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Hamminkeln
Laterne wird zur Strom-Tankstelle

Hamminkeln. RWE, die Stadt und ein Berliner Start-up haben ein Pilotprojekt für ein dichteres Ladenetz für Elektroautos gestartet. Von Thomas Hesse

Das Ladekabel ist schlau. In den Stecker ans Auto und an die Laterne gekoppelt, schaltete die Technologie den Tankvorgang frei, misst und überträgt die nötigen Daten. Später wird die Stromrechnung per E-Mail nach Hause geschickt. Der Autofahrer muss dann nur noch eins - warten, bis das angeschlossene Elektroauto wieder Power hat. Elektromobilität ist derzeit ein großes Thema, in Hamminkeln spielt es jetzt eine besondere Rolle. Denn RWE, Stadt und das Berliner Start-up-Unternehmen ubitricity haben in Dingden ein Pilotprojekt gestartet und gestern vorgestellt. Direkt vor der Bäckerei Winkelmann wurde eine Laterne mit überschaubarem technischem Aufwand in eine Ladesäule verwandelt. Das hat Charme, vom geringen finanziellen Aufwand her und von der Chance, die Lade-Infrastruktur einfach auszuweiten. Bei RWE Deutschland kommen insgesamt 17.773 Leuchtstellen als leuchtende Stromtankstellen in Frage.

Hinter dem Rathaus in Hamminkeln wurde tags zuvor eine herkömmliche RWE-Ladesäule übergeben. Die ist rund 10.000 Euro teuer - der Laternenanschluss ist für rund 600 Euro Umrüstungskosten zu haben. RWE-Vorstandsmitglied Bernd Böddeling: "Kostengünstig, effizient und zukunftsfähig - wir probieren hier etwas in der Alltagspraxis aus, was die Ladeinfrastruktur stark verbessern kann. Wir erschließen ein großes Potenzial." Technisch federführend ist ubitricity, das das System entwickelt hat, im Raum Berlin 30 solcher Anschlüsse im Entwicklungsstadium installiert hat und nun in die Vermarktung geht. Dass die Hauptstädter ausgerechnet in Dingden das Stromzapfen anbieten, hat auch mit der langfristigen Zusammenarbeit zwischen Stadt und RWE zu tun. Der Versorger entwickle derzeit ein Mobilitätskonzept für Hamminkeln, wie Regionalchef Rainer Hegmann sagte.

Das Verfahren ist einfach. Smartes Kabel mit integriertem Stromzähler - Kostenpunkt 400 Euro - in die Systemsteckdosen, automatische Identifizierung, und der Strom fließt in die Batterien, wie Frank Pawlitschek von ubitricity erläutert. Dann muss der Elektroauto-Besitzer nur noch Zeit einkalkulieren: Vier bis fünf Stunden dauert ein kompletter Ladevorgang, deshalb dürfte die Dingdener Zapfstelle eher für eine Zwischenladung gut sein. Oder für Fahrer, die keinen Stromanschluss zur Ladung zu Hause haben. Bäckermeister Winkelmann freut sich über die Stromsäule vor seinem Geschäft und denkt schon daran, eine Öko-Brotzeit für Wartende anzubieten.

Freilich dürfte das Potenzial noch gering sein. In Hamminkeln sind vier Elektroautos in Betrieb, die Preise für neue Modelle beginnen sich gerade erst in eine Richtung zu bewegen, die für Durchschnittsfahrer irgendwann interessant sein können. Für eine Million Fahrzeuge braucht man zwei Millionen Ladestellen, wird hochgerechnet. "Wir freuen uns, dass wir in Dingden das Pilotprojekt testen können. Gerade im ländlichen Raum ist die Ausstattung mit moderner Infrastruktur von großer Bedeutung", sagte Bürgermeister Bernd Romanski und dürfte dabei auch sein genanntes Ziel im Blick haben, den Klimaschutz in Hamminkeln voranzubringen. Es wird sich nun zeigen, ob Parkzeiten auch auf dem Dorf fürs Stromtanken genutzt werden.

Quelle: RP
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