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Wesel
Lebensfreude tanken mit Cantemus

Wesel: Lebensfreude tanken mit Cantemus
Ehrung bei Cantemus (v.l.): Georg Bruckmann (Sängerkreis Moers), Marie Luise Frings, Albert Hunnenbart, Erwin Dietrich (Sängerkreis Moers), Hanni Hochstrat, Josef Frings (Vorsitzender von Cantemus), Barbara Tigler und Hannelore Zochert FOTO: Archiv
Wesel. Gemischter Chor serviert in Büderich eine multimusikalische, sprachproduktive Revue mit Schauspiel-Elementen. Von Hanne Buschmann

Der große Saal van Gelder in Büderich war am Sonntag proppenvoll, mitsamt der Galerie im Oberstock. Schon eine halbe Stunde vor der Zeit drängten sich die Hörer herein. Klar, denn der gemischte Chor Cantemus von Hans-Heinrich Struberg, der von seinen Freunden knapp "Struppi" gerufen wird, hatte zum Musical-Konzert eingeladen. Das entfaltete sich als multimusikalische, sprachproduktive Revue mit Schauspiel-Elementen. Struppi kann auf jeder Tastatur spielen, zudem in seiner Gefolgschaft auch solche Vielfalt wecken.

Und die Zuhörer sind davon hingerissen, vom Beginn mit der Bitte des "Phantoms der Oper" um Hilfe "Mehr will ich nicht von dir" bis zum fordernden "Lasst den Sonnenschein in euch hinein" aus dem Musical "Hair" der konfliktmüden Hippie-Generation. Stetige Steigerung auf der Bühne und im Saal inbegriffen. Da wurde Lebensfreude getankt, pur, von freundlicher Akustik glücklich verschmolzen, wenn mal nicht ganz perfekte Töne sehr wache Ohren berühren sollten.

Hui, wie der "Starlight-Express" ab Bochum auf Fahrt ging. Leider nicht auf Rollschuhen, weil die reale Darstellung, beruhend auf Struppis Philosophie, dass Einfühlung in jeden Text die Darbietung erlebnistiefer mache, was bei der Probe danebenging in einer folgenreichen Kollision mit Oberschenkelhalsbrüchen, Unterschenkelhalsbrüchen, Überallhalsbrüchen samt Prellungen bei Totalausfall von zwei Dritteln des singenden Materials. Also dann: Verbot des Rollschuhfahrens. Diese tofte Satire als Kurz-Beispiel.

Das zweistimmige "Rolling Stock" der Männer untermalte die Räder rollende Pantomime der Frauen. "Es gibt ein Licht ganz am Ende des Tunnels" wurde bereits vom Publikum mitgeklatscht. Ach, die "Memories", die Erinnerungen des gealterten, nun armen und verlassenen Stars aus "Cats" - herzzerreißend.

Szenenwechsel, herzerwärmend: Ehrung treuer Cantemus-Mitglieder vom Sängerkreis Moers. Urkunde und Ehrennadel für 40 Jahre Singen im Chor an Marie Luise Frings, Albert Hunnenbart, Hanni Hochstrat, Barbara Tigler; an Hannelore Zochert für 25 Jahre Vereinsarbeit.

Zum Weitermachen ermunterte aus "Sister Act" das "I will follow him". Und wie auf und vor der Bühne gefolgt wurde mit der "Ascot-Gavotte" aus "My Fair Lady"! Da zog doch tatsächlich eine vornehm gekleidete und be-Hut-ete Gesellschaft des 19. Jahrhunderts ein; die Oboe (Heidrun Hoffmann) wieherte, als danach sechs Ganzjung-Amazonen auf Steckenpferden einritten: Leonie auf Harmony, die andere Leonie auf Moonlight, Laura auf Beauty, Talina auf Oleander, Ebba auf Tornado, Sarina auf Chopin. Das war, künstlerisch gesehen, der Höhepunkt, zumal Idee und Gestaltung in ihrer handwerklichen Schlichtheit, nicht Primitivität, eigenständig und aussagestark waren. Danach akzentuierte die Oboe das Lied der schwedischen Gabriella aus "Wie im Himmel". Der Aufbruchswille von "Hair" hat seine musikalische Kraft nicht verloren. "Der Wassermann" verwies auf das erhoffte friedliche Zeitalter. Längst kochte der Saal. Aber nicht über, soweit kommts bei Struppi nicht. Zugaben, pferdeschwanzlanger Applaus, Dank an die sponsernde Sparkasse, an Hanna van Gelder für hilfreiche Organisation und befreundete Instrumentalisten.

Quelle: RP
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