politik zum Umdenken veranlasst – Heinsberg erhielt eine Absage (RP berichtete).

Favorit: Platz am Bahnhof

Gerade mal 15 Interessenten sind der öffentlichen Einladung der Verwaltung gefolgt: die Eheleute Gisela und Hans-Joachim Frank sowie Rolf Oppenberg, Mitglied der Bürgerinitiative Historisches Rathaus, waren um 11 Uhr die Ersten.

Ihre Hoffnung, mit Vertreter der Stadt ins Gespräch zu kommen, erfüllen sich nicht. Alle Experten, heißt es, seien entweder erkrankt, in Urlaub oder müssen, so wie Wesels Kulturbeauftragter Jürgen Becks, an einer internen Fortbildungsmaßnahme teilnehmen.

Volker Kocks vom Stadtarchiv schließt dem Trio mit der Bemerkung, er könne weiter nichts zu der Sache sagen, die Tür zur Lagerstätte auf. Die Franks betasten den Torso fast ehrfürchtig. Sie sind sich einig: "Man sollte ihn restaurieren und dann in der Nähe des Bahnhofs wieder aufstellen, wo er auch früher einmal gestanden hat", sagt Gisela Frank. Ihr Mann, 1945 aus seiner Heimat Pommern vertrieben, bedauert, dass in Wesel kaum etwas nach historischem Vorbild wieder aufgebaut wurde.

Anders als beispielsweise in Stettin oder Danzig. "Wenn wir dieses Denkmal hier schon haben, dann sollte es saniert und aufgebaut werden." Dieser Meinung schließt sich auch Rolf Oppenberg an. Von Dombaumeister Prof. Dr. Wolfgang Deurer weiß er, dass eine Sanierung kein großes Problem wäre. "Der Kopf des Kaisers liegt im Magazin der Stadt und muss angeklebt, der Rest von Fachleuten erneuert werden." Finanziert werden könnte das Projekt mit Hilfe von Spenden. "Eine Kostenkalkulation liegt dem Kulturdezernenten vor", weiß Oppenberg.

Richtig. Grob geschätzt zwischen 20 000 und 30 000 Euro "plus x" würde eine Sanierung kosten, sagt Dezernent Dirk Haarmann. Angesprochen auf die Tatsache, dass beim Ortstermin ein Verwaltungsvertreter fehlte, meinte er: "Das war auch nicht Ziel des Termins. Die Leute sollten sich nur den Torso ansehen, um danach Vorschläge zu machen." Die Bürgermeinung soll 2012 in einer Versammlung abgefragt werden. Ideen zum Standort liegen im Amt noch keine vor.

Quelle: RP
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