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Wesel
Mangelware Wohnraum

Wesel: Mangelware Wohnraum
FOTO: Malz Ekkehart
Wesel. Händeringend sucht Wesel nach Unterbringungsmöglichkeiten für zugewiesene Flüchtlinge. Allein bis Ende 2016 werden 400 erwartet. Von Klaus Nikolei

Im Weseler Rathaus ist man lange davon ausgegangen, dass die Zahl der Asylbewerber, die der Stadt von der Bezirksregierung in Arnsberg zugewiesen werden, sinkt. Und bis zuletzt gab niemand der Verantwortlichen in der Stadtverwaltung die Hoffnung auf, dass am Ende doch noch genügend Vermieter geeigneten Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung stellen könnten.

Nun aber hat sich herausgestellt, dass man sich gründlich verrechnet hat. Wesel wird bis zum Jahresende rund 400 Flüchtlinge - alle mit einer sehr hohen Bleibewahrscheinlichkeit - aufnehmen müssen. Gleichzeitig ist der Wohnungsmarkt so gut wie leer gefegt, die Wohnheime an Fluthgrafstraße, Herzogenring und Friedenstraße komplett belegt.

Ins Ex-Trapp-Bürogebäude werden voraussichtlich im November die ersten von bis zu 200 Flüchtlingen ziehen. Große Umbauten wird es nicht geben. FOTO: Malz

"Man hat das alles ein wenig unterschätzt. Wir sind von einer anderen Dynamik ausgegangen und konnten nicht absehen, dass Wesel auch attraktiv für zugewanderte Flüchtlinge ist", gibt Sozialdezernent Daniel Kunstleben unumwunden zu. Er ist zunächst einmal froh, dass man in Hamminkeln die Möglichkeit erhält, 122 Asylbewerber im längst nicht ausgelasteten Flüchtlingsdörfchen an der Straße Daßhorst unterzubringen. Dafür wird Wesel der Nachbarstadt 28.000 Euro im Monat überweisen (RP berichtete).

Lange sollen die angekündigten Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, dem Iran und aus Eritrea allerdings nicht in den vergleichsweise gut ausgestatteten Mobilheimen wohnen. Denn Wesel versucht nun, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren und Gemeinschaftsunterkünfte zu schaffen.

Klar ist, dass im Ex-Trapp-Bürogebäude an der Trappstraße, das im Herbst 2015 als Erstaufnahme-Einrichtung des Landes mehrere Monate lang genutzt wurde, künftig 200 Flüchtlinge dauerhaft unterkommen sollen. Die ersten werden, so Kunstleben, im November einziehen, jeweils 50 auf jeder der vier angemieteten Etagen.

Groß umgebaut werden die leerstehenden Büroräume nicht. "Wir lassen allerdings mehrere Küchen einbauen, damit sich die Menschen selbst versorgen können", erklärt der Dezernent. Weil die mit Teppichboden ausgelegten Zimmer unterschiedlich groß sind, werden in ihnen auch unterschiedlich viele Menschen leben. "Mindestens zwei bis hin zu ganzen Familien", sagt Kunstleben.

Auf der großen Freifläche vor dem Bürohaus werden übrigens - anders als vor einem Jahr - keine Wohn-, sondern lediglich Toiletten- und Duschcontainer errichtet.

120 Asylbewerber in Hamminkeln, 200 im Ex-Trapp-Haus: fehlen also noch 80 Plätze. Die könnten, wie berichtet, womöglich in Gebäuden des Internationalen Bundes an der Schillwiese geschaffen werden. Oder in einem anderen Objekt in der Innenstadt, zu dem sich Kunstleben allerdings nicht weiter äußern möchte. "Es laufen vielversprechende Gespräche", sagt er.

Dass der leerstehende Baumarkt an der Nordstraße eine Alternative sein könnte, bestreitet Daniel Kunstleben. Er bittet um Verständnis, dass er auf die Frage, ob man nicht dem Beispiel Hamminkeln folgen und an geeigneter Stelle Dutzende Wohnheime errichten sollte, keine zufriedenstellende Antwort liefern könne. "Über diese Möglichkeit will ich nicht spekulieren. Wir werden uns aber weiterhin um jede Wohnung bemühen und sind nach wie vor der Auffassung, dass die dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge richtig ist und man den bisher von der Stadt gewählten Weg nicht verteufeln sollte", sagt er. "Allerdings müssen wir uns auch den veränderten Verhältnissen anpassen." Man muss keine hellseherischen Fähigkeiten haben, um sagen zu können, dass das Thema Flüchtlingsunterkünfte den Dezernenten und die Bürgermeisterin dauerhaft beschäftigen wird.

Quelle: RP
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