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Hamminkeln
Kein Abfluss: Die Sorgen bleiben groß

Hamminkeln. Starker Andrang, Furcht vor einem dritten Hochwasser und viele unangenehme Fragen kennzeichneten den Infoabend im Ratssaal. Bürgermeister Bernd Romanski will sich Problemstellen ansehen und in Düsseldorf um Lösungen kämpfen.

Gut 250 Menschen ließen den Hamminkelner Ratssaal am Donnerstagabend fast aus den Nähten platzen. "Man sieht ja, dass so eine Veranstaltung notwendig ist", begrüßte Bürgermeister Bernd Romanski die Besucher und die Experten der Feuerwehr, der Unteren Wasserbehörde des Kreises Wesel, der Verwaltung und des Isselverbandes beim Hochwasser-Infoabend. Die Sorgen sind weiter groß, denn das Grundwasser steigt und in den Nebenläufen fließt das Wasser nicht ab.

"Das Wasser fließt in Mehrhoog nicht ab, drückt auf die Keller im Wohngebiet Leege Heide", herrschte nicht nur bei Johannes Flaswinkel (Grüne) die Befürchtung, was passiert, wenn ein drittes Hochwasser kommt. Rufe nach Alternativen wurden laut, einem Grabensystem, das Entlastung bringt. Der Wolfstrang erfülle seine Funktion nicht, hieß es. Man habe für die ausgefallenen Pumpen Ersatz geholt, entgegnete Wolfgang Stappert von der Stadt. "Die sind aber für die Mengen einfach nicht ausgelegt." Gleiches gelte für den Wolfstrang, wo der Abfluss durchaus funktioniere. Die Stadt habe viel gemacht, aber auch kein Allheilmittel parat, meinte Britta Becker von der Ortsbauernschaft Brünen. Sie stehe trotz Pumpen "bis zum Oberschenkel im Wasser", könne den Frust aller gut verstehen.

Romanski sicherte mehreren Bürgern zu, sich die Zustände persönlich anzusehen, in der kommenden Woche mit der Regierungspräsidentin Anne Lütkes das Thema Flächen und Polderungen anzusprechen - und beim Innenministerium "über das Gemeindefinanzierungsgesetz was zu regeln."

Einen schweren Stand hatten Hans-Georg Haupt (Isselverband) und Gerhard Legeland (Wasser- und Bodenverband Untere Issel Süd). Legelands Satz: "Es gibt keinen Graben, der nicht kontrolliert wird", sorgte für Gelächter im Saal. Und Haupt machte deutlich, dass die Eigentümer am Wasser ihr Räumgut selbst beseitigen müssten, das sähe die Satzung des Verbandes vor.

"Da ist in einem Monat so viel Wasser runtergekommen, wie 10- Liter-Eimer auf das Stadtgebiet passen." Da hätte es bezogen auf die Issel zehn Millionen Kubikmeter an Rückhalteflächen benötigt, die es für so etwas nicht gebe. Und man habe eben nur mit Flussand aufgeschütte Dämme, deren Haltbarkeit sich aus der Grasnarbe ergebe. "Wir werden mit dem Risiko leben müssen", so sein Fazit.

Hoffnung auf kurzfristige Entspannung für die vollgelaufenen Keller und Grundstücke konnten die Experten auch nicht machen. Ingo Klenke vom Kreis sagte, die Gesamtlage werde sich erst bei fallendem Rheinpegel entspannen. "Das geht aber nicht aus dem Stand."

Der Auftrag an alle Beteiligten, so Gabriele Obschernicat (Grüne), sei aber glasklar: "Erkenntnisse nutzen, um so etwas zu vermeiden und zu minimieren, die Menschen zu entlasten. Denn der Zustand ist seit vier Wochen unerträglich!"

(aflo)
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