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Wesel
Melodien des Frühbarock erfreuen

Wesel. In der St.-Johannes-Kirche fand jetzt das erste von mehreren Jubiläums-Konzerten zum 25-jährigen Bestehen von Pro Musica Bislich statt. Das "Balletto Terzo" zog das Publikum in seinen Bann. Von Hanne Buschmann

Erst einmal einen Blick auf das Storchennest in der Kirchenwoy werfen. Das gehört für etliche Besucher eines frühsommerlichen Bislicher Konzertsonntags dazu. Vom Kirchgarten aus ist dieses Idyll auch gut zu sehen. Alles in Ordnung am Pfingstsonntag: Ein Elternstorch wacht über den Nachwuchs, mindestens ein Jungvogel reckt seinen Kopf hoch.

In der St. Johannes-Kirche beginnt das Ensemble "Balletto Terzo" - drei empfindsame und technisch versierte Musiker - zu konzertieren. Die Drei bringen den zunehmend begeisterten Hörern Kompositionen des Frühbarock nahe. Seit 1997 treten Brigitta Borchers (Mezzosopran), Sigrun Stephan (Cembalo) und Andreas Nachtsheim (Lauten) zusammen auf. Mit Telemanns Aria "Guten Morgen, faules Glück" stellen sie sich sogleich mit ihrer beglückenden Klangform und Spannweite vor, die von der distanzierten, gelassenen Heiterkeit an Fürstenhöfen geprägt ist.

Brigitta Borchers, in ein tiefrotes Seidenkleid mit schwarzem Spitzenschal gehüllt, singt einen Text vom erhofften, doch treulosen Glück. Ihrer klaren, sicher durch alle Schwierigkeiten geführten, auch in etlichen Verzierungen nie überdrehten Stimme zuzuhören, wird zum Genuss. Kein Hauch von Härte, keine Anmutung von Schatten legt sich auf die jugendfrische Kehle. Wunderbar. Ebenso beeindrucken die Instrumentalstimmen. Händels Entrée und drei Tanzsätze runden sich zu einem klangschönen harmonischen Ganzen. Andreas Nachtsheim erweist sich als inspirierter Virtuose auf der sechssaitigen Barocklaute, Sigrun Stephan als gleicherweise sensible Könnerin auf dem Cembalo. Fast zwei Stunden lang erfreuen die Musiker ihre Hörer. Die Zeit anschlagende Kirchenglocke findet dafür sogar die Lücken zwischen den Darbietungen.

Die Laute besingt die "Einsamkeit", der sanfte Mezzosopran "Die holde Nacht" und Geheimnisse "In dem Dunkeln" zu Laute und kleiner Knieharfe von Johann Philipp Krieger. Telemanns fast knarrende Kantate "Der Geiz", vom gesamten Ensemble interpretiert, weckt spontanen Applaus. Cembalo und Laute führen das vornehme Schreiten einer "Pavana" von Cabezón vor. "Venus, du und dein Kind" von Regnart singt der feine Mezzo, Laute und Harfe stimmen "Der Königin Tanz" von Newsidler an. Und wieder Telemann, nun mit der Kantate "Die Falschheit" - und Extra-Applaus. Für Ortiz' flotte "Recercada segunda" ergreift Nachtsheim eine kleinere Laute. Die begleitet auch Lieder von José Marin. Wie Cembalo und die große Laute Hammerschmidts Lied "Ach ich armes Mägdlein klage" untermalen und wie der eigentlich sanfte Mezzo die aufgezwungene Enge der Mädchenwelt dezent wütend besingt, das entfesselt jegliche Zurückhaltung. Aufbrausender Beifall und Zugabe. Das Festkonzert zum 25-jährigen Wirken von "Pro Musica" soll im September steigen.

Quelle: RP
 
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