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Kombibad wirklich chancenlos?

Analyse: Kombibad wirklich chancenlos?
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Wesel. Was ist der wahre Grund für das angebliche Kombibad-Aus? Der Regionalverband Ruhr und die Staatskanzlei widersprechen der Stadt Wesel. Von Klaus Nikolei

WESEL Gab oder gibt es wirklich keine Chance mehr, den Plan vom Kombibad in Wesel am Rhein zu verwirklichen? Diese Fragen stellen sich viele in der Stadt, die einfach nicht glauben wollen, dass allein der Landesentwicklungsplan (LEP) schuld sein soll, dass ganz offenbar eines der ehrgeizigsten Projekte der vergangenen Jahre überraschend doch nicht verwirklicht werden kann. Von Politik und Verwaltung als Buhmann ausgemacht ist die Staatskanzlei in Düsseldorf, die in Gesprächen mit dem Regionalverband Ruhr (RVR) vergangenen Donnerstag deutlich gemacht haben soll, dass man aus der bestehenden "Sondernutzungsfläche Hotel" nicht einfach eine "Sondernutzungsfläche Kombibad" machen könne.

Warum eigentlich nicht? Wenn man die Staatskanzlei fragt, erhält man eine durchaus überraschende Antwort. Die nämlich teilte gestern auf Anfrage mit: "Der Stadt Wesel bleibt es unbenommen, beim zuständigen Regionalverband Ruhr die Änderung des Regionalplans anzuregen, um im Rahmen eines Gesamtkonzeptes die Bereiche am derzeitigen Freibad als Siedlungsraum für eine Schwerpunktnutzung ,Erholung, Sport und Freizeit' zu entwickeln. Über eine solche Planänderung wäre seitens der Verbandsversammlung des RVR zu entscheiden."

Doch was heißt das genau? Haben denn die Experten des RVR in Gesprächen mit der Stadt Wesel nicht auf das Thema Gesamtkonzept aufmerksam gemacht? Martin Tönnes, Planungsdezernent vom RVR in Essen, ist überzeugt davon, dass seine Mitarbeiter die Vertreter der Weseler Verwaltung durchaus auf diese Problematik hingewiesen haben. "Wir haben im Vorfeld gemeinsam darüber diskutiert, ob durch eine Gesamtkonzeption eine Anbindung an den Siedlungsraum hergestellt werden könnte, in dem das Kombibad integriert ist. Allerdings war, bedingt durch die Lage, auch schnell klar, dass dies planerisch eine anspruchsvolle und schwierige Herausforderung darstellen würde."

Das Stichwort Gesamtkonzeption ist allerdings während der Diskussionen in den Fachausschüssen und im Rat nie gefallen. Hätte die Verwaltung die Politik aber darüber frühzeitig informiert, hätten die Fraktionen abstimmen können, ob man nun das aufwendige Konzept mit Wohnbebauung etc. in Angriff nehmen will oder nicht. So aber wurde - absichtlich oder unbedacht - eine Chance vertan, frühzeitig die Sache auf die richtige Spur zu bringen. Und statt der Politik deutlich zu sagen, dass mit einer isolierten Planung ein Scheitern programmiert ist, will man nun vom eigenen Fehlverhalten ablenken und die Schuldigen in der Landeshauptstadt suchen.

Was Wesel in Gesprächen mit dem RVR übrigens versäumt hat, ist das Aufzeigen von Alternativstandorten für das Bad. Dazu wäre die Stadt, nach Angaben von Tönnis, "verpflichtet gewesen. Aber erst durch die Berichterstattung haben wir von dem Standort Heuberg erstmals gehört."

Bürgermeisterin Ulrike Westkamp wird sich in den nächsten Tagen kritische Fragen der Politik - vor allem von CDU und FDP - gefallen lassen müssen. Klar ist jedenfalls nun, dass es durchaus eine Möglichkeit geben könnte, den Traum von Kombibad in Top-Lage zu verwirklichen, auch wenn dies nicht leicht wird. Aber wenigstens sollte über diese Chance offen debattiert werden, um dann eine für die Stadt und seine Bürger gute Entscheidung treffen zu können.

Quelle: RP
 
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