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Emmericher Bürgermeister heiratet
Männer-Paar feiert Vermählung in Kirche

Emmericher Bürgermeister heiratet: Männer-Paar feiert Vermählung in Kirche
Die Kirche St. Johannes in Bislich. FOTO: Jana Bauch
Wesel. Der Emmericher Bürgermeister Peter Hinze (SPD) heiratet seinen Lebensgefährten Hubertus Pooth aus Wesel-Bislich. Auch in der katholischen Kirche Bislich wird gefeiert. Pfarrer Sühling will "um den Segen Gottes für Menschen bitten, die in Beziehungen leben". Von Sebastian Peters

Es ist ein ungewöhnlicher Schritt, den der katholische Pfarrer da vollzieht: Stefan Sühling steht in Wesel eigentlich im Ruf, ein konservativer Geistlicher zu sein. Und doch wird er in Kürze anlässlich der Hochzeit von zwei Männern einen Wortgottesdienst halten. Der Emmericher Bürgermeister Peter Hinze (SPD) hat in der vergangenen Woche seine Heiratspläne öffentlich gemacht. Er lebt seit Längerem schon mit dem Bislicher Gastronomen Hubertus Pooth in einer Partnerschaft.

Am 30. September wollen der 57-jährige Hinz und sein Partner sich das Ja-Wort auf dem Gut Falkenstein in Emmerich-Hüthum geben. Auch in der katholischen Kirche wollen beide an diesem Tag das Ereignis feiern - unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Kirche gleichgeschlechtlichen Paaren nicht das Sakrament der Ehe spendet.

Bürgermeister Peter Hinze (SPD) FOTO: Stadt Emmerich

"Mein Partner ist der Kirche eng verbunden. Er war Messdiener, wohnt neben der Kirche", sagte gestern Emmerichs Bürgermeister Hinze unserer Redaktion. Also habe man bei Pfarrer Sühling nachgefragt, inwieweit am Tag ein Besuch der Kirche möglich sei. Im Ergebnis, so Hinze, werde es eine Form des Wortgottesdienstes geben, an dem die Festgemeinde teilnehme.

Kein Ehe-Sakrament

Die Kirche St. Johannes im kleinen Deichdörfchen Bislich gehört zur Pfarre St. Nikolaus Wesel. Schon in der Stadt wäre solch ein Gottesdienst ungewöhnlich - auf dem Dorf ist er es erst recht. Pfarrer Sühling sagt: "Es ist ein Gottesdienst, an dem die beiden teilnehmen." Er betont zugleich, dass er nicht das Sakrament der Ehe spende, dass es keine kirchliche Trauung im eigentlichen Sinne sei. Er werde um den Segen Gottes für Menschen bitten, die in Beziehungen leben. Er wolle keine große Sache daraus machen, wolle sich aber dem Wunsch von Menschen nicht verweigern, die sich Gott verbunden sehen. Vorgaben des Bistums würden beachtet.

Der Münsteraner Bischof Felix Genn hatte sich zwei Tage nach dem Bundestagsbeschluss in einer Predigt im Münsteraner St.-Paulus-Dom zur "Ehe für alle" geäußert: "Hier werden wir uns als Kirche ganz klar zu einer deutlichen Positionierung der Ehe von Mann und Frau weiterhin bekennen, ohne mit dem Begriff 'Lebenspartnerschaft' eine Diskriminierung homosexueller Personen zu bezeichnen, sondern indem wir damit nur eine andere Wirklichkeit benennen." In der katholischen Kirche gibt es keine Hochzeits- oder Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare.

Peter Hinze zögert bei der Frage, ob er gläubig sei. "Wenn ich in der Kirche bin, dann zünde ich stets eine Kerze an." Der Besuch der Kirche sei "mehr der Wunsch meines Partners". Hinze sagt aber: "Wenn es nicht möglich ist, Kirche von oben zu ändern, dann ist es ist aber dennoch wichtig, an der Basis ein Zeichen zu setzen, das wir in anderen Zeiten leben als vor 20 Jahren. Das Minimum ist, sich in der Kirche einen Segen geben zu lassen."

Die Trauung auf Gut Falkenstein geschieht einen Tag, bevor die Gesetzesänderung zur "Ehe für alle" in Kraft tritt und Gleichgeschlechtliche offiziell heiraten dürfen. Nach dem 1. Oktober werde die "Verpartnerung" offiziell umgeschrieben, sagt Hinze. Er hat lange überlegt, seine Partnerschaft mit einem Mann öffentlich zu machen. Letztlich habe er mit diesem Schritt auch andere, die das gleiche Geschlecht lieben, ermuntern wollen, sich nicht zu verstecken. Hinze war früher mit einer Frau verheiratet, hat einen Sohn. Seit 2004 habe er von seiner Homosexualität gewusst. Es habe eine Angst gegeben, sich zu outen.

Hilfreich sei in diesen Zeiten das Outing des Berliner Oberbürgermeisters Klaus Wowereit gewesen. Parteifreunde hätten ihn gestärkt. Zu seiner Ex-Frau und dem Sohn habe er ein sehr gutes Verhältnis. Seit elf Jahren kennen sich Hubertus Pooth und Peter Hinze. Beide haben sich immer mal wieder gesehen, vor drei Jahren funkte es, berichtet Hinze. Eine große Sache machen die beiden in der Öffentlichkeit nicht aus ihrer Beziehung. Pooth ist als Gastronom in Bislich sehr eingebunden, mitunter begleitet er Hinze aber bei Neujahrsempfängen.

Quelle: RP
 
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