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Wesel
Langatmiges Stück, aber gut gespielt

Wesel: Langatmiges Stück, aber gut gespielt
Suzanne von Borsody und Guntbert Warns zeigen zwar ihre Klasse, an der teilweisen Langatmigkeit des Stückes können aber auch sie nichts ändern FOTO: Theobald
Wesel. Suzanne von Borsody und Guntbert Warns gastierten mit "Der letzte Vorhang" im Bühnenhaus.

Ein Theaterstück für (nur) zwei Schauspieler ist bekanntlich immer eine Herausforderung. Sowohl für die Schauspieler als auch für das Publikum. Eine solche Herausforderung war am Freitagabend das Stück "Der letzte Vorhang" von der niederländischen Autorin Maria Goos. Die Produktion, ein Gastspiel des Renaissance-Theaters Berlin, ist die deutschsprachige Erstaufführung. Übersichtlich schon das Bühnenbild. Sechs in einem Halbkreis aufgestellte Theaterscheinwerfer, ein alter Holztisch und ein braunes Chesterfield-Sofa, das seine besten Zeiten hinter sich hat. In diesem Setting agierten Guntbert Warns und Suzanne von Borsody.

"Der letzte Vorhang" handelt 105 Minuten lang ohne Pause, aber mit unzähligen Erzählsprüngen in der Lebens- und Erfahrungswelt von zwei älter gewordenen Schauspielern, die damals wie heute nicht zueinander gefunden haben. "Ach so, das spielen die ja jetzt!", fragte sich der geneigte, heitere aber auch ratlose Theatergast. Viel Applaus gab's am Ende trotzdem.

Auf spröde und doch recht langatmige Art legten die beiden auch aus dem TV bekannten Akteure einen Seelenstrip hin. Warns spielte Richard, einen in die Jahre gekommenen Theaterschauspieler und Alkoholkonsumenten, der es regelmäßig ohne viel Aufwand schafft, seine Bühnen- und Spielpartnerinnen zu vergraulen. Und in dem Moment, in dem seine Karriere zu scheitern droht, weil er kurz vor einer Premiere steht und keine Spielpartnerin mehr hat, erinnert er sich an Lies. Lies, gespielt von Suzanne von Borsody, hatte vor vielen Jahren mit Richard nicht nur Theater gespielt.

Im Verlauf des Stückes kommt heraus, dass die beiden für eine gewisse Zeit auch Lieben und Leben miteinander geteilt haben. Viele Jahre herrschte Funkstille, doch jetzt will Lies ihrem Richard - für den sie immer noch Liebesgefühle hegt - aus der Klemme helfen. Lies hatte nämlich zu Beginn ihrer eigenen und Richards Karriere das Stück, welches jetzt kurz vor der Premiere steht, bereits mit ihm zusammen gespielt. Bei den kurzfristig anberaumten Proben werfen die Protagonisten einander im wilden Wechsel allerlei derbe Wörter, mehrere Gläser voller Schnaps und Erinnerungen an die verschiedensten Liebes- und Lebenserlebnisse ins Gesicht und an den Kopf. Richard findet immer noch Ausreden für seinen übermäßigen Alkoholkonsum, der seiner Schauspielkarriere schadet. Lies ist eine taffe, selbstbewusste und zielstrebige Frau geworden.

Die Szenen, wirr, meist unmerklich ineinander verschmelzend doch dann wieder mit fast slapstickartiger Komik, brachten zwar die schauspielerische Klasse und das Können von Warns und von Borsody hervor, langweilten jedoch auch, weil die durchaus tiefgründigen Aspekte und Inhalte auch zeitlich kürzer hätten präsentiert werden können. Da wartete man tatsächlich mal auf den (letzten) Vorhang.

(mm)
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