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Wesel
Kuno Lange in Wesel gleich doppelt erleben

Wesel: Kuno Lange in Wesel gleich doppelt erleben
Kuno Lange, geboren 1950 in Dortmund, lebt seit Jahren in Mülheim/Ruhr, immer orientiert am geraden Wesen der Ruhrgebietsarbeiter. FOTO: Ekkehart Malz
Wesel. Im Flürener Restauran ART und in der WeinZeit am Großen Markt zeigt der Künstler ab Sonntag "Skulpturen und Bilder". Eine Begegnung. Von Hanne Buschmann

Ein Wiedersehen mit Kuno Lange nach mindestens einem Dutzend Jahren kann kaum erfreulicher sein. Vorangekommen ist er, kontinuierlich weiter entwickelt hat er sich und ist sich dabei in puncto Idealismus und Gewissenhaftigkeit treu geblieben. Nacherlebbar ist das in zwei Ausstellungen: in der größeren im Flürener Restaurant ART und in er reizenden kleinen Schau in der WeinZeit am Großen Markt in Wesel. Schlicht "Skulpturen und Bilder" nennt Kuno Lange die Auswahl seiner kreativen Arbeiten der letzten Jahre mit selbstkritischem Understatement. Das spricht für ihn.

Und seine Selbstironie, die man freilich nur im Gespräch erlebt, dennoch mittelbar aus den bildnerschen Darstellungen, falls mit einem Titel versehen, erschließen kann. Im ART, im großen Salon an der wunderschönen Teichlandschaft, dort an der Glastürenwand "Der Idealist": die Stahlplastik einer übernatürlich hoch gereckten menschlichen Figur, deren Finger heftig in die Höhe greifen. Erreichen sie das Ideal? Soweit sich Menschen nach enormer Kraftanstrengung einem Ziel nahe glauben, vielleicht. Aber die Füße, gar nicht zu sehen sind sie, verbleiben im zähen Erdreich. Das ist doch glatt ein Bild gewordenes Gleichnis, eine aus Stahl geschweißte Weisheit.

"Der Wächter", das "Mahnmal bildhauerischer Gewissenlosigkeit" (hoffentlich steht eine Erklärung dabei), zeigt einen dürren, hochragenden Arm, dessen Hand eine Banane umkrallt. Diese Banane war das Marken-Signum eines Künstlers, der eine riesige Banae auf einem Dachrest der abmontierten Hoesch-Werke in Dortmund als Ehrenrettung für die Arbeiter montieren wollte, aber nicht durfte. Dortmund, übrigens eine Stadt mit ehrlichem, kantigem Charakter, und das Ruhrgebiet, das ist Kuno Langes Welt. Da stammt er her. das hieß für ihn, das Leben beobachten und langsam zur Selbsterkenntnis reifen. Wie, das sieht man seinen Bildern: an den schrundigen, überarbeiteten, teilweise zerstörten, neu strukturierten Zeugnissen eines schmerzhaften Prozesses. Aber die Maser, manchmal auch die erhaltenen Astlöcher des hölzernen Malgrundes erzählen vom schmerzhaften Vornaschreiten. Doch die Farben strahlen Leben aus.

Sehr gute Aktzeichnungen und gestisch bewegte Skizzen in Wachs-Pastell-Technik in den kleinen Speisezimmern des Altbaus vom ART, der ehemaligen Post. Wer dort weilt, sollte sich die Zeit nehmen, genau die Architektur des restaurierten alten Hauses und die des Neubaus am großen Teich zu studieren, mitsamt der technisch vorbildlichen Einrichtung als Galerieräume.

In der Probierstube der Weseler WeinZeit gibt's Still-Leben in Mischtechniken, Kleinkeramiken, darunter ein begeisterter Sänger; im großen Raum eine tief dunkelblaue Anmutung untermeerischer Wasserwelten und ein weißer Harlekin, der sich gegen Zumutungen der irdischen Welt wehrt. Draußen auf dem Platz das Heresbachdenkmal, das auch Kuno Langes Werk ist.

Beide Ausstellungen werden Sonntag, 5. Juni, 11 Uhr eröffnet im Restaurant Art. Es wird ein Glas "Trallafitti", eine Burgundercuvée, gereicht, von der WeinZeit extra zum Stadtjubiläum kreiert, mit einem Etikett von Kuno Lange. Der Folkwangschüler lebte in den 70er Jahren als freischaffender Künstler im Bahnhof Hamminkeln.

Quelle: RP
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