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Hamminkeln
Marlies Arnold poliert Mehrhoogs Image auf

Hamminkeln: Marlies Arnold poliert Mehrhoogs Image auf
FOTO: Malz
Hamminkeln. Beispiel Flüchtlingshilfe: Der Hamminkelner Ortsteil hilft vorbildlich. Auch sonst hat das Dorf im Grünen viel zu bieten - von Nahversorgung bis Gewerbe, von Kultur bis Grün. Marlies Arnold findet, Mehrhoog wird unterschätzt. Von Thomas Hesse

Als Marlies Arnold vor 37 Jahren von Mülheim nach Mehrhoog zog, ahnte sie noch nicht, dass sie eine neue Heimat finden würde, die zu ihrer späten Liebe werden würde. "Ich fühle mich total wohl hier. Mehrhoog hat sich positiv entwickelt. Deswegen finde ich schade, dass der Ortsteil innerhalb Hamminkelns so wenig Ansehen hat und zu wenig berücksichtigt wird", sagt die Frau, die 22 Jahre lang für die CDU im Rat saß, 25 Jahre Vize-Chefin des Bürger-Vereins, 16 Jahre Presbyterin und Miterfinderin des Mehrhooger Nikolausmarktes war. Unverändert ist sie wache Beobachterin der Lokalpolitik und besucht als Gast Ratssitzungen und manche Ausschüsse. Deshalb findet sie es gut, wenn es im Dorf vorangeht. "Dass am Hellmannsweg ein Seniorenheim für altengerechtes Wohnen entsteht, ist sehr gut. Der Bedarf ist da. Viele Ältere sagen, wir wollen nicht von Mehrhoog weg", sagt Marlies Arnold. Zugunsten des Vorhabens hat sie sich deshalb auch eingemischt.

Auch sonst wirbt sie für den Ortsteil, der mit genau 6623 Einwohnern zu den großen unter den sieben Dörfern Hamminkelns zählt. "Wir sind hier sehr gut versorgt, viele Leute aus der Umgebung kaufen in Mehrhoog ein", sagt sie. Das optisch wenig attraktive Straßendorf, dem zu seinem ganzen Glück eine anziehungskräftige Ortsmitte fehlt, habe viel zu bieten: allein vier große Lebensmittelmärkte bzw. Discounter, zwei schöne Cafés, Ärzte, Apotheken, Ladengeschäfte vom Elektrohandel bis zum Küchenstudio, vom Schuhgeschäft bis zum Textiler oder Schmuckladen. "Man muss nicht außerhalb einkaufen, hier gibt es alles, was man braucht", sagt Arnold. Dazu zählt sie auch die zahlreichen Gewerbebetriebe quer durch die Branchen. Das Handwerk ist ebenso reichlich vertreten. Banken und eine Tankstelle runden die gute Versorgungslage ab. Kein Wunder also, dass im gerade vom Rat verabschiedeten Einzelhandelskonzept Mehrhoog als wichtiges Mittelzentrum eingestuft worden ist, in dem sich gezielte, nicht für das Dorfzentrum schädliche Ansiedlungen vorstellen lassen. Wohnen lässt sich ohnehin gut links und rechts der vielbefahrenen Bahnhofstraße. Es gibt schöne, gewachsene Wohnviertel mit viel Grün und wenig Verkehrsbelastung. Allerdings fehlen neue Bauflächen. "Und wer wie ich gerne durchs Grün radelt, findet viele Wege rund ums Dorf", sagt Marlies Arnold.

Auch für die Jugend gibt es Abwechslung - etwa im "Underground" der evangelischen Kirche. Funktionierende Kirchengemeinden bereichern das Dorfleben, Sportanlagen und Tennisgelände sind Pluspunkte. Oder auch die Kultur, wofür eine große Mehrzweckhalle zur Verfügung steht.

Dass die Hogenbuschhalle von Flüchtlingen belegt ist, sei zwar einschränkend, aber nötig, findet die Mehrhoogerin. Sie lobt die ehrenamtliche Arbeit und die Willkommenskultur. "Integration ins Dorfleben muss sein", sagt sie. Sie selbst betreut zwei albanische Familien und freut sich über die freundschaftlichen persönlichen Kontakte.

Marlies Arnold ist für ehrliche Auseinandersetzung bei Problemen und eine Streiterin gegen Vorurteile. Sie weiß als Asylantenbetreuerin der ersten Stunde, wovon sie redet. 1984 war es, als sie in die Betreuung einstieg, und sie Aggressionen gegen die Asylanten und gegen sich selbst erlebte. "Zeichen des Verstehens und der Hilfsbereitschaft waren und sind wichtig", sagt sie. Allerdings hatte das "Asylanten-Problem", wie es im Gemeindebrief von damals nachzulesen ist, eine andere Größenordnung: "Die Zahl der Asylantenfamilien in Mehrhoog ist auf acht angewachsen."

Heute kommt das tolerante Dorf mit wesentlich mehr Flüchtlingen klar.

Quelle: RP
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