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Hamminkeln
Loikums liebevoller Auftritt

Hamminkeln: Loikums liebevoller Auftritt
Loikum präsentierte sich als liebenswertes und lebenswertes Dörfchen, das für alle Bedürfnisse etwas bietet - auch für die der Kleinsten. FOTO: Malz Ekkehart
Hamminkeln. Bei der Dorfbegehung mit der Bundesbewertungskommission zeigte das Dorf an der Issel seine vielfältigen guten Seiten. Bemerkenswert waren die Projektpräsentation, das Gemeinschaftsgefühl und die Orientierung an Perspektiven. Von Thomas Hesse

In Loikum wurde der Bundeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" unter der Regie des Bundesministeriums für Energie und Landwirtschaft nicht nur offiziell eröffnet. Das Dorf, das vergangenes Jahr Gold beim Landeswettstreit gewonnen hatte, war gestern auch Nummer eins bei den Dorfbegehungen, die die 28-köpfige Jury bis zum 7. Juli auf ihrer 5500 Kilometer langen Tour bundesweit durch 33 Orte führt. Klar, dass sich Loikum von seiner vielseitigsten, gemeinschaftlichsten und ideenreichsten Seite zeigte. Die Jury war angetan vom niederrheinischen Ort an der Issel. Wie es ausgeht, ist nicht abzusehen. Die ersehnte Goldmedaille ist nicht alles. Denn eine Auszeichnung ist schon die Einladung zur Grünen Woche 2017 in Berlin und zum Bundespräsidenten, wenn die Sieger gekürt werden.

Gelbe Sonnenschirme sprenkelten das Dorf an den wichtigsten Punkten der Begehung. Kleine Fotowände stellten historische Fotos den aktuellen Entwicklungen im Vorher-Nachher-Prinzip gegenüber - gleichzeitig auch eine optische Verbindung von Tradition und Zukunftsdenken. Punkt für Punkt gab es Erläuterungen von Aktivisten, etwa August Exo, der einst den Bürgerbus mit aus der Taufe hob. Bürgermeister Bernd Romanski begleitete den Tross, Ex-Bürgermeister Holger Schlierf war geladen, den unermüdlichen Umgang der Loikumer mit planerischen und gestalterischen Problemen zu berichten. Zeitmäßig war die Tour de Loikum so gut getaktet, dass kein toter Punkt bei der immerhin dreistündigen Veranstaltung aufkam - vor allem, weil die Menschen auf den Punkt zu erzählen wussten, was sie mit Herzblut und Plan im Dorf voranbringen. Vier Aspekte stehen im Fokus der Jury, und die wurden auch bedient: Entwicklungskonzepte und Wirtschaftsinitiativen, kulturelle Aktivitäten und soziales Engagement, Baugestaltung und Siedlungsgewinn, Grünraum und das Dorf in der Landschaft. "Wir als Jury verstehen uns als die Speerspitze der dörflichen Entwicklung und freuen uns tierisch auf neue Impulse", hatte Dr. Reinhard Kubat, der Vorsitzende der Bewertungskommission und Landrat in Nordhessen, zur Eröffnung gesagt. Diese positive Stimmung und Zugewandtheit war gestern zu spüren.

In der Bürgerhalle hatten anfangs Irmgard Stenkamp und Theo Büning von der Dorfgemeinschaft Loikum im lockeren Wechsel von Loikums Schwerpunkten berichtet. Ein paar Zahlen: 22 landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe mit 38 Arbeitsplätzen, 16 Betriebe mit 70 Beschäftigten in Gastronomie, Handwerk und Gewerbe. Oder: Glasfaseranschluss durch solidarische Eigenleistung mit 90 Prozent Anschluss im Außenbereich - einmalig und beispielhaft.

Das Gemeinschaftsleben mit 18 Gruppen und Vereinen ist ausgeprägt, auch zusammen mit Nachbar Wertherbruch. Bürgerbus, Radweg, Kindergarten, Schule, Bauernmarkt, Pfadfinder, Kirche machen das Dorfleben lebenswert. 200 Kopfweiden, teils an der Issel entlang, wurden gepflanzt, Wildkräuterwiese und Pflegeaktionen zeugen von der Naturnähe. Energiepolitisch schafft Loikum mehr Strom als es verbraucht, zwei Biogasanlagen, Photovoltaik satt und Nahwärmeverbundnetzen sei Dank.

Daneben lebt es sich generationenübergreifend im Dorf, wo es alleine 34 Haushalte mit drei Generationen gibt.

Dass sich die syrische Familie, die im ehemaligen Küsterhaus wohnt, beim Rundgang persönlich vorstellt und Naschereien reicht, ist selbstverständlich.

Das Dorf ist eben solidarisch.

Quelle: RP
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