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Wesel
Kreuz im Dom: ständiges Für und Wider

Wesel: Kreuz im Dom: ständiges Für und Wider
Der Vorsitzende des Dombau-Vereins, Karl-Heinz Tieben, erinnerte daran, dass die Ausschreibung für die vor zwei Jahren installierten von Frau Jutta Heinze entworfenen Prinzipalstücke (hier im Bild zu sehen) auch ein Kreuz für den Kirchenraum vorgesehen habe, seinerzeit nur zurückgestellt worden sei. FOTO: Hermann
Wesel. Wie steht die Gemeinde zum Projekt "Ein Kreuz im Dom"? In der gestrigen Versammlung sollte das erkundet werden. Von Hanne Buschmann

Dass überhaupt die Gemeindemitglieder um ihre Ansicht zu einer alle berührenden Frage, in diesem Fall zur weiteren Ausstattung des Willibrordi-Domes, gebeten wurde, war neu und wurde gutgeheißen. Wer aus der Gemeinde sich zu Wort meldete, gab seine Meinung kund, immer religiös begründet und kunstgeschichtlich aus zumindest elementaren Kenntnissen heraus. Das wurde auch in vielen Gesprächen der Teilnehmer untereinander deutlich. Dieses als klares Plus für weitere offene Arbeit!

Nach dem Gottesdienst, Liturgie Pfarrerin Martina Biebersdorf, die Gemeindeversammlung. Pfarrerin Sarah Brödenfeld informierte darüber, dass widersprüchliche Ansichten zum Thema "Kreuz" auch unter den Mitgliedern des Bezirksausschusses kursieren würden. Der Dom stehe seit der Reformation in der calvinistisch-reformierten Tradition. Das bedeutet, die einst per Gesetz unierte evangelische Kirche folgt nur dem Wort. Eigentlich. Längst sind Kerzen, oft ein Altarkreuz, Blumenschmuck und bildliche Darstellungen da. Der große Reformator und Denker Luther hat das nicht unbedingt verboten.

Der Vorsitzende des Dombau-Vereins, Karl-Heinz Tieben, erinnerte daran, dass die Ausschreibung für die vor zwei Jahren installierten von Frau Jutta Heinze entworfenen Prinzipalstücke auch ein Kreuz für den Kirchenraum vorgesehen habe, seinerzeit nur zurückgestellt worden sei. Jutta Heinze habe auch Entwürfe für ein Kreuz eingereicht, was das Presbyterium guthieß. Vorweg: Gegen Karl-Heinz Tieben, der wie jeder Mensch keine Entscheidung allein treffen kann, wurde zu Recht nie irgendein Vorwurf laut.

Die Aussprache ergab zwei gegensätzliche Standpunkte und einen dritten, von den meisten als vernünftig erachteten. Ernst Trapp, als Unternehmer in notwendig weitem Horizont denkend, sagte, es gehe um das Bekenntnis; wenn ein Kreuz in die Kirche komme, dann sichtbar - und - wie sieht es aus? "Gut so" wurde gemurmelt. (Murmeln war erlaubt.) Und was wurde zuvor noch gesagt? Nach Martina Biebersdorffs Aufforderung: "k.u.k., kurz und knackig". Aber es war Sachlichkeit zu hören. Auszüge, verkürzt:

Christine Kabiersch, lutherisch: "Ohne Kreuz für mich kein Gotteshaus. Ich habe immer ein kleines Holzkreuz bei mir." Hartmut Hüsken: "Ich sehe das Kreuz vor mir. Ob reformiert oder lutherisch. Wir sind evangelisch!" Pfarrer Diethelm Röhnisch, lutherisch: "Ich habe früher auch ein Kreuz vermisst. Aber hier ist doch eines, in Ben Willikens Altarentwurf: Das Licht im Mittelpunkt; wie der Künstler mir sagte, habe er es in schwerer Krankheit geschaut." Helga Kindsvater: "Pro! Zu Karfreitag." Pfarrer em. Klaus Vogel: "Das Kreuz steht für den Dom auch als wichtiges evangelisches Zeichen für Genf, La Rochelle, für Europa."

Ein Modell - Stahl und Bronze, ohne Schnörkel, die Proportionen stimmen - ließ Karl-Heinz Tieben an die Säule neben dem ersten Prinzipalstück hängen. Die Meinung der meisten: Die passt zur reinen Architektur des Hauses und zu unserem Bekenntnis. Die geraunte Hoffnung: Hoffentlich bleibt es dabei. Leider entscheiden wir nicht.

Quelle: RP
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