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Wesel
Kontrollgänge sind bald Vergangenheit

Wesel: Kontrollgänge sind bald Vergangenheit
FOTO: Erwin Pottgiesser
Wesel. Aus gesundheitlichen Gründen verlässt Küster Werner Tschoepe nach fast 30 Jahren den Willibrordi-Dom.

Oft ist es einfach der Zufall, der an einen bestimmten Ort führt. So wie Werner Tschoepe, Küster des Willibrordi-Doms. Der gebürtige Pforzheimer hatte schon immer eine Ader für Technik - und für Medien. Und so absolvierte er erst eine Lehre zum Elektromechaniker, um dann ein paar Semester Nachrichtentechnik zu studieren. Damals jobbte er in den Semesterferien in Albenga an der italienischen Riviera bei einem deutschen Urlaubssender, der von zwei Weselern betrieben wurde: Hardy Schracke und Bernd Veelmann.

Es kam, wie es kommen musste: Tschoepe schaute in der Hansestadt vorbei, wo die beiden ein Studio an der Baustraße betrieben. Am Ende bestritt der Pforzheimer seinen Zivildienst in Wesel, bei der Evangelischen Kirchengemeinde im Lutherhaus. Als er hier auch noch seine Frau kennenlernte, war alles klar.

Da kam im November 1986 die Stelle als Küster gerade recht. Nach unterschiedlichen Tätigkeiten ging es in den Dom. Logische Folge: Tschoepe, damals noch Katholik, konvertierte. "Das war für mich kein Problem", sagt er heute. Es war vor allem die Technik im Dom, die ihn faszinierte, fast mehr als Menschen, wie er zugibt. Doch nach all den Jahren sieht er das anders, sind ihm Menschen viel wichtiger geworden.

Vielen ist der 58-Jährige im Laufe der fast 30 Jahre begegnet. Und wenn es nur auf dem Fahrrad in der Stadt war. Als er begann, hatte er es mit Pfarrern zu tun: Walter Stempel, Werner Abresch und Richard Scheu. Jetzt haben zwei Frauen das Sagen: Martina Biebersdorf und Sarah Brödenfeld. Er kam und kommt mit allen gut klar. Gern erinnert er sich an die Auftritte von Ivan Rebroff. Von ihm sei er angenehm überrascht gewesen, weil er einen sehr großen Horizont gehabt habe und eine christliche Verbundenheit. Auch eine Begegnung mit einem jungen Mann ist ihm im Gedächtnis geblieben. Es war vor Weihnachten, als er Tschoepe wegen einer Notlage um Geld für eine Fahrkarte bat. 20 D-Mark habe er ihm gegeben und gemeint, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Doch der Mann kam zurück und zeigte ihm die Fahrkarte.

Die Wildkatze, die einmal für etwa zwei Wochen im Dom herumgeisterte, werde er auch nie vergessen. Eine Falle wurde aufgestellt, doch das Tier tappte nicht hinein. Während der Organist spielte, war sie dann plötzlich da: Sie sprang aufgeregt aus der Orgel heraus.

Seine Arbeit habe ihm viel mehr Spaß gemacht, als gedacht. Doch sie habe mit den Jahren auch zugenommen. Und so hat Tschoepe aus gesundheitlichen Gründen entschieden, einen Schlussstrich zu ziehen. Mehr Schulgottesdienste, mehr Ausstellungen, mehr Konzerte - man müsse schon Organisationstalent haben und sich nicht verzetteln. Und: Jeder Tag ist anders.

Zudem seien viele Wochenenden auch Arbeitstage und Weihnachten sowieso. Gottesdienste müssen vorbereitet, Toastbrot, Wein und Saft fürs Abendmahl eingekauft werden. Die Liedtafeln sind zu bestücken, die Heizung ist zu programmieren, die Gesangbücher müssen da sein und die Tontechnik muss stimmen. Am Ende eines jeden Tages unternimmt Tschoepe einen Kontrollgang, damit niemand eingeschlossen wird. Bald tut er dies zum letzten Mal.

(P.H.)
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