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Hamminkeln
Mehrhooger kämpfen für ihr Dorf

Hamminkeln: Mehrhooger kämpfen für ihr Dorf
Nur mit solchen Eintrittskarten konnten Einwender und/oder Betroffene gestern am Erörterungstermin für den Bahnausbau teilnehmen. FOTO: Ekkehart Malz
Hamminkeln. Beim Erörterungstermin war der Lärmschutz Knackpunkt. Die Bahn reagierte formal korrekt, aber ohne Zugeständnisse. Von Thomas Hesse

Schon lange vor Beginn ließen sich gestern die ersten Teilnehmer für den Erörterungstermin im Planfeststellungsverfahren zum Ausbau der Bahnlinie (Stichwort Betuwe) registrieren. 20 Träger öffentlicher Belange, die vom Großvorhaben berührt sind - von Naturschutzverbänden über Wasserwerke bis zur Stadt - waren zugelassen, ebenso mehr als 160 betroffene Anwohner aus Mehrhoog und Umgebung. Sie konnten im Bürgerhaus Hamminkeln ihre schriftlich eingereichten Einwendungen erläutern oder neue formulieren. Die werden jetzt bewertet, zu entscheiden gab es gestern nichts. Die Öffentlichkeit war ausgeschlossen.

Die Zahl der Teilnehmer gilt auch als Demonstration dafür, wie wichtig das am Ende zuständige Eisenbahnbundesamt und die Bahn als Vorhabenträger die Kritik vor Ort nehmen. So war die Veranstaltung ein Signal, auch wenn sie fern des von der Bahn durchschnittenen Dorfes stattfand. In Mehrhoog selbst gibt es keinen passenden Saal mehr. Es ging um den 9,8 Kilometer langen Abschnitt im Anschluss an Weseler Gebiet bis zur Stadtgrenze zu Rees. Im Mittelpunkt standen das den Nachmittag ausfüllende Thema Lärmschutz, der in den Außenbereichen nur passiv (Fenster statt Schutzwände) stattfinden soll, und am Vormittag auch die Troglage, weil Hamminkeln unverdrossen die Tieferlegung der Linie um 2,80 Meter fordert. Die Tagesordnung wurde wegen der vielen Diskussionsbeiträge nicht abgearbeitet.

Nach der Projektpräsentation der DB Netz AG kamen zunächst die öffentlichen Einwender zu Wort, wobei die Stadt mit Bürgermeister Bernd Romanski vertreten war. Der bestens präparierte Chef-Planer Thomas Dreier erhielt Applaus für die Forderung nach der Troglage. Der Kreis Wesel, der über Waldflächen an der Linie verfügt, die die Bahn braucht, verlangte mehr Naturschutz, etwa für Wildwechsel. Als Gäste dabei waren Ex-Bürgermeister Holger Schlierf und Gert Bork, Vorsitzender der Weseler Betuwe-Initiative. Die Erörterung verlief ruhig und sachlich, so die Bezirksregierung. Deren Planungsdezernentin Dr. Christina Schwoon erläuterte, man habe die Tagesordnung so aufgestellt, dass die Öffentlichen zunächst ihre Themen präsentieren, damit private Einwender zuhören können und so über den Stand informiert sind. Anwohner sorgten dafür, dass es in Teil zwei bewegter zuging. Bekannt wurde, dass Anfahr- und Bremsgeräusche auf dem künftigen Überholgleis nicht berechnet worden sind.

Hamminkelns Lärmgutachter kritisierte die Abschnittseinteilung der Bahn, Lärm-Berechnungen und zu hoch angesetzte Kosten. Es wurden kilometerlange Schutzwände und das Fehlen innovativer Lösungen im Außenbereich bemängelt. Hier könnte es zum Beispiel Schutzwälle geben. Die Bahn soll aber laut Teilnehmern - formal unangreifbar - keine Hoffnung auf Nachbesserung gemacht haben. Ernüchterung soll sich breitgemacht haben. Romanski: "Was man merkt ist, dass die Bahn extrem gut versteht, Konfliktenergie herauszunehmen. Die Bürger haben sich gut präsentiert." Kritisch sieht er, dass die Bezirksregierung keine Fachdienstvertreter geschickt hatte. Das sei "für Mehrhooger ernüchternd". Die Erörterung geht heute um 10 Uhr weiter.

Quelle: RP
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