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Hamminkeln
Loikumer Kita platzt aus allen Nähten

Hamminkeln: Loikumer Kita platzt aus allen Nähten
Ein Teil der Kinder muss wegen des Platzmangels im Personalraum oder im Büro auf Erwachsenenstühlen mit Autokindersitzen Platz nehmen, damit sie die Tischkante erreichen. FOTO: Hermann
Hamminkeln. Die Kita St. Antonius Loikum wartet auf den dringend notwendigen Umbau - und ein klares Wort der Stadt. Von Thomas Hesse

In der Kita St. Antonius Loikum haben Eltern für 50 Kinder Übermittagsbetreuung gebucht. Allerdings lassen die Räume es nicht zu, solch hohen Bedarf zu decken. Träger der Einrichtung ist die Katholische Kirchengemeinde Maria Frieden. Eigentümer des Gebäudes ist die Stadt. Der ist bekannt, dass die räumliche Ausstattung verbessert werden muss. Die Dringlichkeit ist anerkannt worden, Verhandlungen und Lösungsangebote hat es bereits gegeben. Doch ein letztes Gespräch Ende Januar wurde von der Stadt abgesagt. Nun sind Kirchenvorstand und Kita-Leitung "ratlos und zutiefst" irritiert. Man habe aus der Presse erfahren, dass die Planungen für 2018 (20.000 Euro) und die Finanzierung für Umbau und Sanierung erst für 2019 (90.000 Euro) vorgesehen seien. Das will der Träger nicht hinnehmen, er warte schon zu lange. Gestern ging er deshalb mit der Problematik an die Öffentlichkeit. Grund: Heute tagt der Hauptausschuss, der in seiner Sitzung den Haushalt 2018 bestimmt. Und damit darüber entscheidet, was wann finanziert wird.

Der Kirchenvorstand mit Pastor Ralf Lamers an der Spitze macht Druck mit dem Hinweis, dass man "unter diesen Umständen die Plätze der Übermittagsbetreuung drastisch reduzieren wird". Eine Drohkulisse, denn der Bedarf ist unstrittig, und der Beschluss würde erst im Kita-Jahr 2019/20 greifen. Statt derzeit 38 Kinder sollen dann nur noch 18 zum Mittagessen Platz nehmen. Kirche und Kita sagen, dass sie die genauen Pläne nicht kennen; ihr Angebot, eine Meinung dazu zu sagen, wurde mit dem Hinweis auf laufende Etatberatungen abgelehnt. Dabei liegt ein Architektenentwurf vor. Das lange Schweigen ist aus Sicht von Pfarrer Lamers, Kita-Chefin Ute Anschlag und Verwaltungsreferentin Annette Hegering Kennzeichen der Lage: Die Kommunikation zwischen Kirche und Stadt ist gestört, obwohl beide einander brauchen. "Wir werden nicht als Partner wahrgenommen", klagt der Pfarrer. Dabei fühle man sich als solcher, habe der Stadt zuletzt mit Containern auf dem Pfarrgelände in Mehrhoog ausgeholfen, als dort die Kita-Plätze knapp wurden.

Zur Demonstration der Situation in der ehemaligen Grundschule Loikum-Wertherbruch, einem Gebäude im städtischen Besitz, lud der Träger gestern zur Mittagszeit ein. Ein Teil der 26 anwesenden Knirpse sitzt auf Erwachsenenstühlen mit Autokindersitzen drauf im Personalraum und Büro, damit sie die Tischkante erreichen. Das Mobiliar ist eigentlich für die sieben Erzieherinnen, einen Erzieher und zwei Kinderpflegerinnen gedacht. Eine Tür weiter sitzen die Kleinen am Tisch in der Küche. "Eine untragbare Situation", sagt die Leiterin. Es gebe zwei Mehrzweckräume, die zu Essensräumen umgebaut werden könnten. "Die Stadt hat uns letztes Jahr 50.000 Euro für den Umbau angeboten", sagt Lamers. Man habe aber 80.000 Euro Kosten errechnet - eine zu große Lücke - und sieht die Stadt am Zug.

Wie sieht es die Stadt? Bürgermeister Bernd Romanski sagt: "Gestörte Kommunikation? Das ist mir schleierhaft." Zahlreiche Gespräche seien dokumentiert, mit dem LVR das Raumprogramm besprochen, die Kirche habe einen Förderantrag an den Kreis Wesel über 57.000 Euro unterschrieben. Lamers sagt: "Blind unterschrieben." Romanski sagt: "So weit die Planung bekannt war."

Der abgesagte Termin Ende Januar habe keinen Sinn gemacht wegen der Etatberatungen. Die Verwaltung brauche den Beschluss der Politik, was gemacht werden soll, etwa für ein Investorenmodell für die Kita Ringenberg zur Entlastung des Rathauses oder ob der Bau der Grundschule Mehrhoog vorgezogen wird. Alles gehe nicht. Immerhin. Romanski sicherte zu, zu bauen, auch wenn der Zuschuss ausfallen sollte. Aber eben 2019. Immerhin ist im Etat die Möglichkeit eingebaut, noch 2018 die Aufträge für Loikum zu vergeben. Dann kann's im Folgejahr schnell gehen.

Quelle: RP
 
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