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Wesel
Künstler-Duo kreativ in alter Trapp-Halle

Wesel: Künstler-Duo kreativ in alter Trapp-Halle
Im alten Verwaltungsgebäude von Volker Wessels (im Hintergrund) an der Trappstraße ist nur noch eine Etage belegt. Alle anderen Büros stehen leer. Ebenso leer sind die alten, gut 100 Jahre alten Hallen. Wobei jetzt zwei Räume hinter den historischen Mauern vermietet wurden. Und zwar an die Künstlerinnen Claudia Holsteg-Küpper (oben) und Angelika Tenbergen. Beide wollen ab dem Herbst unter anderem Kreativ-Kurse anbieten. FOTO: Ekkehart Malz / Archivfoto: Malz
Wesel. Seit Jahren versucht das niederländische Bauunternehmen Volker Wessels vergeblich, den ehemaligen Verwaltungsbau und die Außenflächen zu verkaufen. Aber es gibt erste Mieter, die den Charme der alten Backsteinbauten schätzen. Von Klaus Nikolei

Fast auf den Tag genau vor vier Jahren verkündete die Geschäftsführung des niederländischen Baukonzerns Volker Wessels, der seit 1991 im Ex-Familienbetrieb Trapp am Ruder ist, die Schließung seiner Tochter Trapp Infra. 110 Weseler Mitarbeitern im Tief- und Straßenbau sowie im Kanal- und Rohrleitungsbau wurde gekündigt. Das gleiche Schicksal traf 50 Leute am Standort Köln.

Heute ist das Firmenareal an der Trappstraße weitgehend verwaist. In dem sechsstöckigen Verwaltungsgebäude ist lediglich noch eine Etage mit einem guten Dutzend Mitarbeitern besetzt. Deren Aufgabe ist es, die Firma abzuwickeln und die Immobilien an den Mann zu bringen. Bis zum endgültigen Aus werden wohl noch Jahre vergehen. Außerdem sind in der Verwaltung gut 30 000 Aktenordner archiviert, um die man sich kümmern muss. Stichwort: Gewährleistungspflicht.

FOTO: Malz, Ekkehart (ema)

Doch nicht nur die Verwaltung, sondern auch Tausende Quadratmeter Hallen- und Außenflächen stehen zum Verkauf beziehungsweise zur Vermietung an. Dem morbiden Zauber der gut 100 Jahre alten Hallen sind jetzt zwei Weseler Künstlerinnen erlegen, die auf der Suche nach geeigneten Räumen waren und an der Trappstraße fündig geworden sind. Theaterpädagogin Angelika Tenbergen hat einen ehemaligen Seminarraum frisch gestrichen und so umgestaltet, dass sie dort ab Mitte September verschiedene Kurse anbieten kann.

Ihre Mitstreiterin ist die gelernte Werbegrafikerin Claudia Holsteg-Küpper, die aus der ehemaligen Trapp-Werkstatt mit vergleichsweise wenig Aufwand, vielen vorhandenen Möbeln und dem richtigen Händchen ein schmuckes Atelier gemacht hat, in dem sie malt, schweißt und werkelt. "Zu Hause in der Garage war zu wenig Platz, um vor allem an meinen Skulpturen zu arbeiten", erzählt sie. "Außerdem kann man hier Krach machen, ohne dass es jemanden stört."

FOTO: Malz, Ekkehart (ema)

Claudia Holsteg-Küpper und Angelika Tenbergen, die den Kontakt zu Trapp Infra über die Weseler Wirtschaftsförderung geknüpft haben, möchten ab Oktober jeden ersten Sonntag im Monat ab 14 Uhr zu einem "Jour fixe" einladen, um mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen. Auch wollen beide nach einer internen Eröffnungsparty im September allerlei kreative Angebote machen. An dem Programm arbeitet das Duo derzeit noch.

Dass sie innerhalb weniger Wochen ihre neuen Räume verlassen müssten, sollte sich ein Käufer für die Hallen finden, wissen die beiden Frauen. "Das ist nun mal so. Das nehmen wir so hin." Doch große Sorge müssen beide nicht haben, dass dieser Fall in nächster Zeit eintritt. Denn Josehpus Kars, der Technische Leiter bei Trapp Infra, hat wenig Hoffnungen, dass sich an der aktuellen Situation so schnell etwas ändert. "Vielleicht", so sagt er im RP-Gespräch, "finden sich ja sogar noch mehr Künstler, die sich für die alten Hallen interessieren, die allerdings nicht beheizbar sind." Dass die Bauten einen gewissen Charme haben, will er nicht verhehlen. "Man könnte natürlich aus solchen Bauten mit einer Großinvestition tolle Dinge machen", sagt er. In den Niederlanden oder England seien Märkte mit Cafés und Restaurants in ähnlichen Bauten untergebracht. Doch Wesel dürfte für solche Visionen einfach zu klein sein.

Und so wartet man bei Volker Wessels weiterhin darauf, dass sich irgendwann vielleicht doch noch ein Käufer aus dem gewerblichen Bereich findet. Denn für andere Dinge ist das Firmenareal offenbar nicht geeignet. Ein Investor mit Sitz außerhalb von Nordrhein-Westfalen, der in dem Verwaltungs-Hochhaus Seniorenwohnungen einrichten wollte, hat seine Pläne ad acta gelegt, weil er von der Stadt keine Genehmigung bekommen hätte. Begründet wurde die Absage aus dem Weseler Rathaus damit, dass eine solche Ansiedlung Erweiterungswünsche der umliegenden Firmen gefährden könnte. Außerdem ist der Standort Trappstraße, nur wenige hundert Meter von der Betuwe und weit von der Innenstadt entfernt, denkbar ungünstig für die Schaffung neuen Wohnraums.

Unternehmer und Künstler, die an den Hallen, Häusern und Außenbereichen von Volker Wessels interessiert sind, können sich an die Weseler Wirtschaftsförderung im Rathaus wenden: Telefon 0281 2032715.

Quelle: RP
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