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Kreis Wesel
Lob und kritische Worte zum Erntedank

Kreis Wesel. Ein milder Winter und das darauffolgende kühle Frühjahr hatten den Pflanzen ein gutes "Rüstzeug" und den Landwirten der Region somit eine gute Ernte beschert. Aber wie sieht es mit den Milch- und Schweinewirten aus? "Ernte gut - alles gut?" lautete denn auch die zentrale Frage, die Wilhelm Neu in seiner Rede zum Erntedankfest der Kreisbauernschaft im Budberger Krauthaus Heesenhof in den Mittelpunkt stellte. Von Erwin Kohl

Der Vorsitzende der Landwirtschaftsvereinigung bemängelte gleich zu Beginn, dass mit teils unseriösen und fachlich falschen Argumenten eine regelrechte Hetze gegen die moderne Landwirtschaft betrieben werde. Als Adressaten seiner Anschuldigung nannte Neu Parteien, Medien und Lobbyorganisationen, die sich gegen ihre Ernährer richten anstatt den Bauern für ihre Arbeit dankbar zu sein. "Landwirtschaft ist ein gesellschaftliches Thema geworden, das mehr und mehr Verständigung, Integration und Aufeinander-Zugehen erfordert", so Neu. Der Landwirt aus Brünen wünscht sich ein Umdenken in der Gesellschaft: "Es wäre erfreulich, wenn aus Verbrauchern Kunden werden, die kundig und für gute Ware auch bereit sind, einen anständigen Preis zu bezahlen."

Neus Klageliste war lang. Stetig sinkenden Milchpreisen beispielsweise stünden auf der anderen Seite steigende Pacht- und Kaufpreise gegenüber, ein hohes Gülleaufkommen werde als Argument gegen Massentierhaltung herangezogen und Niedrigstpreise im Lebensmitteleinzelhandel setzen dem Ganzen die Krone auf. "Nirgendwo in Europa ist der Konkurrenzkampf so hart wie in Deutschland. Und Kampf ist gleich Preis" erklärte der Vize-Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes.

Landrat Ansgar Müller versprach den Landwirten die Unterstützung des Kreises. Mit dem Aktionsbündnis Direkt- und Regionalvermarktung oder dem Verein Genussregion Niederrhein werde die Kooperation Landwirtschaft, Gastronomie und Tourismus in besonderem Maße gefördert. Pastor Udo Otten erinnerte daran, dass in einer Zeit, in der weltweit eine Milliarde Menschen hungern, in diesem Land jährlich 20 Millionen Tonnen Lebensmittel auf den Müll wandern: "In Supermärkten ist nur noch Designergemüse gefragt. Wir haben uns früher am Ende der Erntezeit auf die kleinen Kartoffeln gefreut. Heute fallen die buchstäblich durchs Raster."

Hans-Theo Mennicken gewann dem Thema eine ganz andere Seite ab. Rheinbergs Bürgermeister gab zu, dass ihn die Landwirtschaft besonders dann freue, wenn er in seiner Freizeit durch Felder und Wiesen radelt. "Die Landwirtschaft ist auch ein touristisches Pfund, mit dem die Region wuchern kann." Im Anschluss nutzten die Landwirte des Kreises die Gelegenheit zu einem intensiven Austausch mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft.

Quelle: RP
 
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