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Hamminkeln
Lob für "schlafendes Projekt" in Dingden

Hamminkeln: Lob für "schlafendes Projekt" in Dingden
Helmut Wisniewski (Vorsitzender Freibad-Verein, von links), Bürgermeister Bernd Romanski, Regionale Vorsitzende Uta Schneider, und Thomas Michaelis von der Stadtverwaltung mit dem A-Stempel FOTO: pr
Hamminkeln. Symbolisch und widersinnig zugleich: Regionale 2016 vergibt höchsten Förderstatus an "Dingdenergie", obwohl das Vorhaben längst abgeblasen ist. Wenn sich Rahmenbedingungen ändern, könnte es wieder aufleben. Von Thomas Hesse

Die Vergabe des so genannten A-Stempels der Regionale 2016 an das Projekt "Dingdenergie" ist erklärungsbedürftig. Denn in Dingden wurde gestern als letzte Amtshandlung der auslaufenden Regionale besagte A-Plakette an Hamminkelns Bürgermeister Bernd Romanski überreicht - für ein Vorhaben, das die Stadt längst abgeblasen hat. Inhaltlich geht es um das Nahwärmenetz verbunden mit dem Ausbau der Krechtinger Straße, für das es 90 Prozent Förderung geben sollte. Das war vor Jahren zu Beginn des Regionale-Prozesses ein zukunftsweisendes Vorhaben, heute aber würde die Stadt wegen der Energiepreise mächtig draufzahlen müssen, wenn sie Schulen oder Freibad versorgen will. Ein Widersinn mit Folgen: Die Stadt will die Förderung nicht mehr haben.

Uta Schneider, die Regionale-2016-Vorsitzende, verband die Übergabe dennoch mit der Aufforderung, nicht locker zu lassen, falls sich die Rahmenbedingungen wieder ändern. Sie nannte "Dingdenergie" ein "schlafendes Projekt". Den Ort der Veranstaltung, nämlich das Freibad Dingden, hob sie wegen des Engagements des Freibad-Vereins für regenerative Energien dabei besonders hervor. Der Vereinsvorsitzende Helmut Wisniewski hörte dies gerne.

Die Regionale-Agentur selbst verfügt nicht über Fördermittel, sie öffnet aber in der höchsten A-Förderstufe den Zugang zu Programmen, die Geld verheißen. Hamminkeln ist eine der wenigen Kommunen, die drei Projekte in den A-Status gebracht haben: das alte Lehrerhaus in Dingden (RP berichtete), das mit einem gefundenen privaten Investor die weitreichendste Umsetzungsstrategie aufweist, die Waldbühne in Marienthal in Kombination mit einem Wohnmobilstellplatz, für die derzeit Baurecht geschaffen wird, um dann auf Investorensuche zu gehen, und eben "Dingdenergie". Letzteres war vor fünf Jahren in Zusammenarbeit mit der örtlichen Textilindustrie entstanden, um Abwärme zu nutzen. Das erwies sich im Laufe des Prozesses als nicht machbar. Die Projektmacher schwenkten auf Blockheizkraftwerke und Bioenergie um. Den schönen Plänen "den Hals gebrochen" hätten die sinkenden Energiepreise, so Thomas Michaelis von der Stadtverwaltung. Was allerdings auch an den unflexiblen Rahmenbedingungen liegt: Photovoltaik und Windräder werden gefördert werden, das dadurch entstehende Überangebot an Energie mit sinkenden Preisen machten dem Dingdener Nahwärmeprojekt den Garaus. Die Stadt müsste bei der Umsetzung nämlich den Gestehungspreis weiterreichen - und im Fall von städtischer Schule oder Freibad das 3,5-fache des Marktpreises aus der eigenen Kasse zahlen, amtlich und unverrückbar.

"Die Entwicklung auf dem Energiemarkt war leider nicht vorauszusehen", sagte Uta Schneider. "Das Förderprogramm macht mit seinen Rahmenbedingungen ein absolut sinnvolles Projekt wirtschaftlich kaputt", drückte es Romanski aus. Es sei unter den gegebenen Bedingungen "tot". Die Regionale-Vorsitzende hoffte auf "bessere Zeiten".

Immerhin: Die A-Status-Plakette ist nun im Freibad angebracht, weil der Verein ein energiepolitsicher Vorreiter ist. Ein Symbol, dass in Hamminkeln energiefreundliche Maßnahmen Priorität haben - wenn denn der Rahmen stimmt.

Quelle: RP
 
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