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Hamminkeln/Wesel
Luftlandung bewegt über Generationen

Hamminkeln/Wesel. 71 Jahre nach der Operation "Varsity" sucht Tochter des US-Veteranen John Kormann nach Überlebenden eines Vorfalls am Thülenweg 4. Von Fritz Schubert

Wie die verheerenden Angriffe für Wesel im Februar 1945, so gehört die Rheinüberquerung und Luftlandung der Alliierten vom 23./24. März zu den einschneidendsten Geschehnissen der Geschichte für Hamminkeln. Die Ereignisse jähren sich jetzt zum 71. Mal. Nach den Gedenkfeiern von 2015 steht diesmal nichts Offizielles auf dem Plan. Auch ist Ortwin Nissing vom Hamminkelner Ordnungsamt, der sich seit Jahren ums Thema kümmert, nicht bekannt, ob wieder Veteranen die Orte der Kämpfe besuchen wollen. Dennoch bewegt die Luftlandung über Generationen die Menschen. So sieht sich die Tochter eines damals beteiligten US-Amerikaners verpflichtet, Überlebende eines bestimmten Vorfalls am Thülenweg zu suchen.

John Kormann, der im Mai vergangenen Jahres starb, war im Zweiten Weltkrieg Fallschirmjäger der 17th Airborne Division. Sein Leben lang hat er immer wieder von jenem Tag und einem besonderen Erlebnis berichtet; Aus dem Keller des inzwischen abgerissenen Hofgebäudes Lenkeit am Thülenweg 4 in Hamminkeln hat er damals Stimmen gehört und die vermeintlichen deutsche Soldaten zum Herauskommen aufgefordert. Als sich nichts rührte, wollte er schon eine entsicherte Handgranate in den Keller werfen. Doch Kormann hielt kurz inne, hatte seine Mutter ihm doch gerade in einem Brief geschrieben, barmherzig sein, weil auch deutsche Mütter um ihre Jungen bangten. Sein Zögern rettete aus Kormanns Sicht 14 Frauen und Kindern das Leben.

Erzählt hat der ehemalige Fallschirmjäger dies unter anderem in der TV-Dokumentation "The lost evidence - Crossing the Rhine", die zum Beispiel auf Youtube zu finden ist. Auch Jos Bex aus Huissen bei Arnheim, der Veteranen-Touren beziehungsweise Schlachtfeld-Reisen organisiert, hat Kormann die Geschichte erzählt. Sein Wunsch, noch einmal mit den damals beteiligten Zivilisten in Kontakt zu kommen, erfüllte sich nicht. Nun aber versucht seine in London lebende Tochter mit der Hilfe von Bex die in der Familie stets präsente Geschichte zu Ende zu bringen. Wer am 24. März 1945 dabei war und sich Ende Mai mit Kormanns Tochter in Hamminkeln treffen möchte, der kann sich unter Tel. 0031 26 3254361 oder 0031 651 634487 oder per E-Mail an jomaresto@plant.nl bei Bex melden.

Es ist eine kleine, für die Beteiligten aber lebenswichtige Episode gewesen. Drumherum spielte sich Weltgeschichte ab: Nach der vollständigen Zerstörung Wesels durch Bomben im Februar 1945 hatten deutsche Pioniere am 10. März die Eisenbahnbrücke gesprengt. Die Alliierten bereiteten ihren Rheinübergang am 23./24. März vor: 200 viermotorige Bomber warfen 1100 Tonnen ab und 1300 Geschütze sorgten für Dauerfeuer. Briten, Schotten und Kanadier überquerten den Rhein bei Bislich, Amerikaner bei Friedrichsfeld. 1800 Briten eroberten Wesel. Bei der Operation "Varsity" zwischen Wesel, Hamminkeln und Mehrhoog flogen 1500 Flugzeuge und 1300 Lastensegler an. Sie setzten 21.000 Soldaten ab. Den schweren Kämpfen fallen rund 1000 Menschen auf alliierter und 2000 auf deutscher Seite zum Opfer.

Quelle: RP
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