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Wesel
Kleine Bergwelt auf dem Balkon

Wesel. Willi Meesters ist auch mit 83 Jahren ein unermüdlicher Radfahrer, der die Natur durchstreift und mit Fundstücken nach Haus kommt. Die verarbeitet er auf seinem Balkon zu eigenen kleinen Welten. Von Thomas Hesse

Willi Meesters ist ein Naturfreund. Der 83-jährige Weselaner hat einen Blick für die Umwelt. Wenn er unermüdlich mit seinem Rad in Wald und Flur unterwegs ist, fühlt er sich am wohlsten. Ob in Orsoy oder Walsum, ob in Rees und von dort über Xanten zurück nach Wesel. Dabei klaubt er so manches Fundstück in der Natur auf, um es mit nach Hause zu nehmen. Wild geformte Rinden, sich gabelnde Äste, bemoste Borken oder abgesägte Baumscheiben findet er am Wegesrand. "Später mache ich mir Gedanken, was ich daraus gestalten kann. Wohlgemerkt aus Abfallstücken, ich würde nie etwas aus der Natur reißen, um es auf dem Balkon einzupflanzen", sagt er. Um dann mit großer Geste auf die kleine Bergwelt zu weisen, die er gestaltet hat.

Stolz schwingt mit, wenn der Mann, der sich als "ewiger Naturbursche" sieht, auf seinen Balkon führt. Zuletzt hat er vom mächtigen Baum, der nach angeblichem Pilzbefall nahe der Neubebauung Am Nordglacis gefällt worden ist, robuste Randstücke mitgenommen und in seine heimische hölzerne Alpenszenerie eingebaut. "Ohne Nägel oder Metallverbindungen, einfach zusammengestellt und mit Holzstücken stabilisiert", sagt Willi Meesters. Da ragen die Drei Zinnen auf, ein Jägersmann steht weitblickend auf einem "Felsvorsprung", und eine hölzerne Gemse tummelt sich in der Höhe. Der sich senkende Mond "überstrahlt" das (echte) Edelweiß, das neben einem Wildkraut wächst, das sich selbst ausgesät hat.

"Man muss ein Auge für die Natur haben, dann gestaltet sich solch eine Mini-Landschaft wie von selbst", sagt der 83-Jährige. Dazu passt auch die üppige Blumenwelt auf diesem Balkon der besonderen Art. Dass er sich eine Bergwelt erschaffen hat, ist kein Zufall. Seit Willi Meesters als Elfjähriger auf einer Skifreizeit in Kitzbühel war, ist er den Alpen verfallen. Bilder zeigen ihn in krachlederner Tracht, und für den RP-Fotografen hat er extra den 50 Jahre alten Gamsbarthut herausgeholt, den er vor 50 Jahren in Oberammergau erstanden hat. Der frühere Marathonläufer will nun weiter als nimmermüder Langstrecken-Radler unterwegs sein und ein wachsames Auge auf die Natur haben. Strecken wie im Dämmerwald, Weselerwald und Diersfordter Wald sind ihm am liebsten."Ich sage dann manchmal für mich einfach Danke für Gottes schöne Natur", verrät er. Darum trifft es Willi Meesters auch besonders, wenn die Säge angesetzt wird an städtischen Bäumen. Das geschah bekanntlich in diesem Jahr so heftig wie selten zuvor. Schon wieder sind Bäume am Rand des Glacis rotgepunktet. Das heißt, sie werden abgesägt - die Radikalkur wird fortgesetzt. Naturfreund Meesters will den Trend beobachten und sich energisch zu Wort melden, wenn's zu arg wird. Wie's seine Art ist, auch gerne emotional.

Quelle: RP
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