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Niederrhein
Lehmbruck-Werke aus Duisburg jetzt in Wien

Niederrhein. Im Leopold-Museum ist bis zum 4. Juli die größte Lehmbruck-Retrospektive zu sehen, die je in Österreich gezeigt wurde. Von Peter Klucken

Die Ankündigung in Wien spricht für sich: "Das Leopold-Museum widmet dem einflussreichen Erneuerer und Wegbereiter der modernen europäischen Bildhauerkunst eine erste umfassende Retrospektive in Österreich." Gemeint ist Wilhelm Lehmbruck (1881-1919), dessen Werk in Duisburg präsent ist wie nirgendwo sonst auf der Welt. Und selbstverständlich ist das Duisburger Lehmbruck-Museum Hauptleihgeber für die Wiener Ausstellung, die den Anspruch erhebt, Lehmbrucks Entwicklung von den Jahren der Kunstgewerbeschule (1895-1899) sowie als Student der Düsseldorfer Kunstakademie (1901-1906) bis zu seinen bekanntesten Arbeiten seiner letzten Jahre nachzuspüren. "Retrospektive" ist der ebenso schlichte wie anspruchsvolle Titel.

Die Direktorin des Lehmbruck-Museums, Söke Dinkla, und die Lehmbruck-Spezialistin und Kuratorin Marion Bornscheuer repräsentierten in Wien das Duisburger Museum und waren am Aufbau der Wiener Ausstellung beteiligt. Gestern berichteten beide begeistert von der Eröffnung der Lehmbruck-Schau im riesigen Leopold-Museum. Die Resonanz des Publikums sei überwältigend gewesen, sagten Dinkla und Bornscheuer. Nicht zuletzt sei die Lehmbruck-Ausstellung ein glänzender Einstieg für Hans-Peter Wipplinger, den neuen Direktor des international bekannten Leopold-Museums. Im Ausstellungskatalog vergisst Wipplinger auch nicht seinen Dank. So schreibt er: "Die Ausstellung wäre ohne die umfassende Zusammenarbeit mit dem Lehmbruck-Museum, welches das fast vollständige Oeuvre des Künstlers verwahrt, nicht möglich gewesen." Der Wiener bedankt sich namentlich bei Dinkla, die als Kooperationspartnerin zum Gelingen der Ausstellung maßgeblich beigetragen hat. Wipplinger dankt außerdem Bornscheuer, die ihre fundierten Kenntnisse zum Werk eingebracht habe. Ihr Grußwort überschreibt Dinkla mit "Wilhelm Lehmbrucks soziale Plastik", womit sie auf Joseph Beuys anspielt, der in seiner berühmten Rede, die er zwei Wochen vor seinem Tod in Duisburg gehalten hatte, Wilhelm Lehmbruck als seinen "Lehrer" bezeichnet hatte. Marion Bornscheuer vertieft in ihrem Katalogaufsatz "Das Plastische in den Zeichnungen von Wilhelm Lehmbruck und Joseph Beuys" diese modernen kunsthistorischen Aspekte. Für wissenschaftliches Aufsehen sorgt Bornscheuers Katalogaufsatz, bei dem sie Egon Schiele und Wilhelm Lehmbruck als "Brüder im Geiste?" untersucht. Die Ausstellung in Wien, wo Schiele bei Kunstkennern allgemein bekannt ist, sei ein schöner Anlass für ihre Untersuchung gewesen, sagte Bornscheuer gestern. Die Wiener Ausstellung wird nicht nur von Museumsvertretern, sondern auch von der Stadtspitze begrüßt. Oberbürgermeister Sören Link spricht von einer "Ehre", und Kulturdezernent Thomas Krützberg sagt: "Diese einmalige Ausstellung in Wien trägt dazu bei, dass der Duisburger Bildhauer Wilhelm Lehmbruck international noch bekannter wird."

Die Wiener Schau führt nicht dazu, dass die Lehmbruck-Sammlung in Duisburg verwaist erscheint. Zwar wurde ein Bronze-Guss der "Knienden" nach Wien ausgeliehen, doch blieb der Gipsguss hier. Nur auf den "Emporsteigenden Jüngling" wird man einige Zeit verzichten müssen. Ansonsten kann das Haus, das über einen Bestand von mehr als 1000 Lehmbruck-Grafiken verfügt, noch genügend Lehmbruck in Duisburg zeigen.

Der große Wiener Ausstellungskatalog kann auch im Lehmbruck-Museum zum günstigen Preis von 29,90 Euro erworben werden.

Quelle: RP
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