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Wesel
Landwirt: Lehre mit Familienanschluss

Wesel: Landwirt: Lehre mit Familienanschluss
Sie alle lieben ihren Beruf (v.l.): Die Landwirte Wilhelm ten Huf und Ingo Dames, Lehrling Philipp Hochstrat (mit Kalb), Agrar-Betriebswirtin Anna Kleinheßling, Lehrling Georg Sprünken, die Milchviehhalter Arnd Cappell-Höpken und Wilhelm Kortheuer-Schüring sowie und auf dem Traktor Azubi David Betcke. FOTO: Ekkehart Malz
Wesel. Wer hätte das gedacht: Azubis auf Bauernhöfen sind extrem motiviert und haben hinterher beste Karrierechancen. Von Klaus Nikolei

/ WESEL / Hamminkeln Beim Frühstück, beim Mittagessen und natürlich auch beim Abendbrot sitzt auf dem Milchvieh-Hof und Aufzuchtbetrieb von Arnd Cappell-Höpken in Drevenack seit einigen Tagen Georg Sprünken mit am Tisch. Der 18-Jährige aus Loikum ist nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, der neue Freund der Tochter, sondern der neue Lehrling. "In der Landwirtschaft ist es nicht ungewöhnliches, wenn man auf dem Hof wohnt oder wenigstens mit der Familie isst", sagt Georg Sprünken. Er ist einer von 40 jungen Leuten, die in einem der kreisweit 55 anerkannten Ausbildungsbetrieben ihren Traumberuf erlernen. Wobei man, um ganz genau zu sein, sagen muss, dass jeder Lehrling während der dreijährigen Ausbildung Erfahrungen in drei Betrieben sammelt.

Allein fünf der 55 Ausbildungs-Höfe, auf denen die hochmotivierten beiden jungen Frauen und die 38 jungen Männer Kühe melken, Traktor fahren, Getreide ernten, bei der Geburt von Kälbern helfen und das nötige wirtschaftliche Know-how erhalten, um einen landwirtschaftlichen Betrieb dauerhaft nachhaltig führen zu können, befinden sich im Hünxer Ortsteil Drevenack (siehe Info-Box). Vier Höfe bilden derzeit aus.

Doch was bringt junge Leute dazu, ihr Glück in der Landwirtschaft zu versuchen, wo doch immer wieder Milchbauern für Schlagzeilen sorgen, die wegen der niedrigen Milchpreise auf die Barrikaden gehen? Georg Sprünken, der später einmal den elterlichen Milchviehbetrieb in Loikum übernehmen will, lacht: "Erstens gibt es kaum einen Beruf, der so abwechslungsreich ist. Zweitens macht er mir Spaß. Und Drittens: Wenn man alles pessimistisch sieht, braucht man erst gar nicht anfangen." Lehrherr Arndt Cappell-Höpken nickt. "Recht hat er. Es kommen auch bessere Zeiten." Davon ist auch seine Tochter Anna Kleinheßling überzeugt, die als Juniorchefin mit für die Lehre von Georg Sprünken zuständig ist. "Gut ausgebildete Landwirte, die sich weiterqualifizieren und dann vielleicht sogar noch studieren, sind vor allem in der Lebensmittelbranche, bei Saat- und Pflanzenbetrieben sehr begehrt", weiß die 25-jährige Agrar-Betriebswirtin.

Auch David Betcke (18) aus Wesel-Lackhausen und Philipp Hochstrat (16) aus Wesel-Obrighoven, die derzeit auf Höfen in Drevenack tätig sind, blicken voller Optimismus in die Zukunft. "Das wird schon. Und außerdem könnte ich mir nichts Schöneres vorstellen, als auf einem Hof zu arbeiten", sagt David Betcke. Der war als Kind oft und gerne im Deichdorf Bislich bei der Oma, die dort einen kleinen Hof bewirtschaftet hat.

Einen anderen Berufswunsch als den des Landwirtes hat der junge Mann im dritten Lehrjahr, der während seiner Schulzeit auf einem Hof gejobbt hat, nie gehabt. Ähnlich geht es auch Philipp Hochstrat, dessen Vater Viehhändler ist und der den Filius oft mit zu Kunden genommen hat. Was die beiden später einmal genau machen möchten? "Die Fachschule besuchen. Und dann mal sehen. Auf jeden Fall in einem Betrieb arbeiten", sagt David. Philipp nickt. "Ich will das gleiche wie David."

Bedenken, dass ihr Beruf ihnen bei der Wahl einer Partnerin Probleme bereiten können (Stichwort: "Bauer sucht Frau"), haben die drei netten Jungs übrigens nicht. Denn, wie sagt Georg so gerne: "Wenn man alles pessimistisch sieht, braucht man erst gar nicht anfangen."

Wer sich für eine Ausbildung auf einem Bauernhof in der Region interessiert (es gibt übrigens noch freie Stellen), sollte zunächst ein Praktikum absolvieren. www.landwirtschaftskammer.de

Quelle: RP
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