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Wie Geht's, Wesel?
Knollensellerie vor Heiligabend kaufen!

Wesel. Einkaufen, wenn Heiligabend auf einen Sonntag fällt? Sollte man vermeiden! Den Handel zu beschimpfen, ist aber wohlfeil. Er hält sich an Gesetze und reagiert auf Nachfrage.

Selten war die Einigkeit so groß. Die Retter des einkaufsfreien Heiligen Abends sind in diesem Jahr so lautstark wie nie. In diesem Jahr wird das Einkaufen an Heiligabend erlaubt sein, obwohl der Tag auf einen Sonntag fällt. In den Gruppen des sozialen Netzwerks Facebook für die Städte Wesel, Schermbeck, Hünxe und Hamminkeln, die sonst selten als Bastion des Konservativen auffallen, wird gegen den Shopping-Heiligabend gewettert. Da werden Discounter für ihre Politik gelobt, die Läden geschlossen zu halten. Kleine Händler wiederum, die sich zur Öffnung am Heiligen Abend entscheiden, sehen sich der Kritik ausgesetzt. Dabei orientieren sich die Einzelhändler nur an dem, was die Gesetzeslage erlaubt.

Für NRW lautet die Regel, dass Lebensmittelläden an einem Sonntag, 24. Dezember, von zehn bis höchstens 14 Uhr öffnen dürfen. Auch in den Städten am Niederrhein machen einzelne Händler von dieser Option Gebrauch. Sie würden es nicht tun, wenn sie nicht wüssten, dass sich an dem Kassen lange Schlangen bilden werden. Die Kunden machen von der Option Gebrauch, und jede Wette: Mancher, der jetzt bei Facebook gegen das Einkaufen am Heiligen Abend protestiert, wird um 13 Uhr an diesem Sonntag, 24. Dezember, in den Kühlschrank schauen und bemerken, dass ihm noch ¼ Knollensellerie und etwas Beifuß für die Weihnachtsgans fehlen.

Vielleicht ist die Kritik an der Sonntagsöffnung zu Weihnachten mit unserer ganz normalen Jahresendaufregung zu begründen: Niemals sind die Autobahnen so voll wie im November, die Schlangen vor den Werkstätten so lang wie in diesen Tagen, der Stress größer als im bald kommenden Advent. Da tröstet der Gedanke an einen Heiligen Abend, an dem man endlich einmal zur Besinnung kommen kann. Weihnachtsmusik, entspanntes Kochen in der Küche, Friede auf Erden. So weit die Theorie: Tatsächlich setzt sich alle Welt zu Weihnachten einem Hyperstress aus.

Auf zwei Arten könnte der Heilig-Sonntag-Abend als Einkaufstag verschwinden. Die erste Option: Die NRW-Landespolitik entscheidet sich, das Ladenöffnungsgesetz zu reformieren. Eher unwahrscheinlich: Mit der FDP ist eine Partei an der Regierungskoalition beteiligt, die für eine Liberalisierung der Öffnungszeiten steht - dass ausgerechnet diese Partei in der Regierung einem Einkaufsverbot zustimmt, scheint unwahrscheinlich. Vielleicht aber erscheint die zweite Option noch irrealer: nämlich die, dass so viele Kunden auf den Einkauf verzichten, dass die Geschäfte ihre Öffnungszeiten überdenken. Man darf gespannt sein, wie gefüllt die Läden am Sonntag, 24. Dezember, sind.

Ich werde mir das nicht anschauen. Ich habe mir fest vorgenommen, auf Einkaufen an diesem Tag zu verzichten. In der Not schmeckt Weihnachtsgans nämlich auch ohne Knollensellerie.

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Quelle: RP
 
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