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Hamminkeln
Kirche kam auf steinigem Weg ins Dorf

Hamminkeln: Kirche kam auf steinigem Weg ins Dorf
Außen: Beton und roter Klinker. Innen: Lichtbänder, Altar, Kreuz, Tabernakel, Taufbecken und Ambo sind optisch wirkungsvolle Elemente in der Kirche, die jetzt vor 50 Jahren geweiht wurde. FOTO: Hermann
Hamminkeln. Am 1. Oktober 1966 wurde die Heilig-Kreuz-Kirche in Hamminkeln-Mehrhoog eingeweiht. Architekt Gerd Stevens hat die lange Geschichte aufgeschrieben, bis es zum Bau kam. Von Thomas Hesse

Gerd Stevens, der Baumeister Mehrhoogs, erinnert sich gerne. Er hat viel zu erzählen, und er hat aufgeschrieben, wie es war, als die Heilig-Kreuz-Kirche ins Dorf kam. Er war der Architekt, und er hat gut in Erinnerung, wie schwer es vor 50 Jahren war, das Gotteshaus zu realisieren. "Es war ein steiniger Weg, bis im dritten Anlauf die Mehrhooger Katholiken ihre Stätte bekamen", hat er aufgeschrieben unter dem Titel "Geschichtliches über den Kirchbau in Mehrhoog". Pfarrer Heinz Schulz freut sich, dass "seine" Kirche beim Jubiläum in den Mittelpunkt rückt.

Am 1. Oktober 1966 war das Kirchweihfest, was nun gefeiert wird. Übrigens ist auch der katholische Kindergarten gerade 50 Jahre alt geworden und ein wichtiger Faktor im Leben von Mehrhoog. Doch die Katholiken mussten lange warten. Ende des 19. Jahrhunderts gründeten sie den Kirchbauverein, der sammelte bis zum Ersten Weltkrieg viel Geld, das die spätere Inflation auffraß. Immerhin gab es schon ein Grundstück, Bauer Theißen vom Schnellenhof hatte es gestiftet. 1934 wurde Pfarrer Karl Esser aus Mehr aktiv. Doch die NS-Instanzen verweigerten die Baugenehmigung für die Heimstatt der 760 Katholiken von Mehrhoog.

Dann der dritte Anlauf. Erst erhielten die Gemeindemitglieder eine Kapelle im Dachgeschoss der neu errichteten Kreuzschule, 1957 gründeten sie ihren diesmal erfolgreichen Kirchbauverein. Östlich der Bahnlinie entstanden Kirche, Kindergarten, Pfarrhaus und Friedhof. Der heute 96-jährige Gerd Stevens war in seinem Element, er entwickelte den Betonbau mit rotem Klinker, dessen Kirchturm neben dem Gebäude ein architektonisches Signal setzt. Innen sind Lichtbänder Akzente, Altar, Kreuz, Tabernakel, Taufbecken und Ambo die optisch wirkungsvollen Elemente, die die Heilig-Kreuz-Kirche unverwechselbar machen.

Stevens Bauwerk ist der jüngste Kirchenbau in der Pfarrei Maria Frieden, zu der das Dorf heute gehört. Eigenständige Pfarre war Mehrhoog nicht. Noch nicht. Der Architekt verwies beim Generalvikar Böggering auf die anstehende Kommunale Neuordnung. So kam es, dass die Pfarrgemeinde erst zum 1. November 1975 eigenständig mit Pfarrer Schetter an der Spitze auf dem Gebiet der weltlichen Kommune wurde, während das Kirchweihfest am 1. Oktober 1966 stattfand.

Lange ist's her, aber Pfarrer Heinz Schulz spricht angesichts der jahrhundertealten katholischen Traditionen anderer Pfarren wie Loikum von einem "kleinen Jubiläum" des Nachzüglers Mehrhoog. Er, seit 1991 im Amt, weiß, dass Heilig Kreuz ein wichtiger Faktor im Dorf ist - katholische Kirche, Kindergarten und Kreuzschule bilden mit der evangelischen Kirche so etwas wie das kulturelle Zentrum. Die soziale Arbeit sei wichtig, etwa die starke Flüchtlingshilfe, das Essen auf Rädern, die Seniorentreffen mit dem montäglichen Kaffee-Nachmittag. "Aber die Zeiten der Volkskirche liegen hinter uns", sagt er. Feste wie Taufe und Hochzeit oder die Weihnachtsmesse brächten die Menschen zwar in die Kirche. "Aber wir müssen die Menschen sensibilisieren und ihnen sagen, wir haben etwas Wertvolles für dich und deine Familie. Die persönliche Entscheidung für Glaube und Kirche, für Werte ist wichtig. So etwas wie eine spirituelle Neuzündung."

Da ist es gut, dass das Jubiläum des 50. Kirchweihfestes die Pfarre in den Mittelpunkt rückt. Sie wird sich als wichtiger Teil des Dorflebens zeigen. Manchmal gerät Heilig Kreuz auch unvermutet ins Gespräch: Bei Pokémon Go ist die Kirche Hotspot - Pfarrer Schulz erzählt es und schmunzelt.

Quelle: RP
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