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Hamminkeln
Kreis sucht nach rechtsfester Lösung für Windräder

Hamminkeln. Untere Landschaftsbehörde sieht neue Aspekte für die Standorte durch Vogelkartierung der Bio-Station.

Nach der umstrittenen Bürgerversammlung zu den Windkraftstandorten Hohe Heide in Dingden und Nordbrock (RP berichtete) hat es die Stadtverwaltung von neuen Erkenntnissen über brütende, geschützte Vögel abhängig gemacht, ob die Zustimmung für den Bau neuer Windmühlen kommen kann.

Im bisherigen Verfahren war das Thema noch so bewertet worden, dass die vorgeschlagenen Windkraftzonen akzeptabel sind. Nun blicken die Akteure Richtung Kreishaus Wesel, wo die Untere Landschaftsbehörde die Lage neu bewerten muss. Bisher hat sie "Ja" zu den Standorten gesagt.

Die Kreisverwaltung wiederum schaut zum Lanuv (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW) mit Hauptsitz in Recklinghausen. Das wiederum ist dem Land Nordrhein-Westfalen verpflichtet, das den Ausbau der Erneuerbaren Energien festgeschrieben, aber die Zielmarken dafür noch nicht erreicht hat. Der Unteren Landschaftsbehörde geht es vor allem um eins: "Eine rechtsfeste Lösung", wie Klaus Horstmann, Fachdienstleiter Naturschutz, der RP sagte. Man müsse den Ausgang der Prüfung abwarten. Ende Mai gibt es ein Treffen mit dem Lanuv.

Fakt ist allerdings, dass die neuen Erkenntnisse die Fundamente der Standortplanung erschüttern. Fraglich ist nur, ob es ausreicht, dass die Biologische Station in der vorgesehenen Konzentrationszone nahe der geschützten Dingdener Heide den brütenden Großen Brachvogel - das Wappentier des Naturschutzgebietes dort - und zehn Kiebitz-Paare nördlich des Modellflugplatzes entdeckt hat.

Damit entwickelt sich die Hohe Heide wieder zu einem der wichtigsten Lebensräume, sagen die Biologen. Im zurückliegenden Planungsverfahren hatten sie das nicht belegen können. Die Untere Landschaftsbehörde hatte deshalb die neuen Windmühlen akzeptiert. Der feine Unterschied nun: Der Große Brachvogel nutzte aus bisheriger Sicht die Hohe Heide als Zwischenstation zwischen Trink- und Nahrungsareal sowie Brutplatz. Dafür akzeptierte der Kreis eine alternative Ausweichfläche, so dass die Windräder gebaut werden könnten. Brüten geschützte Arten aber an den Windräder-Standorten, nehmen sie keine Ersatzzone an - die Planung würde kippen.

"Das kann nur ein Natur-Fachmann beurteilen. Für uns als Behörde geht es darum, rechtlich einwandfrei zu handeln. Wenn wir beklagt werden, muss deutlich sein, dass wir beachtet haben, was wir beachten müssen. Das ist der Spagat", sagt Horstmann.

Er verweist auf Erfahrungen aus Klagen gegen Windräder in Voerde und Wesel-Büderich, die der Kreis gewann. Die Dingdener Kritiker haben dennoch einen Etappensieg errungen: "Mit den Vogelkartierungen wird das Ganze brisanter, die Hürde für die Standorte wird höher. Das Potenzial für Brachvogel und Kiebitz muss sauber geklärt werden."

Der zunehmend härtere Konflikt zwischen örtlichem Vogelschutz und großer Energiepolitik wird derzeit noch mit der oberbehördlichen Tendenz beantwortet, den Artenschutz nicht vornean zu stellen. Ob die Stellungnahme am Ende hop oder top ausfällt, wagt man im Kreishaus nicht zu prophezeien.

(thh)
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