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Hamminkeln
Kunst sprichwörtlich ans Kreuz genagelt

Hamminkeln: Kunst sprichwörtlich ans Kreuz genagelt
Klaus-Hermann Heucher, Joachim Becker, Stefan Schulz und Hans Ulrich Beig (v.l.) stellten die diesjährige Passionsausstellung vor. FOTO: Ekkehart Malz
Hamminkeln. Holzstelen zeigen bei der Passionsausstellung in Hamminkeln und Brünen, wie es aussieht, wenn das Kreuz zum Kunstobjekt wird. Von Thomas Hesse

Die Passionsgeschichte schildert den Weg Jesu durch Leid, Spott und Hohn zum Kreuz. Das nimmt die Evangelische Kirchengemeinde Hamminkeln zusammen mit der in Brünen gerne auf, damit die Gemeinde sich mit dem Thema kreativ auseinandersetzen. Seit 2007 gibt es die Tradition der Passionsausstellung in der Hamminkelner evangelischen Kirche an der Marktstraße - immer mit aktuellem Bezug. Diesmal ist die Kunstschau auch eine sprachliche Entdeckung und Rückbesinnung: Jesus am Kreuz hat sich in sprichwörtlichen Redewendungen im Volksmund bis heute gehalten. Sie bildhaft zu machen, ist ein reizvoller Ansatz, den sieben kirchliche Kreise und die Flüchtlingshilfe mit acht Holzstelen umgesetzt haben.

"Stelen sind dankbare Objekte, mit denen man viel machen kann. Mit Holz lässt sich außerdem gut arbeiten", sagt Pfarrer Stefan Schulz. Er weist auf das Objekt "Judaslohn empfangen", das der Frauenkreis am Vormittag Hamminkeln gestaltet hat. "Wohlstand", "heile Welt" oder "Hoffnung" ist dort in schwungvollen, dunklen Buchstaben aufgebracht, was meint, dass auch Ausbeutung ferner Länder unser Wohlergehen möglich macht.

Das Brüner Presbyterium mit Joachim Becker und Pfarrer Klaus-Hermann Heucher hat eine Stele zweiseitig bearbeitet, hinten die schmerzvolle Seite. Das Unglück bringt hier symbolisch zu Boden, doch die Zuversicht steigt in die Höhe und lässt das biblische "kleine Senfkorn Hoffnung" aufgehen. Auf der anderen Seite der Stele überwindet das Herz einen spitzen Stacheldraht, das Kreuzthema kehrt in der aufgesetzten Dornenkrone wieder. "Interessant war der Prozess, wie sich die Gestaltung in der Gruppe entwickelt hat. Das war ein gemeinsames Erlebnis", sagt Heucher.

Viel direkter fassen Kinder Aussagen auf. "Da kräht kein Hahn nach" ist für sie direktes Erlebnis in aufgebrachten Zetteln, die Kinder der Kita Brünen schildern kleine Verfehlungen. Verarbeitet werden die Erfahrungen mit einer gewissen Ambivalenz zwischen nicht Rückholbarkeit von Verhalten und einem erleichterten "Egal". Bei den Flüchtlingen heißt es: "Lass den Kelch an mir vorübergehen". Sie drücken kreativ aus, was sie nicht wollen und was sie suchen, Liebe, Heimat und Sicherheit.

"Seine Hände in Unschuld waschen" hat der Jugendmitarbeiterkreis thematisiert, "Sein Kreuz tragen" hat die Brüner Konfirmanden beschäftigt. "Jemanden aufs Kreuz legen" (Presbyter Hamminkeln) und "Jemanden festnageln" (Jugendchor Brünen) sind auch Sätze, die die Fantasie ausloten. Die Ausstellung ist sehenswert, sie zeigt, mit welch ursprünglichen Mitteln sich (be-)greifbare Kunst gestalten lässt.

Quelle: RP
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