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Wesel/Hamminkeln
Kaum noch Ferienjobs für Schüler

Wesel/Hamminkeln: Kaum noch Ferienjobs für Schüler
Ihnen gefällt der Ferienjob bei der Obstkelterei van Nahmen in Hamminkeln (v.l.): Paul Wittinghofer, Christian Blümer und Oliver Olszak. FOTO: Ekkehart Malz
Wesel/Hamminkeln. Die Zeit, in der Unternehmen ganz selbstverständlich Jugendliche als Urlaubsvertretung eingestellt haben, sind offenbar vorbei. Nur noch vereinzelt gibt es in Firmen, die Aushilfsjobs für unter 18-Jährige anbieten. Die Gründe sind vielfältig. Von Klaus Nikolei

Mit seinem Vater ist Paul Wittinghofer (17) aus Dingden-Berg als Kind öfter nach Hamminkeln zur Süßmosterei van Nahmen gefahren, um dort aus selbst gesammelten Äpfeln von Streuobstwiesen Saft pressen zu lassen. Er kennt also das Hamminkelner Vorzeigeunternehmen seit langem, in dem er nun zum zweiten Mal in den Sommerferien als Aushilfe tätig und unter anderem damit beschäftigt ist, Leergut aus Kästen auf das Fließband zu stellen, das in einer Flaschenspülanlage mündet. "Mir gefällt die Arbeit. Und die 8,50 Euro, die ich hier pro Stunde bekommen, spare ich für ein Auto", sagt der Gymnasiast. Paul Wittinghofer hat Glück gehabt, eine Firma zu finden, die überhaupt noch Ferienjobs anbietet. Denn die sind mittlerweile rar gesät. So jedenfalls das Ergebnis einer nicht repräsentativen Umfrage bei mehreren Unternehmen in der Region.

Die Gründe sind vielfältig. Das habe in erster Linie mit dem Jugend- und Arbeitsschutzgesetz zu tun, ist Dagmar Sahner vom Weseler Waldhotel Tannenhäuschen überzeugt. Aber nicht nur. Denn: "Bis wir die jungen Leute, die mindestens 18 sein müssen, angelernt haben, sind die Ferien vorbei." Wobei man doch niemanden großartig erklären muss, wie man eine Spülmaschine einräumt oder putzt, oder? Doch gerade diese Arbeiten möchte offensichtlich auch niemand machen. "Die Zeiten haben sich halt sehr geändert", sagt die Ausbildungsleiterin, die selbst als Schülerin regelmäßig gejobbt und bereits mit 14 "bei anderen Leuten geputzt" hat. "Da hat damals auch niemand nach dem Alter gefragt."

Auch beim Kaufhof gibt es keinen einzigen Schüler, der in den Ferien jobbt. "Wir hatten in den vergangenen beiden Jahren auch keine einzige Nachfrage", erklärt Geschäftsführerin Annette Kraska. Allerdings gibt es junge Leute, die vor dem Start ins Studium einige Monate als Aushilfen tätig sind.

Ähnlich sieht es auch bei der Post in Wesel aus. Hier sind aktuell acht frisch gebackene Abiturienten beziehungsweise Studenten als Brief- oder Paketboten tätig. Keiner von ihnen ist unter 18. "Wegen des Jugendschutzes und der Arbeitsschutzverordnung setzen wir nur auf erwachsene Aushilfen, weil unsere Dienstzeiten nicht immer mit denen von Jugendlichen kompatibel sind", erklärt Pressesprecherin Britta Töllner. Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass Gymnasiasten kaum noch Interesse an Ferienjobs haben, weil sie durch G 8 stark belastet sind. "Ich höre immer wieder, dass die Schüler in den Ferien versäumten Stoff nachholen. Außerdem fahren viele ein oder mehrere Mal in den sechs Wochen in Urlaub, so dass auch kaum Zeit für einen Job bleibt." Ebenfalls nur junge Leute ab 18 sind als Aushilfen bei der Weseler Byk-Chemie beschäftigt. Fünf sind es aktuell, die vornehmlich im Lager und im Labor des Weltmarktführers für Lackadditive tätig sind.

Zu den Firmen, die gar keine Ferienjobs mehr anbieten, gehört auch Edeka Komp in Lackhausen. Nicht, dass es keine Bewerber gibt, die Regale einräumen möchten. "Der Verwaltungsaufwand und die Nebenkosten sind einfach zu hoch, so dass sich das nicht lohnt. Wir nehmen nur Schüler, die auch längerfristig während des ganzen Jahres für uns tätig sein wollen", sagt Marktleiter Thorsten Borgers.

Quelle: RP
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