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Hamminkeln
Mehrhoog: Ein Dorf im Aufwind

Hamminkeln: Mehrhoog: Ein Dorf im Aufwind
Fertiggestellt: Das neue Gesundheitshaus für Mehrhoog. FOTO: Hesse
Hamminkeln. Die Mehrhoogerin Marlies Arnold ist stolz auf das, was sich im Dorf bewegt. Es hat sich eine Menge getan - von der Vorzeige-Bankstelle bis zum Ärztehaus. Weitere Projekte laufen. Von Thomas Hesse

Marlies Arnold ist weithin bekannt im Dorf. Sie lebt seit 40 Jahren in Mehrhoog, saß für die CDU im Stadtrat, kümmert sich um den Nikolausmarkt, ist im Bürgerverein aktiv oder sucht immer wieder Sponsoren für Bänke des Rundwanderwegs. Ihr liegt auch das Image des für Außenstehende nicht besonders ansehnlichen Straßendorfs und Hamminkelner Ortsteils am Herzen. Das Dorf, so findet sie, entwickele sich positiv, weil sich viel in Mehrhoog bewege. Wer sich die Projekte vergegenwärtigt, gewinnt einen Eindruck von der neuen Dynamik: Die Begegnungsstätte, die einerseits für die Flüchtlingsarbeit gedacht ist, andererseits aber die ersehnte Heimstatt für Vereinsaktivitäten sein wird, soll im Januar fertig werden - wenn auch verspätet. Das Ärzte- und Wohnhaus von Apotheker Buskase in der Dorfmitte ist fertig. Der VfR Mehrhoog baut in Eigenregie am neuen Vereinsheim. Der Glockenturm der Evangelischen Kirche wurde gerade eingeweiht, ebenso wurde die Kleiderkammer an neuer Stelle zum Sozialkaufhaus. Das Altenheim an der Rheinstraße wird gebaut, überhaupt drehen sich an mehreren Stellen im Ort die Kräne. Zudem wachse das Kulturangebot, so die Mehrhoogerin.

Zu den Pluspunkten zählt auch die neue Volksbank-Filiale. Ausgerechnet im kleinen Dorf entstand eine Musterfiliale der Zukunft, wie sie sonst im Volksbank-Verband nur noch in der Südpfalz zu finden ist. Die "Bankstelle" ist passe, diese Volksbank ist hell, freundlich, hat mit ihrem Ambiente eine positive Aufenthaltsqualität, stellt per Videoservice persönlichen Service her. Sie bedient auch das dörfliche Heimatgefühl. Eine Sitzbank ist mit dem großen Schriftzug "Mehrhoog" verziert, Fotos vieler (Vereins-)Aktivitäten hängen an der Wand. Viele davon stammen von Marlies Arnold. Das symbolisiert Nähe von Institut und Kunde. "Wir tun dem Ort was Gutes", sagt Filialleiter Dominick Ensink zum Konzept.

Gut für das Dorf ist aus der Sicht von Marlies Arnold der Bau von Altenwohnungen an der Rhein-, Karl- und Bahnhofstraße. "Der Bedarf ist da, die älteren Leute wollen in Mehrhoog bleiben", sagt sie. Doch das gelingt nicht konfliktfrei. An der Kaufpreishöhe mancher neuen Wohnungen hat es viel Kritik gegeben. Viele Senioren wissen zu schätzen, dass im Dorf neben Arzt und Apotheke die Nahversorgung mit Discountern und Fachgeschäften ungewöhnlich dicht ist. Zudem gibt es Parkplätze satt.

Zur Infrastruktur gehört auch die Kultur. Die Evangelische Kirchengemeinde bietet Konzerte, etwa Gospel oder Harfe, der Männerchor hatte gerade seinen großen Auftritt oder der Tennisclub bittet zum Open Air. Für ein Dorf tut sich eine Menge in diesem Bereich. Beachtlich sind die Eigeninitiative und das Wir-Gefühl. Der Glockenturm zum Beispiel ist das Ergebnis enormer ehrenamtlicher Arbeit. So etwas schweißt zusammen. Oder beim Rundwanderweg, für den der Bürgerverein unermüdlich Bank-Sponsoren sucht. Firmen und Einzelhändler haben gespendet, Privatleute und Parteien, die mit schwarzer, roter und grüner Bank ihre Farben vertreten sehen. Gelb gibt es nicht, die FDP findet in Mehrhoog praktisch nicht statt.

Fragt sich nur, warum es bei allem Zusammenrücken nie für eine Heimstatt für Vereine gereicht hat. Seit die Gaststätte Pollmann, auf die man sich jahrzehntelang verlassen konnte, geschlossen ist, muss man ab einem gewissen Größenbedarf in die Nachbarorte ziehen. Sogar Karneval fiel aus. Deshalb warten viele sehnlich auf die Begegnungsstätte, für die die Idee, geboren wurde, als die Flüchtlingswelle Mehrhoog erreichte. Die Räume dienen künftig den Vereinen. Betreiber werden nach einer Übergangsphase Vereine sein. Auch das ist ein Teil des funktionierenden Mehrhooger Wir-Gefühls.

Quelle: RP
 
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