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Hamminkeln
Mehrhoog hilft - auch sich selbst

Hamminkeln: Mehrhoog hilft - auch sich selbst
FOTO: Malz
Hamminkeln. Die Flüchtlingshilfe betreut in der Hogenbuschhalle 160 Menschen. In kurzer Zeit hat sie dort eine funktionierende Organisation geschaffen. Die Unterbringung ist eng, die Stimmung aber gelassen. Von Thomas Hesse

In der Hogenbuschhalle sieht es wie in einem Zeltlager aus. Betten, Stühle, Habseligkeiten im Koffer, um die Parzellen Bauzäune, verhängt mit Bettlaken und Decken, obendrauf meist ein Dach aus Stoff: So haben die 160 Flüchtlinge in der Mehrhooger Sporthalle ihre Privatterritorien abgetrennt. Jedem gehört auch noch ein Bundeswehrspind. Die sind vollgepropft mit dem kleinen Besitz, den jeder für sich hortet. Die Unterbringung ist eng, und nur gelegentlich wechseln Familien in Mietwohnungen. Aber die Stimmung ist gelassen. In der Küche voller internationaler Düfte wird im Dutzend geköchelt, die Waschmaschinen laufen ununterbrochen, als seien sie im Stresstest, junge Männer ballen sich an erweiterten Steckdosen, wo sie ihre Smartphones in Gang halten. Ulla Paul und Hans-Jürgen Kraayvanger, die gestern durch die Halle führten, sind froh, dass der Betrieb gut läuft. Aus dem Nichts haben sie seit dem 12.Oktober, als die ersten Flüchtlinge kamen, eine funktionierende Organisation aufgebaut. Eigentlich soll die Sporthalle Ende des Jahres wieder frei sein, aktuell ist von Januar 2016 die Rede.

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen

"Mehrhooghilft" heißt die Gruppe, die sich als Teil der Flüchtlingshilfe Hamminkeln versteht, und im Zusammenschluss mit der seit Jahren bestehenden Flüchtlingshilfe Mehrhoog entstand. 120 Aktive stehen auf der Unterstützerliste. Die Initiative ist rechtlich der Caritas Maria Frieden angegliedert. "Eine große Herausforderung für unseren Ortsteil. Wir helfen nicht nur den Flüchtlingen, wir helfen auch Mehrhoog. Die Arbeit macht doppelt Sinn. Denn die Menschen werden bleiben. Das Dorf verändert sich, wir wollen die Zukunft mitgestalten", sagt Ulla Paul. Im Ort habe es bisher keine Menschen mit Kopftuch gegeben, jetzt gehöre dies zum Ortsbild. Die Aufgabe werde bleiben, Flüchtlinge aufzunehmen und zu integrieren.

Die Aktiven sind im Dauereinsatz. Diese Woche wird die Halle ausgebucht sein, die Stadt hat angekündigt, 180 Plätze zu belegen. Abwechslung ist wichtig. Die Flüchtlinge kaufen ein und kochen, das ist Teil des Alltags. Fünf Männer stemmen Gewichte im Mehrhooger Fitnessstudio. Mehrhoog ist aktiv in fünf Arbeitsgemeinschaften. Die AG Koordination sorgt für Informationsaustausch und Öffentlichkeitsarbeit. Die AG Halle ist Ansprechpartner, hilft bei Behördengängen oder Arztbesuchen. Die AG Deutschunterricht vermittelt Sprache. Dazu helfen die AG Kleiderkammer, Begleitung und Patenschaften.

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai

Die Angebotspalette umfasst auch Brettspiele für Erwachsene und Fußballtraining beim VfR Mehrhoog. Auch das Lauftreffangebot des SV Hamminkeln hat sich etabliert. Jeden Samstag haben Asylsuchende die Möglichkeit, sich auf eine fachlich begleitete Runde um den Ortsteil auf den Weg zu machen. Ein weiteres Angebot ist ein Fahrradkursus. Hier sollen den Neu-Mehrhoogern nicht nur die Verkehrsregeln vermittelt werden. Es sind auch Radfahrkurse und Reparaturen geplant. Räume für die Kursangebote sind schon gefunden. Fahrräder können ab heute dienstags von 10 bis 16 Uhr an der Mehrhooger Grundschule am Vorthuyser Weg abgegeben werden.

Quelle: RP
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