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Wesel
Kritik an "räuberischen Aktionären"

Wesel: Kritik an "räuberischen Aktionären"
Diese vier "kritischen Aktionärsvertreter" bereiten dem Weseler Bauverein Bauchweh (v.l.): Rolf Hauschildt, Markus Linnerz und Karl-Heinz Berchter und Karsten Trippel FOTO: Weissenfels
Wesel. Am Tag nach der Hauptversammlung des Bauvereins meldete sich unter anderem die Politik zu Wort. Von Klaus Nikolei

Der Tag nach der Marathon-Hauptversammlung des Weseler Bauvereins vom Mittwoch war geprägt von einem großen Mitteilungsbedürfnis der Akteure und interessierter Beobachter.

So richtete Bauvereins-Vorstand Anett Leuchtmann zusammen mit Anwalt Lothar Venn vor Journalisten einen dringenden Appell an die Aktionäre Volksbank Rhein-Lippe und Commerzbank/Atlas Vermögensverwaltung, doch künftig dem Vorbild von Pilkington zu folgen und keine Vollmachten mehr an Aktionärsvertreter auszustellen. Damit meinten sie die "kritischen Nachfrager" Rolf Hauschild (Meerbusch), Karl-Heinz Berchter (Düsseldorf), Markus Linnerz (Köln) sowie den urplötzlich mit vinkulierten Bauvereins-Namensaktion der längst erloschenen Weseler Firma Sanitär Neuenhofer aufgetauchten Karsten Trippel (Großbottwar/Baden-Württemberg). Zusammen sollen die vier fast alle der knapp 200 Fragen gestellt haben. Leuchtmann: "Was hier passiert ist, geht über das normale Maß hinaus. Das ist nicht üblich, auch nicht bei großen Aktiengesellschaften."

Das Quartett ist auch CDU-Fraktionschef Jürgen Linz, Vertreter der Hauptgesellschafter Stadt und Hohe-Haus-Stiftung, ein Dorn im Auge. Viel sei im Netz über sie im Zusammenhang mit Klagen gegen Aktiengesellschaften zu lesen. Vor allem der Name des aus Baden-Württemberg angereisten "Vollprofis" Karsten Trippel tauche im Internet häufig in Verbindung mit sogenannten "räuberischen Aktionären" auf, die betroffene Firmen teilweise handlungsunfähig machen und sich den Verzicht auf Anfechtungsklagen abkaufen lassen würden. "Wir dürfen nicht zulassen, dass der Bauverein zum Spielball solcher Interessen wird und ihm letztlich erhebliche Gelder für die Durchführung von Hauptversammlungen und Rechtsstreitigkeiten entzogen werden", so Linz. Auch SPD-Fraktionschef Ludger Hovest, Mitglied des Bauvereins-Aufsichtsrates, macht aus seiner Abneigung zu dem Quartett keinen Hehl: "Jeder sollte diese vier Namen googlen und wird erstaunt sein, was da über diese Herren zu lesen ist." Es gebe Bauvereine in anderen Städten, die bei ähnlich gelagerten Fällen zerschlagen wurden. Im Gespräch mit der RP kündigte Hovest an, dass er nächste Woche sowohl die Entscheidungsträger der Volksbank Rhein-Lippe als auch die der Commerzbank schriftlich zum Handeln auffordern werde. "Ich lasse nicht locker, bis die Wahrheit ans Tageslicht kommt", so Hovest. Dass die Aktionärsvertreter nun, wie berichtet, erneut gegen den Bauverein klagen wollen (Stichwort: "Regress"), bedauert er. Denn: "Anwälte werden damit reich und am Ende sind die Mieter die Dummen."

Bei der Hauptversammlung nicht dabei, doch ein interessierter Beobachter der ganzen Sache, ist WfW-Chef Thomas Moll. Dass gegen den Bauverein geklagt werde, habe er befürchtet. "Der Fehler war, Kleinaktionäre wie Herrn Hauschildt nicht ernst zu nehmen. Die Folge ist, dass er nun nach Fehlern im System sucht und diese auch findet. Nun beschäftigen sich Gerichte mit der Sache, was viel Geld kosten wird." Apropos Geld: Mehrheitlich wurde Mittwochabend dem Vorschlag der Stadt nach einer Dividende in Höhe von vier Prozent zugestimmt. Der Bauverein hatte 5,5 angeboten, die "kritischen Aktionäre" zehn Prozent gefordert.

Quelle: RP
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