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Hamminkeln
Letztes Abendmahl im Sand

Hamminkeln. Ungewöhnliche Ausstellung in der evangelischen Kirche: Frauenkreise, Kindergartenkinder, Konfirmanden und Eltern haben ihre Vorstellungen vom letzten Abendmahl Jesu auf Leinwand gebannt – gedeckter Tisch inklusive. Von Julia Nakötter

In die Fußstapfen von Leonardo da Vinci, der 1495 bis 1498 in Mailand das berühmteste Abendmahlbild der Geschichte schuf, sind Konfirmanden, Kindergartenkinder, Frauen und Eltern der Evangelischen Kirche Hamminkeln gestiegen. In der Passionszeit näherten sie sich künstlerisch und unter Anleitung von Melanie Schulz-Guth, Pfarrerin zur Anstellung, dem letzten Abendmahl Jesu an. Das Motto: "Tischlein deck dich – Das letzte Ma(h)l".

Dabei sollte die biblische Szene nicht einfach abgekupfert werden. "Es ging vielmehr darum, zu zeigen, was den Gruppen wichtig, was sie mit dem Abendmahl verbinden", sagt Schulz-Guth. "Und es ist toll, welche Ideen entwickelt und umgesetzt wurden. Die Bilder haben sehr unterschiedliche Schwerpunkte."

Geburtstagstorte und Kerzen

So sticht auf dem Gemälde des Frauenkreises am Abend eine große, gelbe Sonne aus Watte hervor. Ihre warmen Strahlen lassen einen Altar sowie einen Tisch (mit Kelch und Brot darauf) leuchten. "Hier durchbricht das Licht die Dunkelheit, so wie Jesus am Abend vor seiner Kreuzigung den Jüngern einen Weg durch das Leid gezeigt hat", erklärt die Pfarrerin zur Anstellung. Der Frauenkreis am Morgen hat das "Licht des Befreiungsmahls" mit gelber Ölfarbe auf Leinwand gebannt. In den Hintergrund gedrängt: ein schwarzer Tisch.

"Die Kindergartenkinder haben bunte Geburtstagstische gestaltet", sagt Melanie Schulz-Guth. "Für sie ist das Abendmahl mit einem guten Ereignis verbunden, das ihnen lange im Gedächtnis bleibt." Und so sollen viele Freunde an der langen Tafel nebst Geburtstagstorte und Kerzen Platz nehmen. Auf dem Bild der Eltern des Familienkreises spiegelt sich die heimelige Atmosphäre wider, in der ihrer Vorstellung nach das letzte Abendmahl gefeiert wurde: ein festlich gedeckter Tisch mit goldenem Besteck, aufgestellt in einem Gewölbekeller, der von Kerzenschein erleuchtet wird, sowie eine geschlossene Gesellschaft.

Die drei Katechumenengruppen, unterteilt in Mädchen, Jungen und eine gemischte Truppe, haben ihren Ideen auf unterschiedliche Weise freien Lauf gelassen. "Die Jungen hätten gerne eine große Pizza gemalt. Denn ihr Lieblingsgericht in Gesellschaft zu essen, ist ihnen sehr wichtig", erläutert die Pfarrerin zur Anstellung. Die gemischte Gruppe legt Wert auf eine "intensive Zeit mit liebgewonnen Menschen".

Und die Konfirmandinnen haben für eine Freundin, die von einer großen Last befreit wurde, eine große Party am Strand unter Palmen organisiert. "Rund 200 Gäste sollen ungezwungen im Sand sitzen, gemeinsam essen, glücklich sein", sagt Schulz-Guth. Dafür wurde eine Kelle Sand auf die Leinwand geschaufelt. Spezialkleber vollendete das ungewöhnliche Werk.

Quelle: RP
 
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